Seltener Bildungsaufstieg Abgehängt bleibt abgehängt

Nur zwei Prozent der Studenten in Deutschland kommen aus bildungsfernen Familien. Meist hat der akademische Nachwuchs Eltern mit Uni-Abschluss, wie eine neue Analyse zeigt. In anderen europäischen Ländern gelingt der Aufstieg hingegen weitaus besser.

Mama Magister: Wer studiert, hat meistens auch Eltern mit einem Studienabschluss
dpa

Mama Magister: Wer studiert, hat meistens auch Eltern mit einem Studienabschluss


Aufstieg durch Bildung - für viele junge Deutsche erfüllt sich diese Hoffnung nicht. Wieder zeigt sich: Wer keine Eltern hat, die studiert haben, schafft es weitaus seltener selbst an die Hochschule. Eine neue Studie zeigt jetzt erneut, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, dass Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern ein Studium aufnehmen.

Gerade einmal zwei Prozent der Studenten kommen laut der deutschen Analyse des vierten Eurostudent-Report aus einer Familie mit "niedrigem Bildungshintergrund". Nach den Kriterien der Studie sind das Familien, in denen die Eltern nur einen Hauptschulabschluss haben oder ein Berufsvorbereitungsjahr absolviert haben.

Die Analyse vorgelegt hat das Hochschulinformationssystem (HIS); es präzisiert damit, was man bereits wusste darüber, wie Europas Studenten ticken - und lenkt den Fokus auf die soziale Situation in Deutschland. Bereits die Vorgänger-Studie hatte gezeigt: Die deutschen Hochschulen sind nach wie vor ein exklusiver und elitärer Zirkel. So haben zwei Drittel der deutschen Studenten Eltern, die selbst ein Studium absolviert haben.

Für die Umfrage wurden mehr als 200.000 Studenten aus Europa befragt. Im internationalen Vergleich von 25 europäischen Staaten bildet die Bundesrepublik in Sachen Bildungsaufstieg in der Auswertung das Schlusslicht - zusammen mit Kroatien, Polen, Lettland und der Slowakei.

In anderen europäischen Ländern haben Kinder aus bildungsfernen Kreisen demnach bessere Chancen: Als besonders positiv fielen dabei Portugal und Türkei auf, die es am besten schafften, Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern an die Hochschulen zu bringen. In beiden Ländern macht ihr Anteil mit 45 Prozent fast die Hälfte der Studenten aus.

Auch in Ländern wie Spanien, der Tschechischen Republik oder Finnland variiert der Anteil der Studenten mit niedrigem Bildungshintergrund immerhin noch zwischen 10 und 25 Prozent an den Universitäten.

Ebenfalls für die Studie wurde untersucht, wie oft Studenten zum Studieren ins Ausland gehen: Akademikerkinder in fast allen untersuchten Staaten machen das demnach deutlich häufiger als jene aus bildungsfernen Elternhäusern. Dabei dürften ebenfalls die Bildungsabschlüsse der Eltern den Ausschlag geben, denn gut ausgebildete Eltern verdienen in der Regel mehr und können ihren Kindern einen Auslandsaufenthalt eher ermöglichen. Besonders häufig studieren demnach dänische, spanische und italienische Studenten im Ausland.

Deutschland bildet in diesem Fall allerdings eine Ausnahme: Die Beteiligung am Auslandsstudium unterscheidet sich laut Statistik nur geringfügig nach dem Bildungshintergrund. Dies liegt laut Studie auch daran, dass deutsche Studenten mit Bafög-Anspruch ihre Förderung vom ersten Semester an mit ins europäische Ausland nehmen können.

jon/dpa

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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
AndyDaWiz 16.01.2012
1. wie armselig...
Zitat von sysopNur zwei Prozent der Studenten in Deutschland kommen aus bildungsfernen Familien. Meist hat der akademische Nachwuchs Eltern mit Uni-Abschluss, wie eine neue Analyse zeigt. In anderen europäischen Ländern gelingt der Aufstieg hingegen weitaus besser. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,809306,00.html
"Dabei dürften ebenfalls die Bildungsabschlüsse der Eltern den Ausschlag geben, denn gut ausgebildete Eltern verdienen in der Regel mehr und können ihren Kindern einen Auslandsaufenthalt eher ermöglichen. " Hallo, es sind die WERTE. Das, was man von den Eltern vorgelebt bekommt. Wenn der Englischkindergarten gegen Geld mehr wert ist als die PSP (auch gegen Geld), dann lernen Kinder eben was anderes. Wenn auf den urlaub verzichtet wird, damit die Schuelerfahrt ins Ausland bezahlt werden kann, dann lernen Kinder eben was anderes. Und - schauen Sie sich doch mal um - diese Oberflaechlichkeit ueberall. Wer ist dagegen am resistentesten ? Rischisch, diejenigen, deren Eltern Uni-Abschluesse haben. Das ist alles ganz unabhaengig vom Geld. Gier ueberall. Als ob mehr Geld was aendern wuerde. Weniger Primitivitaet schon...
meike84 16.01.2012
2.
Sagt die Studie überhaupt irgend etwas aus? Es ist doch völlig uninteressant wieviel Studenten Eltern mit niedrigem Bildungshintergrund haben. Vorallem wenn man nicht mal weiß wieviel Eltern in Deutschland einen niedrigem Bildungshintergrund und wieviele der Eltern selbst ein Studium haben. Dazu weiß der Leser jetzt auch nicht in welche Kategorie Eltern zählen wo ein Elternteil ein Studium absolviert hat und der andere Elternteil einen niedrigen Bildungshintergrund hat. Zählen diese Eltern zu den Eltern mit hoher Bildung, dann ist klar, dass die Zahl der Studierenden mit Eltern mit niedrigem Bildungshintergrund geringer ausfällt. Es wäre viel interessanter zu wissen wieviel Prozent der Kinder von Eltern mit Studium gehen auch studieren und seperat dazu wieviel Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungshintergrund gehen studieren. [QUOTE] In anderen europäischen Ländern haben Kinder aus bildungsfernen Kreisen demnach bessere Chancen: Als besonders positiv fielen dabei Portugal und Türkei auf, die es am besten schafften, Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern an die Hochschulen zu bringen. [\QUOTE] Ist es nicht klar, dass wenn die Bevölkerung insgesamt ein niedrigeres Bildungsniveau hat, dann dann auch mehr Akademiker Eltern mit niedrigem Bildungshintergrund haben? Für mich ist die Studie einfach nur Müll, den sie sagt einfach überhaupt nichts aus. Was für eine Geldverschwendung.
oui 16.01.2012
3. keine Fatalität!
Zitat von sysopNur zwei Prozent der Studenten in Deutschland kommen aus bildungsfernen Familien. Meist hat der akademische Nachwuchs Eltern mit Uni-Abschluss, wie eine neue Analyse zeigt. In anderen europäischen Ländern gelingt der Aufstieg hingegen weitaus besser. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,809306,00.html
wir sind keine Akademiker sondern Menschen des alten Schlags, die mitgearbeitet haben, die Bundesrepublik circa ein halbes Jahrhundert lang zum grössten Exporteur der Welt zu machen, deshalb bin ich auch Ausländer, meine Frau nicht. ab 1960 hat die Bundesrepublik enorm viele solche Mitarbeiter benötigt, sie sind gekommen, die Familien sind binational und alle Kinder sind Akademiker mit glänzenden Abschlüssen (Medizin, Abschlüsse 2,0, usw.) und Bundespreisen (7, darunter mehrere ersten in den hohen Altersstufen)... nur und das scheint mir enorm wichtig wir haben viele kleine Brötchen gebacken oder backen müssen, und meistens am Rande des Existenzminimums aus einem Einkommen (natürlich von nicht-Akademiker) gelebt, damit die Kinder etwas werden. der Höhe der Rente nach leben wir auch unter dem Existenzminimum, weil uns ein Einkommen immer gefehlt hat, und natürlich die entsprechenden Rentenbeiträgen beim Partner... mein Vetter in Paris, sollte bald in Rente gehen, macht immer noch mit seiner Frau viele Überstunden... beide sind nämlich Gymnasiallehrer, also Akademiker wie man so sagt, und nach den Stellenstreichungen der letzten Jahren sind viele Klassen ohne Lehrer und deshalb diese Überstunden. so lang ich zurückdenken kann, war es so. die Kinder, heute Erwachsen, sind nichts geworden... Kinder braucht laufend Unterstützung, um richtig und gefahrslos noch dazu zu gedeihen. die perverse Behauptungen der Politiker, dass beide arbeiten müssen, und das entsprechend die Kinder an die anonyme Pflege abzugeben sind, sind Betrug. es handelt sich um die Verlängerung des Kampfes von einigen Frauenrechtlerinnen, die einzeln leben möchten, um keine Konzessionen in einer Ehe machen zu müssen, um das Abgeben der Kinder an wem es will: Kinderparkplatz... Deutschland ist zwar Exportweltmeister, aber auch fast genauso lange rote Laterne des Familienlebens in den zivilisierten Ländern, ein sehr, sehr egoïstische Wüste eben ...
bn 16.01.2012
4. Zahlen, Fakten, Logik
Erstens: Um ueberhaupt eine Frage nach dem relativen Erfolg, bildungsferne Schichten an die Unis zu bringen, reicht es nicht, anzugeben, wie hoch der Teil der Studenten aus bildungsfernen Schichten ist. Man muss gleichzeitig auch wissen, wie hoch der Anteil der Menschen in den bildungsfernen Schichten ist. Im Artikel wird nicht klar, ob dieser Anteil ueberall gleich ist. Desweiteren muss klar sein, ob sich ein gegebenes Land gerade in einer Bildungsexplosion befindet, in dem sich der Anteil der Studenten ueberproportional erhoeht - auch das wuerde automatisch zu einem erhoehten Anteil von Studenten aus bildungsfernen Schichten fuehren. Portugal und die Tuerkei koennten in diese Kategorie fallen. Der Artikel kommt seinem Informationsanspruch nicht nach, indem er diese Kerndaten nicht kritisch durchleuchtet. Zweitens: Aufgrund der tatsache der teilweisen Vererbung von Intelligenz (und allen anderen Eigenschaften) bedeutet eine durchlaessige Gesellschaft eine staerkeer Stratifizierung nach (genetischen) Begabungen. Eine reife Gesellschaft, die ueber Generationen immer den Schlauen den Aufstieg erlaubt hat, wird tendentiell einen geringeren Anteil von Aufsteigern haben, einfach weil die Korrelation von (genetischer) Begabung und Schicht staerker ist. Es kann dem Artikel verziehen werden, dieser Frage nicht kritisch nachgegangen zu sein, da die Quantifizierung dieser Effekte schwierig ist. Aber ein Wort zu den Auswirkungen dieser Tatsachen waere angebracht gewesen. Vor dem Hintergrund dieser beiden Tatsachen laesst sich also nicht sagen, ob D ein sozialeres (im Sinne von chancengleicheres) Bildungssystem als die TUerkei oder Portugal hat. Beide Teile muessen quantifiziert werden, um eine abschliessende Beurteilung ueber diese Frage ueberhaupt in Erwaegung zu ziehen. Letzteres ist nicht der Fall, falls man herausfindet, dass es Begabte aus bildungsfernen Schichten in der Tat schwerer haben, an die Unis zu kommen. Diesen direkten Beweis hat der Artikel aber nicht angetreten. Daher enthaelt dieser ARtikel keine Aussage ueber die "Gerechtigkeit" oder die Chancengleichheit der Laender, die verglichen wurden.
altmannn 16.01.2012
5. Die Kinder
Zitat von ouiwir sind keine Akademiker sondern Menschen des alten Schlags, die mitgearbeitet haben, die Bundesrepublik circa ein halbes Jahrhundert lang zum grössten Exporteur der Welt zu machen, deshalb bin ich auch Ausländer, meine Frau nicht. ab 1960 hat die Bundesrepublik enorm viele solche Mitarbeiter benötigt, sie sind gekommen, die Familien sind binational und alle Kinder sind Akademiker mit glänzenden Abschlüssen (Medizin, Abschlüsse 2,0, usw.) und Bundespreisen (7, darunter mehrere ersten in den hohen Altersstufen)... nur und das scheint mir enorm wichtig wir haben viele kleine Brötchen gebacken oder backen müssen, und meistens am Rande des Existenzminimums aus einem Einkommen (natürlich von nicht-Akademiker) gelebt, damit die Kinder etwas werden. der Höhe der Rente nach leben wir auch unter dem Existenzminimum, weil uns ein Einkommen immer gefehlt hat, und natürlich die entsprechenden Rentenbeiträgen beim Partner... mein Vetter in Paris, sollte bald in Rente gehen, macht immer noch mit seiner Frau viele Überstunden... beide sind nämlich Gymnasiallehrer, also Akademiker wie man so sagt, und nach den Stellenstreichungen der letzten Jahren sind viele Klassen ohne Lehrer und deshalb diese Überstunden. so lang ich zurückdenken kann, war es so. die Kinder, heute Erwachsen, sind nichts geworden... Kinder braucht laufend Unterstützung, um richtig und gefahrslos noch dazu zu gedeihen. die perverse Behauptungen der Politiker, dass beide arbeiten müssen, und das entsprechend die Kinder an die anonyme Pflege abzugeben sind, sind Betrug. es handelt sich um die Verlängerung des Kampfes von einigen Frauenrechtlerinnen, die einzeln leben möchten, um keine Konzessionen in einer Ehe machen zu müssen, um das Abgeben der Kinder an wem es will: Kinderparkplatz... Deutschland ist zwar Exportweltmeister, aber auch fast genauso lange rote Laterne des Familienlebens in den zivilisierten Ländern, ein sehr, sehr egoïstische Wüste eben ...
der 60er Jahre hatten nur selten akademisch gebildete Eltern, haben aber selbst zu enormen Anteilen akademische Bildung erworben. Gerde, weil es ihren Eltern wichtig war und diese auch durchaus bereit waren, für diese Bildung Opfer auf sich zu nehmen. Zu dieser Zeit war es aber auch Politikern sehr wichtig, die Zahl der Studierenden zu erhöhen. Z. B. gab es in manchen Bundesländer wie in Hessen Schülerbafög. Das führte dazu, dass sich auch Bildungsferne Schichten wenigstens die Busfahrkarte leisten konnten.
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