Tipps für die Stipendien-Suche "Ihr sucht mich!"

Das ist doch nur was für Überflieger - glauben viele Studenten und bewerben sich deswegen nicht für ein Stipendium. Ein Irrtum! Experten raten: Wer suchet, der findet.

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Stipendiengeld: Hochbegabt? Das muss nicht sein
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Stipendiengeld: Hochbegabt? Das muss nicht sein


Es ist nur ein kleines Wort. Aber sobald der Blick darauf fällt, klicken die meisten sofort weg oder legen die Broschüre wieder zurück zu den anderen vor dem Büro der Studienberatung. Stipendien für Begabte. Begabt? "Das bin ich nicht", sagt bei vielen der Kopf.

Denn etliche der Stiftungen, die Schüler und Studenten finanziell unterstützen, nennen ihre Programme "Hochbegabtenförderung". Dass das in der Tat abschreckt, hat eine Allensbach-Studie gezeigt: Rund 50 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage, wieso sie sich nicht beworben haben: "Meine Noten sind zu schlecht."

Dabei muss man sich nur mal die Zahl der verschiedenen Stipendienanbieter auf der Zunge zergehen lassen. Allein der"Stipendienlotse", eine Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, listet knapp 1300 Angebote auf. Doch nur vier Prozent der Studenten finanzieren sich über ein Stipendium - 20 Prozent haben sich immerhin schon einmal um eines beworben.

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    Spitzennoten schaden nicht - aber Stipendien lassen sich auch auf anderen Wegen ergattern. Und wie immer gilt: Wer sich nicht bewirbt, hat schon verloren. mehr...
Besonders gefürchtet: die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Wer hier aufgenommen wird, hat sofort das Image eines Überfliegers - was viele potentielle Bewerber einschüchtert. Das sei ein Missverständnis, sagt Roland Hain, bei der Stiftung für alles rund um die Auswahl verantwortlich. "Viele denken, sie müssten aus gutem Hause kommen und mit fünf Jahren Geige gelernt haben - und bewerben sich gar nicht erst. Aber ich fürchte, dass genau die es nicht versuchen, die eine gute Chance hätten." Was umgekehrt heißt: Nur weil jemand Preise gewonnen und Klassen übersprungen hat, bekommt er nicht automatisch ein Stipendium.

Arbeiterkinder trauen sich zu selten

Die soziale Durchlässigkeit des Stipendiensystems lässt derzeit in der Tat noch zu wünschen übrig: Vor allem jene meist selbstbewussten Studenten erhalten ein Stipendium, die ohnehin aus wohlhabenden Akademikerhaushalten kommen. So haben laut einer Erhebung des Hochschul-Informations-Systems 59 Prozent der Väter und 49 Prozent der Mütter ein Hochschulstudium abgeschlossen.

Das haben die Stiftungen inzwischen allerdings erkannt: "Vielfalt ist uns wichtig, auch im Hinblick auf Herkunft und Elternhaus der Stipendiaten", sagt Hain. Auch darum kooperierten sie mit Organisationen, die explizit Kinder aus Zuwandererfamilien oder Arbeiterhaushalten förderten.

Diese Haltung zeigt sich im Auswahlprozedere: Wer bei "Wer wird Millionär" die Millionenfragen beantworten kann, ist nicht notwendigerweise der Richtige. "Wir wollen nicht wissen, wer Bundeskanzler vor Helmut Kohl war. Wir wollen wissen, ob jemand in der Lage ist, seinen Standpunkt zu begründen", versichert Hain.

Heute geht es bei den Auswahlgesprächen nicht mehr um reine Abfragerei, sondern darum, den Wissensdurst der Kandidaten zu sehen, ihren Wunsch, sich die Welt anzueignen. Das ist auch Ausdruck eines Sinneswandels. "Mittlerweile wird vermehrt nicht mehr nur auf Leistung geschaut, sondern auch die soziale Komponente bei der Auswahl immer wichtiger", sagt Thomas Ducrée vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. "Den Stiftungen ist wichtig, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen."

Die Scheu vor Stipendien verschwindet

Nicht nur deswegen könnte die Zahl der Stipendienbewerber allmählich steigen: "Wegen des Deutschlandstipendiums boomen Stipendien seit zwei Jahren", sagt Ducrée. Die besondere Konstruktion des Deutschlandstipendiums hat geholfen, etwas in Bewegung zu bringen: Der Bund zahlt die Hälfte, die andere Hälfte kommt von privaten Förderern, die sich die Hochschulen selbst organisieren müssen. Die Studenten bekommen 300 Euro im Monat, und zwar ohne den riesigen Bewerbungs-Formular-Aufwand wie bei anderen Stipendien. Gab es 2011 erst 5317 Deutschlandstipendien, waren es zwei Jahre später schon 19.740. Dadurch schwinde die Scheu vor anderen Stipendien, hofft Ducrée.

Dass kann auch an Menschen wie Leonarda Babi liegen. Sie ist eine der ersten hauptamtlichen Stipendienberaterinnen. Seit Januar arbeitet sie fürs Studentenwerk München - vor ihr gab es diese Stelle gar nicht. Die 27-jährige war selbst Stipendiatin, wunderte sich, wieso Kommilitonen sich nicht einmal um Förderung bemühten - und beschloss, das zu ändern. Ursprünglich wollte sie ehrenamtlich arbeiten - bis sie die Stellenausschreibung sah. Sie weiß, wie abschreckend das Wort "Begabtenförderung" ist: "Viele sagen in der Beratung: Stipendium gerne, aber begabt bin ich ja nicht."

Es liegt nicht nur am mangelnden Selbstwert, dass Studenten sich nicht um Förderung bewerben: "Ich beobachte, dass sich gerade junge Menschen ungern auf eine Richtung festlegen, was etwa bei einer Bewerbung bei einem politischen Förderwerk der Fall wäre", sagt Babi.

Die simple Erkenntnis aus dem Riesenangebot: Man muss es sich zunutze machen. Die Recherche nach Förderangeboten ist letztlich nur eines: Fleißarbeit. Es lohnt zu wissen, dass die Geldgeber auch etwas davon haben, jemanden zu fördern. Babi rät: "Man muss das für sich passende Stipendium finden, alle Kriterien sehr gut erfüllen - und das dann auch ganz klar kommunizieren: Ihr sucht mich."

Schließlich hätten die Stipendiengeber Ideale, sie wollten jene fördern, die ähnliche Werte und Ziele verfolgen. "Für sie sind Studenten letztlich auch Multiplikatoren."

Thomas Ducrée vom Bundesverband Deutscher Stiftungen ist sich sicher: "Wer sich wirklich konsequent auf die Suche begibt, der kriegt auch eins."

  • Corbis
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