Stipendien-Debatte "Klischee von der abgeschotteten Elite"

Fördern Stiftungen nur Schnösel aus gutem Hause, die das Geld gar nicht nötig hätten? Von wegen, sagt Ex-Stipendiat Christian Fuchs. Er sieht Stipendien auch als sozialen Kitt für die Gesellschaft - und widerspricht im UniSPIEGEL energisch der These von der "Inzucht der Eliten".

Ehemaliger Adenauer-Stipendiat Fuchs: "Wir wollten weiterkommen. Na klar!"
Jörg Müller/ Agentur Focus

Ehemaliger Adenauer-Stipendiat Fuchs: "Wir wollten weiterkommen. Na klar!"


Ich bin in Tokio und Wien aufgewachsen, Daddy war dort Diplomat. Die meisten Freunde habe ich in London, sie haben nach unserer Schulzeit - in einem südenglischen Internat - in der City angefangen. Übers Wochenende war ich dort, wir haben über unsere Portfolios geredet, wobei wir immer ins Philosophieren kommen, Schopenhauer und...

Halt, stopp, das bin ich nicht wirklich. Meine Eltern sind beide Akademiker, nur das stimmt. Beide haben in der DDR Agrarwissenschaften studiert, wurden aber nach der Wende arbeitslos. Mein Vater lebt bis heute von Hartz IV.

Ohne Stipendium hätte ich nicht studieren können, genauso wenig wie meine beiden Brüder. Mir fallen aus dem Stand zehn Konstipendiaten ein, denen es ähnlich ging. Dass es trotzdem klappte, verdanke ich einer der vom UniSPIEGEL geschmähten Institutionen. Ich wurde von der "Journalistischen Nachwuchsförderung" der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt. Meine Eltern hatten niemals "hohen" oder "gehobenen Sozialstatus", ich werde den auch nicht so schnell erreichen. Ich habe keinen Chauffeur, nicht einmal ein Auto. Ich bin Journalist.

SPIEGEL-Autor Johann Grolle legt in seinem Artikel nahe, dass die deutschen Begabtenförderungswerke am Ende immer dieselben intellektuellen und begüterten Eliten unterstützen. Kinder von Nicht-Akademikern und Migranten hätten das Nachsehen.

Es steht jedem frei, sich zu bewerben

Und ja, es ist richtig, es werden immer noch zu wenig Arbeiterkinder und Ausländer von Friedrich-Ebert-Stiftung, Cusanuswerk und Co. gefördert.

Aber kann man den Förderern vorwerfen, dass die "Falschen" bei ihnen vorsprechen? Schließlich steht es jedem Abiturienten frei, sich um Förderung zu bewerben. Und führt nicht gerade das Klischee von der abgeschotteten Elite dazu, dass Kinder aus ärmeren Elternhäusern zögern, eine Bewerbung abzusenden?

Die angeführten "Kinder von Anwälten, Architekten und Oberstudienräten" kenne ich aus meinem Studium, keiner von diesen Kommilitonen hat sich um ein Stipendium beworben, sie hatten es nicht nötig. Wozu der Papierkrieg, das Risiko der Schmach, abgelehnt zu werden? Die 80 Euro Büchergeld, die es im Erfolgsfall zu ergattern gab, erschienen den Anwaltssöhnen als eine zu schlechte Kosten-Nutzen-Rechnung.

Nur wir, die wir nichts zu verlieren und viel zu gewinnen hatten, unterwarfen uns der Ausleseprozedur: Fragebogen, Persönlichkeitsgutachten, Professorengutachten, Auswahlwochenende, während des laufenden Programms dann jedes Halbjahr einen zehnseitigen Semesterbericht schreiben.

Unser "Club der Überflieger" soll sich laut UniSPIEGEL "in erlesenem Kreise bei allerlei Workshops, Akademien, Sprachkursen oder Berufsseminaren" getroffen haben. Ich kann mich gut erinnern. An fast hundert Tagen insgesamt fuhr ich für die Pflichtseminare der Stiftung in so erlesene Orte wie Hamminkeln-Dingden am Niederrhein, ins sachsen-anhaltinische Wendgräben oder ins Dormotel Dormagen.

Stipendium als Anstoß, unsere Stimme hören zu lassen

Dort ersannen wir Konzepte gegen die Entvölkerung Mecklenburg-Vorpommerns oder grübelten über andere wichtige Themen der Zeit. Wenn ich nach einem Seminar während der Semesterferien wieder nach Jena in meine Studenten-WG zurückkehrte, hatte ich Postkarten oder E-Mails von Arztsöhnen im Briefkasten, die mir von ihren Surf-Abenteuern in Trinidad schrieben oder vom Praktikum beim Sundance Festival in Utah.

Wir wollten weiterkommen, na klar! Wir reihten Praktika aneinander und lernten in Rhetorikschulungen, uns vorteilhaft zu präsentieren. Das war schnöseligen Karrieristen doch viel zu profan! Uns aber gab das Stipendium den Anstoß, unsere Stimme hören zu lassen, im Frauenhaus auszuhelfen, im Dritte-Welt-Laden. Es war jedes Mal so: Bei einem einzigen Seminar der Konrad-Adenauer-Stiftung habe ich mehr Engagierte getroffen als während des gesamten übrigen Studiums.

Das sind Studienstipendien nämlich auch: sozialer Kitt für die Gesellschaft. Dass mehr soziale Durchmischung guttut, haben die Geldgeber übrigens längst verstanden. Allein die Konrad-Adenauer-Stiftung investiert ab 2010 sieben Millionen Euro, um Nachwuchs aus Migrantenfamilien und aus Nicht-Akademiker-Haushalten zu gewinnen.

Seit zwei Jahren besuchen Mitarbeiter der Stiftung gezielt Schulen, an denen der Migrantenanteil bei mehr als 90 Prozent liegt. Die Schüler dort fühlen sich nicht zugehörig zu den Begabten, auch wenn sie es sind. Eine wichtige Aufgabe der Stiftung ist: die Klischees von Diplomatensöhnen, Anwaltstöchtern und der "Inzucht der Eliten" zu widerlegen.

Sieben Schritte zum Stipendium
Tipps zum Schaulaufen
"Eine Vorbereitung auf das Auswahlverfahren ist weder möglich noch gewollt", heißt es bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. Das muss man ja nicht so sehen. Hier sieben Ratschläge, wie man den Weg zum Stipendium etwas entspannter angehen kann und beim Auswahlseminar eine gute Figur macht.
1. Das Referatsthema
Im Extremfall sitzen in der Diskussionsgruppe sechs Personen aus sechs verschiedenen Studiengängen. Deshalb: unbedingt ein Thema wählen, das auch für Laien verständlich ist und zu dem jeder etwas beitragen kann. Nichts ist schlimmer als eine Debatte, bei der nach fünf Minuten niemand mehr weiß, was er sagen soll.
2. Die Gruppendiskussion
Jedes Referat nur ein Sechstel der Gesamtpunktzahl in der Gruppe ausmacht, da sind die fünf weiteren Gruppendiskussionen von großer Bedeutung. Grundregel für das eigene Gesprächsverhalten: höflich, aber bestimmt. Und wenn's wirklich sein muss, auch mal einen anderen Teilnehmer unterbrechen. Wer nur da sitzt und höflich nickt, wird die Prüfer nicht von seiner Person überzeugen.
3. Aktuelle Themen
Sowohl in den Einzelgesprächen als auch in den Referaten geht es häufig um aktuelle Fragen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Regelmäßige Zeitungslektüre und die Bildung eines eigenen Standpunkts zu den wichtigsten Themen schaden als Vorbereitung ganz sicher nicht.
4. Lebenslauf
Die meisten Prüfer orientieren sich während der Einzelgespräche vor allem am vorher eingereichten Lebenslauf. Daher: Genau überlegen, welche Angaben man dort macht - und was mögliche Fragen dazu sein könnten!
5. Pannen können passieren
Niemand ist perfekt, und keiner sollte deshalb versuchen, so zu tun, als wäre er's. Auf eine Frage im Gespräch keine Antwort zu wissen, ist noch keine Schande, wenn man das zugeben und dafür bei anderen Themen punkten kann.
6. Organisation
Der Zeit- und Raumschlüssel, nach dem die Gespräche festgelegt werden, ist eine kleine Wissenschaft für sich. Deshalb: Am besten schon am Vorabend alle Uhrzeiten und Raumnummern genau notieren, um am nächsten Tag nicht umherzuirren oder gar ein Gespräch zu verpassen.
7. Dresscode
Um kaum ein Thema wird vorher so viel Wind gemacht. Erlaubt ist, was gefällt und worin man sich wohl fühlt, solange einen die Prüfer nicht mit einem Landstreicher verwechseln. Und: Anzug und Krawatte können zu Hause bleiben, das kommt in einer Jugendherberge doch ziemlich lächerlich rüber.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
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J_Curious 06.07.2010
1. So ist es
vielen Dank, auch wenn es "nur" eine subjektive Wahrnehmung ist. Ich kann dies aus vielen Gesprächen bestätigen. Tatsächlich gibt es sehr oft eine "mit Stipendien habe ich nichts am Hut" Mentalität. Und tatsächlich weiß so gut wie niemand, dass die Förderwerke nur den BAFöG Satz bezahlen - für die so oft zitierten Arztkinder also genau null Euro (plus Büchergeld). Fakt ist allerdingsauch, dass man schon ein gewisses Rüstzeug mitbringen muss - und das bekommt man in bildungsfernen Elternhäusern naturgemäß nur schlecht. Wer diese Bildungsungerechtigkeit abstellen will, muss also viel früher ansetzen, z.B. durch einen verpflichtenden Kindergartenbesuch ab dem 3. Lebenjahr (Stichwort: Sprachkompetenz).
HALHAL 06.07.2010
2. Studentenjob?
Von einer Nacht am Fließband und dem frustrierenden Versuch, im Pausenraum ein Lehrbuchkapitel wenigstens noch einmal zu überfliegen, um am nächsten Tag in der Vorlesung einzuschlafen; von der immer wieder enttäuschten Hoffnung , daß ein Mindestlohn eingeführt würde (Die Tatsache, daß die SPD seit der verlorenen Bundestagswahl das Thema nicht mehr erwähnt, sei ein Hinweis darauf, wie ernst es ihr damit war!), damit man im Studentenjob ein Drittel mehr verdient; von Semestern, die man nur zum Broterwerb mit (notorisch schlecht) bezahlter Arbeit verbringt, um sich im Semester drauf endlich mal auf fünf Leistungsscheine konzentrieren zu können; von den Sorgen um den Krankenkassenbeitrag, der am Monatsdritten abgebucht wird; von dem Winter, den man zu Fuß verbringt, weil die € 68,- fürs Semesterticket drei Wochen Essen finanzieren; davon, sich das Mensa-Essen nicht leisten zu können, weil € 2,- für eine Mahlzeit an anderer Stelle fehlen würden; von der Erniedrigung, dem Dozenten zu sagen, daß einem die € 5,- Kopiergeld für die Seminarteilnahme erst im nächsten Monat zur Verfügung stehen, schreibt Herr Fuchs nicht. Das ist Realität für bestimmt ein Drittel der Studenten, die ich kenne. Und das ganze spielt sich ja schon innerhalb des eingeschränkten Kreises derer ab, die es durch das mit einer global unvergleichlichen Stallgeruchsensorik ausgestattete deutsche Schulsystem bis zum Abitur gebracht haben. Und Herr Fuchs (dessen Eltern ja anscheinend auch bei drei Kindern genug Einkommen haben, um sich nicht für Bafög-Empfang zu qualifizieren - was aber nichts heißen muß, ich habe viele Studenten kennengelernt, bei denen mir völlig schleierhaft war, warum ihnen angesichts der finanziellen Lage des Elternhauses keins zustand) sieht nicht, wie priviligiert er ist mit einem Studium, dessen Sorgen nur sich nur um die Teilnahme an Stiftungsseminaren und das Absolvieren von Praktika drehen?
smartinus 06.07.2010
3. Mindestlohn und SPD
Zitat von HALHALVon einer Nacht am Fließband und dem frustrierenden Versuch, im Pausenraum ein Lehrbuchkapitel wenigstens noch einmal zu überfliegen, um am nächsten Tag in der Vorlesung einzuschlafen; von der immer wieder enttäuschten Hoffnung , daß ein Mindestlohn eingeführt würde (Die Tatsache, daß die SPD seit der verlorenen Bundestagswahl das Thema nicht mehr erwähnt, sei ein Hinweis darauf, wie ernst es ihr damit war!), damit man im Studentenjob ein Drittel mehr verdient; von Semestern, die man nur zum Broterwerb mit (notorisch schlecht) bezahlter Arbeit verbringt, um sich im Semester drauf endlich mal auf fünf Leistungsscheine konzentrieren zu können; von den Sorgen um den Krankenkassenbeitrag, der am Monatsdritten abgebucht wird; von dem Winter, den man zu Fuß verbringt, weil die € 68,- fürs Semesterticket drei Wochen Essen finanzieren; davon, sich das Mensa-Essen nicht leisten zu können, weil € 2,- für eine Mahlzeit an anderer Stelle fehlen würden; von der Erniedrigung, dem Dozenten zu sagen, daß einem die € 5,- Kopiergeld für die Seminarteilnahme erst im nächsten Monat zur Verfügung stehen, schreibt Herr Fuchs nicht. Das ist Realität für bestimmt ein Drittel der Studenten, die ich kenne. Und das ganze spielt sich ja schon innerhalb des eingeschränkten Kreises derer ab, die es durch das mit einer global unvergleichlichen Stallgeruchsensorik ausgestattete deutsche Schulsystem bis zum Abitur gebracht haben. Und Herr Fuchs (dessen Eltern ja anscheinend auch bei drei Kindern genug Einkommen haben, um sich nicht für Bafög-Empfang zu qualifizieren - was aber nichts heißen muß, ich habe viele Studenten kennengelernt, bei denen mir völlig schleierhaft war, warum ihnen angesichts der finanziellen Lage des Elternhauses keins zustand) sieht nicht, wie priviligiert er ist mit einem Studium, dessen Sorgen nur sich nur um die Teilnahme an Stiftungsseminaren und das Absolvieren von Praktika drehen?
Entschuldigen Sie, das ist doch einfach nicht wahr. Die SPD setzt sich weiterhin für Mindestlöhne ein und erwähnt das auch andauernd. Rufen Sie doch mal aktuell die Seite www.spd.de und schauen Sie auf das Bild in der Mitte. Offenbar beschäftigen Sie sich nicht mit Politik, sonst würden Sie das mitbekommen. Sie können unter www.bundestag.de auch entsprechende Reden zu dem Thema anhören sowie die Anträge der SPD-Bundestagsfraktion lesen.
NormaJean, 06.07.2010
4. Privilegien
Zitat von HALHALVon einer Nacht am Fließband und dem frustrierenden Versuch, im Pausenraum ein Lehrbuchkapitel wenigstens noch einmal zu überfliegen, um am nächsten Tag in der Vorlesung einzuschlafen; von der immer wieder enttäuschten Hoffnung , daß ein Mindestlohn eingeführt würde (Die Tatsache, daß die SPD seit der verlorenen Bundestagswahl das Thema nicht mehr erwähnt, sei ein Hinweis darauf, wie ernst es ihr damit war!), damit man im Studentenjob ein Drittel mehr verdient; von Semestern, die man nur zum Broterwerb mit (notorisch schlecht) bezahlter Arbeit verbringt, um sich im Semester drauf endlich mal auf fünf Leistungsscheine konzentrieren zu können; von den Sorgen um den Krankenkassenbeitrag, der am Monatsdritten abgebucht wird; von dem Winter, den man zu Fuß verbringt, weil die € 68,- fürs Semesterticket drei Wochen Essen finanzieren; davon, sich das Mensa-Essen nicht leisten zu können, weil € 2,- für eine Mahlzeit an anderer Stelle fehlen würden; von der Erniedrigung, dem Dozenten zu sagen, daß einem die € 5,- Kopiergeld für die Seminarteilnahme erst im nächsten Monat zur Verfügung stehen, schreibt Herr Fuchs nicht. Das ist Realität für bestimmt ein Drittel der Studenten, die ich kenne. Und das ganze spielt sich ja schon innerhalb des eingeschränkten Kreises derer ab, die es durch das mit einer global unvergleichlichen Stallgeruchsensorik ausgestattete deutsche Schulsystem bis zum Abitur gebracht haben. Und Herr Fuchs (dessen Eltern ja anscheinend auch bei drei Kindern genug Einkommen haben, um sich nicht für Bafög-Empfang zu qualifizieren - was aber nichts heißen muß, ich habe viele Studenten kennengelernt, bei denen mir völlig schleierhaft war, warum ihnen angesichts der finanziellen Lage des Elternhauses keins zustand) sieht nicht, wie priviligiert er ist mit einem Studium, dessen Sorgen nur sich nur um die Teilnahme an Stiftungsseminaren und das Absolvieren von Praktika drehen?
Ich habe nicht den Eindruck, dass er das Stipendium nicht als Privileg empfindet bzw. empfunden hat - er erklärt lediglich endlich, dass es ein Privileg ist, für das man anderes und mehr tun muss als von Geburt an Teil einer inzestuösen Elite zu sein. Danke für den Artikel & Zustimmung!
HALHAL 06.07.2010
5. Off, dann on, dann wieder off topic
Zitat von smartinusEntschuldigen Sie, das ist doch einfach nicht wahr. Die SPD setzt sich weiterhin für Mindestlöhne ein und erwähnt das auch andauernd. Rufen Sie doch mal aktuell die Seite www.spd.de und schauen Sie auf das Bild in der Mitte. Offenbar beschäftigen Sie sich nicht mit Politik, sonst würden Sie das mitbekommen. Sie können unter www.bundestag.de auch entsprechende Reden zu dem Thema anhören sowie die Anträge der SPD-Bundestagsfraktion lesen.
Sowas von OT (ich hoffe, der Sysop läßt das durchgehen), aber: Ich schaue kein Fernsehen, insofern kannte ich das Bild tatsächlich nicht - OK, "nichts" stimmt vielleicht nicht. Ich beschäftige mich allerdings genug mit Politik, um die billige Taktik, die dahintersteckt, wenn man einen Antrag für einen Mindestlohn erst dann stellt, wenn die Mehrheitsverhältnisse im Parlament sichererstellen, daß er ohne Konsequenzen bleibt, aber bei drei Regierungsbeteiligungen nichts dergleichen tut, zu erkennen. (Daß die branchenbezogenen Mindestlöhne im Entsendegesetz zum Unterlaufen einladendes Blendwerk ist, wissen Sie ja - dann gibt es, wie im Reichstag, eben Abrechnung nach geschafften Zimmern und nicht nach Stunden, unbezahlte Überstunden, oder die Aushilfskräfte im Supermarkt müssen auch an ihrem freien Tag reinkommen - kennt man ja. Das betrifft studentische Kräfte übrigens in besonderem Maße, da sie i. d. R. durch Verträge mit flexibler Stundenzahl dauernd auf das Wohlwollen des Arbeitgebers angewiesen sind - es entscheidet sich von einem Schichtplan zum nächsten, wieviel Geld aufs Konto kommt. In diesem Zusammenhang: Auch bei Hiwi-Jobs gibt es ja bekanntlich wenig Geld für in der Regel deutlich mehr Stunden als im Vertrag. - Ich war bei meinem Hiwi-Vertrag der einzige, der nicht mit dem an deutschen Universitäten erwartenen Lakaiengestus harmlos lächelnd abwinkte, als ich gefragt wurde, ob die Stundenzahl ausreichend wäre und freute mich für ein Semester, zu hören, daß die meiner Nachfolgerin zugewiesene Stundenzahl tatsächlich verdoppelt worden war, ärgerte mich höchstens, nicht vorher etwas gesagt zu haben... bis ich im Gespräch dann erfuhr, daß die zu erledigende Arbeit ebenso stark angestiegen war, so daß die Kommilitonin zwar mehr Geld, aber noch weniger Zeit für das eigentliche Studium hatte.) Daß die SPD-Abgeordneten gegen entsprechende Anträge der Fraktion "Die Linke" in der letzten Wahlperiode gestimmt haben, habe ich auch durchaus mitbekommen. Da ich den Mindestlohn im übrigen für das drängendste politische Thema in Deutschland halte, traue ich mir schon ein Urteil über die Haltung der SPD in dieser Frage zu. Der Souverän scheint bei der letzten Wahl ein ähnliches Urteil gefällt zu haben. (Er hat nämlich nicht, wie - auch von konservativer Seite in Selbsttäuschung - oft behauptet, CDU und FDP gewählt, sondern vor allem die SPD nicht gewählt.)
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