Mein erstes Mal... ... einen Saal voller Menschen das eigene Lied singen hören

Andac Berkan Akbiyik, 27, rappt unter dem Namen BRKN

Helena Lea Manhartsberger/ UNI SPIEGEL

Von ; Foto: Helena Lea Manhartsberger


UNI SPIEGEL: Wenn du deine Songs schreibst, musst du immer wieder etwas Neues entwickeln, das die Fans überrascht. Ist das schwierig?

Andac Berkan Akbiyik: Es geht mir nicht darum, mich immer neu zu erfinden. Ich will ein Gefühl in den Menschen auslösen. Manchmal mach ich drei Songskizzen und schmeiß alles weg. Wenn ich im Studio stehe, ein bisschen rumsinge und zwei Tage später immer noch einen Ohrwurm davon habe, denke ich mir: Das könnte was sein.

UNI SPIEGEL: Wann hattest du das Gefühl das letzte Mal?

Akbiyik: Bei meinem aktuellen Song "Bordeaux", daran habe ich eineinhalb Monate gearbeitet, bis alles glattgebügelt war. Name und Thema kamen von meinem Bühnenoutfit. Für die "Einzimmervilla"-Tour haben wir auf dem Berliner Ku'damm ein bordeauxfarbenes Sakko besorgt, ein geiles Teil. Die Leute erkennen es wieder.

UNI SPIEGEL: Was passiert, wenn du es vor einer Show anziehst? Wirst du nervös?

Akbiyik: Die Angst zu verkacken, habe ich nie. Ich bin eher positiv aufgeregt. Wenn ich hinterm Vorhang stehe und die Leute tuscheln, kriege ich richtig Bock. Vor allem bei kleinen Shows, wie im "Bi Nuu" in Berlin vor 550 Leuten. Da geht der Beat an, und die Leute springen von der ersten Sekunde an. Und wenn dann der ganze Raum mitsingt bei "Ein Zimmer", was ja ein Lovesong ist, ist das ganz schön krass.

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UNI SPIEGEL: Wie war es, das erste Mal dich selbst rappen zu hören?

Akbiyik: Ich war zwölf, als ich mit meinen Freunden zum ersten Mal Musik aufgenommen habe. Wir hatten ein Mikro für zwölf Euro, das konnte man in einen Laptop einstöpseln. Meine eigene Stimme rappen zu hören, das war komisch, aber auch ziemlich cool. Ich hab mich schnell daran gewöhnt. Seitdem haben wir Musik gemacht wie die Wilden. Ich hatte schnell 500 Beats.

UNI SPIEGEL: Klingt wie ein Rausch.

Akbiyik: Ja, das kann man so sagen. Richtig ernst wurde das aber erst 2012. Meine Tante starb innerhalb weniger Wochen an Krebs und ein Bekannter an den Folgen einer Mandel-OP. Da dachte ich: Wenn ich übermorgen sterbe, will ich nicht die ganze Zeit nur so kacke in der Schule gesessen haben. Ich wusste: Alles außer Musik ist Quatsch.

Andac Berkan Akbiyik, 27, singt und rappt unter dem Namen BRKN auf Deutsch, seine Musik wird hochgelobt von Kollegen wie Sido und Alligatoah, zuletzt veröffentlichte er sein zweites Album "Einzimmervilla" und tourte mit Prinz Pi.



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