Gegenbewegung zur "Biernominierung" Spenden statt trinken

Die Facebook-Kettenbrief-Aktion "Biernominierung" erfährt eine positive Wendung: Viele versuchen, die Trinkwelle sinnvoll zu nutzen. Einer von ihnen ist der Erfurter Student Julian Brauchle. Er spendete Geld, filmte sich und trat eine kleine Spendenlawine los.

Julian Brauchle mit Spendenquittung: 21.000 Likes in zwei Tagen
Privat

Julian Brauchle mit Spendenquittung: 21.000 Likes in zwei Tagen


Egal ob man die Facebook-Welle der "Biernominierungen" für gut oder dumm hält: Die Spaßaktion demonstriert, wie sich ein soziales Netzwerk nutzen lässt. Das ist auch vielen Menschen aufgefallen, die mit der lustigen, aber auch sinnlosen Idee des "Bier-Exens" wenig anfangen können.

Zahlreiche Facebook-Nutzer nominieren inzwischen für etwas Sinnvolleres als dazu, vor laufender Kamera ein Bier zu kippen. So spendete der Nationalmannschaft-Hockeyspieler Christopher Wesley Geld für einen guten Zweck und nominierte andere Sportsmänner, das auch zu tun. Sein Kollege Tobias Hauke nahm den Ball Volley, die "Bild"-Zeitung berichtete.

Sie waren damit nicht allein. Die Idee gab es in anderen Ländern, in Deutschland kam am Dienstag der Student Julian Brauchle, 23, aus Holzheim als einer der Ersten auf die Idee. Er studiert Staatswissenschaften an der Universität Erfurt.

SPIEGEL ONLINE: Sie wurden für das Bierspiel nominiert und haben stattdessen eine Spendenquittung hochgehalten und Nachahmer als Spender nominiert. Wie ist das, beim Bierspiel eine Art Spielverderber zu sein?

Brauchle: Die Reaktionen waren äußerst positiv. Anfangs hatte ich das Ganze ja nicht öffentlich gemacht, nur meine Freunde konnten das Video sehen. Schon da gab es viele Likes und positive Kommentare. Als ich es so eingestellt hatte, dass es alle sehen können, kam eine gehörige Anzahl an freundlichen Nachrichten rein. Die Leute waren genervt von diesem Trend und fanden es gut, dass jemand was anderes macht.

SPIEGEL ONLINE: Was waren die negativen Reaktionen?

Brauchle: Einige schrieben auch, dass sie es eher nicht cool fanden. Die meinten, ich könne doch trotzdem ein Bier exen und spenden. Andere meinten auch, ich suchte Aufmerksamkeit, und sollte das Spenden für mich behalten. Aber mir ging es nicht darum, mich als zweite Mutter Theresa zu präsentieren. Ich wurde lediglich nominiert und habe gegen diesen Trend etwas gesucht, mit dem etwas Sinnvolles entsteht. Wenn man sich vorstellt, dass alle diese Leute spendeten, anstatt ein Bier zu trinken, würde eine gute Menge Geld reinkommen.

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Biernominierung: Lustig, bis der Spaß kippt
SPIEGEL ONLINE: Haben Ihre Nominierten denn gespendet?

Brauchle: Ja, viele haben wirklich gespendet. Mir haben auch Leute, die ich nicht kannte, Nachrichten mit Screenshots ihrer Spendenquittung geschickt, oder sie haben selber Videos hochgestellt, in denen sie spenden und dann andere nominieren.

SPIEGEL ONLINE: Die Aktion war nicht der einzige Spendenaufruf. Welche sind dir noch aufgefallen?

Brauchle: Ich habe zum Beispiel heute schon vereinzelt Bilder gesehen, auf denen Facebook-Seiten dazu aufrufen, anstatt ein Bier zu exen lieber an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei zu spenden. In einem Video hat ein junger Mann einer Dame mittleren Alters einen Blumenstrauß geschenkt und dann Nachahmer mobilisiert. Das sind coole Gesten, eine Art Gegenbewegung.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, solche "Facebook-Wellen" verändern nachhaltig etwas?

Brauchle: Das Bierspiel wird so schnell weg sein, wie es gekommen ist. Genauso wird das mit der Spendenidee sein, zu geben statt zu trinken. Zwar reden viele Leute davon, man müsse die Welt verbessern, sobald es aber ans Geld geht, ist es dann doch nicht mehr so wichtig. Zum anderen finden vielleicht viele Leute meine Geste und das Video cool, würden es aber nie selber machen.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie ein Video von sich gemacht?

Brauchle: Ich bin kein Weltverbesserer. Ich spende zwar mal hier und da, wenn mich etwas bewegt oder ich einfach Lust drauf habe. Es ist auch nicht so, dass ich kein Bier trinke, ich verbringe gern Zeit mit Freunden in Bars und Clubs. Ich war nur der Auffassung, diese virale Welle könnte man deutlich sinnvoller nutzen.

Die Fragen stellte Frank Patalong

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
a_beidel 07.02.2014
1. optional
OH MEIN GOTT! diesesmoralapostelrumgetue ist ja noch schlimmer als das bierspiel ansich - ein mensch über 16 jahre sollte eigentlich wissen, ob er ein bier exen will oder nicht. und wenn man dann jemandem nen kasten zahlt ist das vollkommen freiwillig, ich habe in meinem freundeskreis niemanden gesehen, dem eine pistole auf die brust gedrückt wurde, um ihn zum bierkastenkauf zu zwingen. natürlich gibts auch hier wieder irgendwelche vollhonks, die meinen, ihre moralische überlegenheit und ihr gutmenschentum der ganzen welt zeigen zu müssen und sich als so gute menschen inszenieren, die statt ihren freunden einen bierkasten zu kaufen an irgendwelche undurchsichtigen hilfsorganisationen spenden. wie gesagt, schwachsinniger als das eigentliche bierspiel.
dietrich71 07.02.2014
2. Nicht seit Dienstag...
Sorry, aber die Idee (ist sehr gut) existiert schon seit dem Wochenende... Am Samstag Nachmittag gingen die ersten Spenden-Quittungen über Facebook... Die Lorbeeren bitte also an die, die WIRKLICH diese Sache ins Rollen brachten, und nicht irgendeinen rauspicken..
lisaschmidt 07.02.2014
3.
Also die beiden Kommentare hierzu finde ich echt albern (s.o.). Natürlich kann man nicht DIE erste Person finden, und nur einen Repräsentanten der Spendenaktion. Und ich finde, dass der Interviewte in seinen Antworten sachlich bleibt und sich nicht als die Person, die das ins Leben gerufen hat, hervorheben will. Und zweitens, lassen Sie doch die Leute spenden, wie sie wann wollen. Genauso wie mit dem Biertrinken. Also wie ein Moralapostel kommt mir Brauchle keinesfalls vor. Er beschreibt lediglich sachlich seine Beweggründe und zieht seinerseits nicht über die Bierexer her.
spiegellazer 07.02.2014
4.
Eins steht fest. Hätten die edlen Spender für ihre gute Tat kein Publikum gehabt hätten sie auch nicht gespendet. Ist halt Facebook, reine Selbstdarstellung. Ob man jetzt cool eine Molle runterzischt oder "selbstlos" eine Spende von ein paar Cent tätigt. Zum Glück bin ich da nicht angemeldet und saufe oder spende dann wenn ich es für richtig halte...
lena.kolb 07.02.2014
5. Spenden ohne Geld
Hallo Julian, ich finde deine Gegenbewegung zum Bierexen eine super Sache! Aber du hast wohl recht mit deiner Aussage, dass es vielen nicht mehr so wichtig ist wenn es ans eigene Geld geht. Das kann man "umgehen" mit der Seite sunsteps.org . Da muss man nicht selber spenden, sondern mit jedem Onlineeinkauf spendet die jeweilige Firma.
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