Schottische Studentenverbindung "Wie werden wir sie vergewaltigen?"

Eine schottische Studentenverbindung fantasierte bei ihren Treffen immer wieder über Vergewaltigungen, sogar einen "Vergewaltigungs-Trip" schlug ein Mitglied vor. Und ein pflichtbewusster Protokollant schrieb alles mit.

Universität Edinburgh: "Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst"
Corbis

Universität Edinburgh: "Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst"


Ein Protokoll verstört die schottische Universität Edinburgh: Demnach sollen Mitglieder einer Studentenverbindung bei ihren Treffen immer wieder Vergewaltigungswitze gemacht haben. "Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst", sagte ein Sprecher der Universität der britischen BBC.

Dem "Student Newspaper" der Universität wurden die Protokolle zugespielt, sie seien auf Echtheit geprüft, schreibt die Zeitung auf ihrer Webseite. Sie dokumentieren mehrere Treffen der Verbindung Delta Kappa Epsilon zwischen September 2013 und Mai 2014. So habe ein Mitglied beispielsweise vorgeschlagen, ein Paintball-Spiel zwischen der Verbindung und der Feminist Society der Uni zu organisieren. Als das abgewiesen wurde, fragte das Mitglied: "Wie werden wir sie vergewaltigen?" Ein anderer schlug daraufhin vor: "Lass uns nach Montenegro fahren für einen Vergewaltigungs-Trip."

Die Verbindung hat amerikanische Wurzeln: 1844 wurde sie an der renommierten Universität Yale gegründet. Die "New York Times" berichtete schon in den Sechzigerjahren über "sadistische und obszöne Initiationsriten" an der dortigen Universität. Der Delta-Kappa-Epsilon-Präsident, ein 21-jähriger Student, sagte damals, das Brandmarken mit einem glühenden Eisen verursache "nur eine Zigaretten-Brandwunde", weshalb er die Aufregung auf dem Campus nicht verstehe. Der Student hieß George W. Bush. Vor einigen Jahren wurde die Verbindung vom Campus verbannt, nachdem Mitglieder über den Campus marschiert waren und riefen: "Nein bedeutet Ja. Ja bedeutet anal", berichtet unter anderem der britische "Independent".

Die Feminist Society veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite ein Statement zu den veröffentlichten Protokollen: "Die Tatsache, dass dieses Verhalten für eine Gruppe Studenten akzeptabel ist, und dass es sogar in einem offiziellen Protokoll aufgezeichnet wurde, ist ein deutliches Beispiel in welchem Ausmaß Sexismus und Frauenfeindlichkeit in unserer Umwelt existiert, dagegen müssen wir kämpfen." Sie würden sich dafür einsetzen, dass Delta Kappa Epsilon auf dem Campus verboten wird.

Die Verbindung selbst hat die Vorwürfe bislang nicht kommentiert. Ein ehemaliges Mitglied sagte der BBC, die Sprüche seien bei dem Verbindungstreffen "sehr umstritten" gewesen. "Einige haben gelacht. Andere sagten, wenn das ein Witz sein soll, dann ist es nicht wirklich ein Witz."

fln

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