Schummeln mit Smartwatch Britische Unis verbieten Uhren in Klausuren

Im April kommt die Apple Watch, an Unis wächst schon jetzt die Angst vor der modernen Armbanduhr: Mit dem kleinen Computer am Handgelenk könnten Studenten in Prüfungen schließlich wunderbar spicken. Hochschulen in London reagieren rigoros.

Apple Watch: Die Computeruhr soll im April 2015 auf den Markt kommen
AFP

Apple Watch: Die Computeruhr soll im April 2015 auf den Markt kommen


Wer in Prüfungen schummelt, weiß, dass Unauffälligkeit oberstes Gebot ist. Ein schneller Blick in die Handinnenfläche - wem fällt das schon auf? Noch diskreter wäre nur ein Blick auf die Armbanduhr, schließlich ist die Uhrzeit bei Klausuren ein wichtiger Faktor.

Doch was, wenn die Armbanduhr die Ergebnisse ausspucken kann? Wenn sie wie ein kleiner Computer funktioniert, internetfähig ist und Texte anzeigen kann? Smartwatches sind die perfekte Schummelhilfe - Unis fürchten die Apple Watch deshalb bereits vor ihrem Verkaufsstart im April.

Mehrere Hochschulen in London haben sich laut "Buzzfeed" deshalb bereits gerüstet: So habe die City University in London mitgeteilt, dass sie und andere Hochschulen in Zukunft alle Armbanduhren in Prüfungsräumen verbieten wollen. "In großen Prüfungsräumen mit mehr als hundert Studenten ist es einfach nicht praktikabel, Aufsichtspersonen anzuweisen, jede Armbanduhr zu überprüfen", teilte die Uni dem Bericht zufolge mit.

Die University of London hatte bereits ähnliche Bedenken anmeldet. "Tragbare elektronische Geräte" seien in Prüfungsräumen nicht erlaubt, heißt es in einem Papier des akademischen Komitees. Angesichts der Einführung der Apple Watch wurde dort schon vor Wochen ein generelles Verbot von Armbanduhren in Prüfungssituationen in Betracht gezogen.

Chinesische Schummelkönige: Trinkflaschen mit Minikameras

Als Maßnahme gilt nun unter anderem an der City University: Armbanduhren müssen - wie bereits Mobiltelefone - in einer kleinen Plastiktüte unter dem Tisch befestigt werden. Im Gegenzug sollen große Wanduhren in den Räumen angebracht sowie einige kleine Tischuhren verteilt werden.

Dass die Angst der britischen Hochschulen nicht unbegründet ist, zeigen Berichte aus China. Bereits im vergangenen Jahr machten Bilder von Gegenständen die Runde, die bei 40 Schülern in der 14-Millionen-Einwohner-Stadt Chengdu beschlagnahmt wurden. Die Schüler, die einen Eignungstest für technologische Berufe schreiben sollten, hatten ihre Schummelutensilien selbst herstellt und als Gebrauchsgegenstände getarnt: In einem Kettenanhänger befand sich eine Fernbedienung für eine Kamera, in Brillengestelle waren Sender eingelassen. Eine Trinkflasche enthielt eine Miniaturkamera, die mit einem Portemonnaie verkabelt war.

Einige Studenten trugen ganze Schaltkreise samt Batterien und Mobiltelefonen unter der Kleidung. Drahtlose Hörkapseln waren als Schaumstoff-Ohrstöpsel getarnt, Kugelschreiber mit Sendern ausgestattet.

Fotostrecke

7  Bilder
Prüfungen in China: Pfuschen auf Hightech

lgr



insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
static2206 09.02.2015
1. Ich finde wer bei technischen Prüfungen
dermaßen gut schummelt, hat die Materie doch sehr gut verinnerlicht und müsste doch bestehen
ti.go 09.02.2015
2. kann man mit der AppleWatch
besser spicken als mit Smartwatches von beispielsweise Samsung oder Sony, oder warum wird diese hier besonders erwähnt und ein Zusammenhang mit deren Markteinführung geknüpft?
felisconcolor 09.02.2015
3. Tja
an deutschen Schulen setzt man ja eher auf die freiwillige sozial Kompetenz der Schüler das bei Arbeiten keine Smartphones zum Schummeln eingesetzt werden. (so geschehen an einer Schule in Alfeld/Leine) was zur Folge hatte das ganze Klassenarbeiten mit WhatsApp verschoben wurden. Es wurde keine Arbeit wegen Schummelei eingezogen.
fritze_bollmann 09.02.2015
4. Nur keine Angst.
Wer von den Studenten nachweisen könnte, dass er die "Schummelhilfe" eigenhändig gebastelt hat, dem würde ich die Klausur als "bestanden" werten.
Jasro 09.02.2015
5. Klausur OHNE Armbanduhr?
Für mich wäre eine Klausur ohne Armbanduhr zu schreiben völlig undenkbar! Ich habe während meiner Klausuren immer den Blick auf selbige gebraucht, um mich zu orientieren, wie viel Zeit mir noch bleibt. Ich finde, dass das in der Form zu weit geht! Klausur ohne Smartwatch - o.k., das verstehe ich. Aber GANZ ohne Armbanduhr, auch ohne die "altmodische", analoge Armbanduhr? Niemals!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.