Mein erstes Mal... ... auf der ganz großen Bühne stehen

Cameron Hunter, 26, Balletttänzer in Berlin

Helena Lea Manhartsberger/ UNI SPIEGEL

Von ; Foto: Helena Lea Manhartsberger


Deutsche Oper Berlin, Licht fällt durch große Fenster ins Übungsstudio, Sommer 2017, der Tag, an dem bekannt gegeben wird, welche drei Tänzer den Romeo tanzen werden.

"Es ist das Ende einer langen Saison, meiner ersten beim Staatsballett Berlin, in der ich fünf Stücke getanzt habe, Nebenrollen in "Der Nussknacker", in "Schwanensee", in "Dornröschen" und mehr. Ich gehe auf dem Zahnfleisch.

Zwei Tänzer haben mir gerade gratuliert. Wozu? Ich wollte nicht wie ein Idiot dastehen und zugeben, dass ich keine Ahnung habe. Ich lachte lieber und sagte: 'Danke.'

Dann sehe ich es auch. Da, am schwarzen Brett, steht mein Name, da steht er neben dem von Marian Walter, einem Superstar. Ich habe die Rolle des Romeos. Noch nie habe ich eine Hauptrolle getanzt.

Das ist unglaublich, eine einmalige Chance, eine Ehre. Aber ich kann das nicht. Kann ich das absagen? Wie kann ich das absagen? Ich klinge verrückt. So viele Gedanken in nur vier Sekunden. Ich will die Rolle unbedingt. Um alles in der Welt will ich den Romeo tanzen. Er ist so vielschichtig, die Charakterisierung schwierig, er ist arrogant und ignorant, ausgelassen, töricht, aber auch romantisch, selbstlos.

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Ich muss die Angst beiseiteschieben, sie hält auf, provoziert Fehler schon bei dem kleinsten Anflug davon. Wie damals beim Australian Ballet, als ich bei einer Aufführung viermal fiel, weil ich meine Nervosität zuließ. Damals dachte ich mir: Jetzt hast du den schlimmsten Auftritt deiner Karriere hinter dir. Dann kam ich darüber hinweg. Wen außer dir hat das schon interessiert?

Tanzen ist wie eine Sprache. Ich habe der Welt schon oft bewiesen, dass ich sie spreche. Erst sind die Schritte Fragmente, dann fließen sie ineinander zu einer einzelnen Bewegung. Wenn ich das Stück dann tanzen werde vor Publikum, werde ich hinterher dieses König-der-Welt-Gefühl haben.

Ein Tänzer muss rausgehen, sich fast in die Hose machen vor Nervosität, um sich lebendig zu fühlen.

Ich habe Angst vor der Rolle des Romeos. Aber es macht mir mehr Angst, niemals zu erfahren, ob ich sie tanzen kann."

Der Australier Cameron Hunter, 26, tanzt, seit er 14 Jahre alt ist. Im Staatsballett Berlin ist er in "Romeo und Julia" zu sehen - als Romeo. Es ist sein erster Auftritt in einer Titelpartie.



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