Europauniversität St. Petersburg Liberale Hochschule verliert ihre Lizenz

Die russische Bildungs-Kontrollbehörde geht gegen die Europäische Universität Sankt Petersburg vor. Der liberalen Einrichtung droht die Schließung - nicht zum ersten Mal.

Die Europäische Universität in Sankt Petersburg
AFP/INTERPRESS

Die Europäische Universität in Sankt Petersburg


Als Universität ohne Studenten präsentiert sich derzeit die Europäische Universität in Sankt Petersburg: Weil Russlands Kontrollbehörde für Bildungseinrichtungen der Einrichtung die Lizenz entzogen hat, darf die Hochschule derzeit nur öffentliche Vorträge anbieten. Das berichtet der Deutschlandfunk.

Die 1994 gegründete Hochschule, die sich durch Spenden, einen Fonds und Studiengebühren finanziert, kann deshalb keine neuen Studenten mehr aufnehmen und firmiert bis auf Weiteres als Forschungsinstitut. "Dieses 22. Jahr an der Europäischen Universität begehen wir auf sonderbare Art und Weise", sagt der neue Rektor Nikolaij Wachtin dem Bericht zufolge. "Im Raum sind weder der frühere Rektor, noch die sonst üblichen Stühle oder Studienanfänger."

Private Hochschulen unter Druck

Die Aufsichtsbehörde des Bildungsministeriums hatte bemängelt, dass etliche Räume nicht barrierefrei seien, und der Universität deshalb die Lizenz entzogen. "Eine Kommission hat die Räume geprüft, aber nicht erklärt, was sie beanstandet", klagt Prorektor Wadim Wolkow. "Weil die Behörde nichts präzisiert, können wir den Mangel auch nicht beheben. Das ist so, als ob ihr Auto kaputt ist, aber Ihnen niemand sagt, welches Teil genau."

Wolkow vermutet, dass in Wahrheit politische Gründe hinter dem Lizenzentzug stehen: Die Europäische Universität sei den russischen Behörden wohl zu liberal und zu progressiv. Tatsächlich steht die Hochschule derzeit nicht zum ersten Mal im Visier des Bildungsministeriums: Bereits im Frühjahr bemängelte die Aufsichtsbehörde, es gebe zu wenig Lehrende. Und vor einigen Jahren war die Lizenz schon einmal kurzzeitig kassiert worden, damals wegen angeblicher Verstöße beim Brandschutz.

Auch in anderen zunehmend autoritär regierten osteuropäischen Staaten stehen private Universitäten unter erheblichem Druck. Bekanntestes Beispiel ist die renommierte Central European University (CEU) in Budapest. Der rechtsnationale ungarische Ministerpräsident Viktor Orban führt seit Monaten einen regelrechten Kreuzzug gegen den Gründer der Uni, den US-Milliardär und Philanthropen George Soros. Ein neues Hochschulgesetz, mit dem die Schließung der Universität erreicht werden sollte, war auf heftigen Protest bei der EU gestoßen. Mittlerweile hat die CEU die Bedingungen für ihren Weiterbestand gesichert.

him



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