Umstrittenes Sponsoring Ackermann finanziert Lehrstuhl an Uni St. Gallen

Ein Lehrstuhl von einem Banker: Josef Ackermann, ehemaliger Deutsche-Bank-Chef, finanziert eine Professur an der Universität St. Gallen. Kritiker sehen die wissenschaftliche Unabhängigkeit in Gefahr - die renommierte Schweizer Hochschule weist die Bedenken zurück.

AP

Die Universität St. Gallen (HSG) verspricht viel auf ihrer Webseite: "Spitzenplätze in weltweiten Rankings", "internationale Gütesiegel" und "höchstes akademisches Niveau". Jetzt ist die renommierte Hochschule um eine Attraktion reicher: Josef "Joe" Ackermann, ehemaliger -Deutsche Bank-Chef, finanziert einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaft und Politik an der Uni St. Gallen.

Der Lehrstuhl heißt "Business Economics and Public Policy". Die Professur solle dazu beitragen, "Geschäftsstrategien aus einem volkswirtschaftlichen Blickwinkel zu betrachten und wirtschaftspolitische Ansätze im Management-Denken zu verankern", teilte die Universität am Freitag mit. Wie viel Geld Ackermann, 65, für den Lehrstuhl zur Verfügung stellt, wurde nicht mitgeteilt. Das Engagement des Schweizers sei auf fünf Jahre begrenzt.

Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) äußerte sich kritisch: "Manager Josef Ackermann will sich einen HSG-Lehrstuhl kaufen", hieß es in einer Stellungnahme der SP des Kantons St. Gallen. Dies sei bedenklich, weil es die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung gefährde. Winfried Ruigrok, Dekan der "Executive School of Management, Technology and Law" der HSG, wies die Bedenken zurück. Sowohl die HSG als auch Ackermann würden großen Wert auf die Unabhängigkeit des Lehrstuhls legen, sagte er der Schweizer Nachrichtenagentur sda.

Umstrittene Honorarprofessur in Frankfurt

Schon einmal gab es Diskussionen um eine Verbindung zwischen Ackermann und einer Hochschule: Die Goethe-Universität in Frankfurt am Main ernannte im Sommer 2008 den damaligen Deutsche-Bank-Chef zum Honorarprofessor der Hochschule. Die Entscheidung war umstritten: Senatsmitglieder und der Asta nannten die Personalie "problematisch", sie kritisierten vor allem das Auftreten Ackermanns im Prozess um Abfindungen im Mannesmann-Prozess sowie massive Entlassungen bei der Deutschen Bank trotz großer Gewinne.

Die umstrittene Honorarprofessur hatte die Uni Frankfurt Ackermann eigentlich bereits im Jahr 2005 verleihen wollen - damals gab es jedoch ebenfalls heftige Proteste, woraufhin die Universitätsleitung den Tagesordnungspunkt "Honorarprofessor für Dr. Josef Ackermann" kurzfristig von der Tagesordnung nahm - um ihn dann drei Jahre später wieder aufzunehmen.

Damals lautete die Begründung des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften: Ackermann sei der "weltweit angesehenste Experte auf dem Gebiet des Bankwesens".

lgr/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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Europa! 20.12.2013
1. Lächerlich
"Die wissenschaftliche Unabhängigkeit in Gefahr"? So ein Blödsinn. Einige der bedeutendsten Universitäten der Welt sind von Privatleuten gestiftet worden (und fast der ganze Rest von irgendwelchen Fürsten).
spontiki 20.12.2013
2. Danke
Jo sei's gedankt. Noch besser wäre, wenn er umsetzen würde, was er schon vor Jahren von sich gab: Selber als Lehrer an der HSG zu wirken. Mit seinem Namen und seinem intimen Wissen der Weltfinanzmärkte könnte er zurückgeben, was er einst selber in St. Gallen gelernt hatte.
paredros 20.12.2013
3. optional
Zitat von sysopAPEin Lehrstuhl von einem Banker: Joseph Ackermann, ehemaliger Deutsche-Bank-Chef, finanziert eine Professur an der Universität St. Gallen. Kritiker sehen die wissenschaftliche Unabhängigkeit in Gefahr - die renommierte Schweizer Hochschule weist die Bedenken zurück. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/sponsoring-ackermann-finanziert-lehrstuhl-an-uni-st-gallen-a-940367.html
St. Gallen - wissenschaftliche Unabhängigkeit in Gefahr? Welche wissenschaftliche Unabhängigkeit?
maitre_loewy 20.12.2013
4. optional
Der praktisch-ideologische Ansatz des Lehrstuhls steckt schon im Namen: "Business Economics and Public Policy". HSG-üblich dürfte es da um die wissenschaftliche Legitimierung einer dem Primat des Ökonomischen unterworfenen Politik gehen. Business as usual auf dem Rosenberg - wozu die Aufregung?
maitre_loewy 20.12.2013
5. optional
Der praktisch-ideologische Ansatz des Lehrstuhls steckt schon im Namen: "Business Economics and Public Policy". HSG-üblich dürfte es da um die wissenschaftliche Legitimierung einer dem Primat des Ökonomischen unterworfenen Politik gehen. Business as usual auf dem Rosenberg - wozu die Aufregung?
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