Fotopreis für Studenten So schön kann Pendeln sein

Züge, Hochhäuser, Autoreifenberge: Mit ihren Bildern über Stadtgrenzen haben es zehn Studenten auf die Shortlist des Sony World Photography Award geschafft. Svetlana Blagodareva gewann mit Bildkollagen über Pendler im Niemandsland.

Lucia Moron

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Stromleitungen ziehen sich über Kilometer in die Ferne. Irgendwann lösen sie sich im Nirgendwo auf. Sie verbinden die Stadt mit der Vorstadt, die Vorstadt mit dem Land. Für Svetlana Blagodareva aus Sankt Petersburg markieren Stromleitungsbündel die Ränder ihrer Heimatstadt.

Die 20 Jahre alte Fotografiestudentin hat sich für den Sony World Photography Award mit dem Übergang zwischen Stadt und Vorstadt beschäftigt. Es war das Thema des Wettbewerbs in der Studentenkategorie des renommierten Fotografiepreises, den es seit acht Jahren gibt.

Wie sehen Stadtränder aus, was ist typisch für sie, wen trifft man dort? Eine Woche hatte Blagodareva Zeit, um das Thema "The edges of the city", das vom Preisausrichter vorgegeben war, umzusetzen. Sie entschied sich dafür, Pendler zu porträtieren.

Blagodareva wirkt am Telefon schüchtern und sehr aufgeregt. Sie steht nicht gern in der Öffentlichkeit. "Ich publiziere meine Arbeiten nicht gern, weil sich meine Fotografien immer auch auf mich selbst beziehen", sagt sie. Ihre Professorin hat Blagodareva auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht. Als die Studentin erfahren hat, dass sie es bis auf die Shortlist geschafft hatte, sei sie schockiert gewesen. Sie dachte, es müsse sich um einen Fehler handeln - gleichzeitig war sie euphorisiert.

Studenten von 230 Hochschulen

Die Menschen, die sie abgelichtet hat, sind aus ihrem Bekanntenkreis. "Man kann nicht einfach so Leute fotografieren, das könnten sie als einen Angriff verstehen", sagt sie. Unterschiedliche Generationen. Unterschiedliche Charaktere. Männer und Frauen. Jeder von ihnen hat ihr erzählt, wo für ihn die Stadtgrenze verläuft. Dort ist die Studentin mit ihnen hingefahren und hat sie gebeten, das mitzubringen, was sie beim Pendeln immer dabei haben.

Auf ihren Fotos sieht man die Protagonisten mit einem Buch oder Smartphone in der Hand. Es spiegeln sich Stromleitungen und Lichter in den Bildern. Blagodareva hat mehrere Aufnahmen übereinander gelegt, um den Effekt zu erzeugen. Ihre Montagen stimmen melancholisch, die Menschen sehen müde aus, so als wollten sie mit der Außenwelt nichts zu tun haben.

Studenten von 230 Hochschulen aus Ländern wie Argentinien, Südafrika, Australien und den Vereinigten Staaten haben sich an dem Wettbewerb beteiligt. Zehn von ihnen sind auf der Shortlist. Sie alle zeigen die Stadtränder aus ihrer Perspektive. Sie haben Müllhalden fotografiert, Autoreifenberge, eingestürzte Mauern, kaputte Fenster, verfallene Fabrikgebäude und Hochhaussiedlungen. Es sind Orte, die Menschen verloren wirken lassen, die farblos erscheinen und dreckig.

Im Juli wird Svetlana Blagodareva ihren Bachelor abschließen. Danach will sie einen Master in Kommunikationsdesign anschließen. "Ich will kein Geld mit meiner Fotografie machen", sagt sie. Sie wolle sich nicht kommerziell bemerkbar machen, sondern in der Kunst.

Mitarbeit/Übersetzung: Vadim Bekichev

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Fotomagazin von Studenten: Stille Wucht

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