Rapper-Stipendium Stormzy will 320.000 Euro für schwarze Studenten in Cambridge zahlen

An die britische Eliteuni Cambridge gehen nur wenige schwarze Studenten. Der Rapper Stormzy will helfen, das zu ändern: Vier erfolgreichen Bewerbern zahlt er künftig Studium und Unterhalt.

Rapper Stormzy (Archivbild)
AP

Rapper Stormzy (Archivbild)


Der britische Rapper Stormzy hat ein Stipendium für schwarze Studenten ausgerufen, die an der Eliteuniversität Cambridge studieren möchten. "Glaubt nicht, weil ihr aus einer bestimmten Gegend kommt, dass ihr nicht an einer der besten Bildungseinrichtungen der Welt studieren könnt", sagte der Musiker am Donnerstag dem Sender BBC.

Das Stipendium soll die Aufnahme von mehr schwarzen Studenten an britischen Universitäten fördern. Stormzy, mit bürgerlichem Namen Michael Owuo, will in diesem und im kommenden Jahr die Studiengebühren und den Lebensunterhalt von je zwei erfolgreichen Cambridge-Bewerbern zahlen, die bis zu vier Jahre lang für einen Bachelorabschluss studieren.

Stormzy war bei den Brit Awards im Februar als bester britischer Künstler geehrt worden. Die Stipendien kündigte er an, als er am Donnerstag an seiner früheren Schule in Südlondon eine Rede hielt. Er habe selbst einmal nach Oxford gehen wollen, erzählte Stormzy. Doch dann habe er stattdessen eine Karriere als Musiker eingeschlagen.

Die Hochschule schätzt, dass für Gebühren und Unterhalt zusammen pro Jahr und Student etwa 18.000 Pfund anfallen. Das sind umgerechnet etwas mehr als 20.000 Euro. Insgesamt will Stormzy also umgerechnet bis zu 320.000 Euro für schwarze Bachelorstudenten ausgeben.

Auf ihrer Homepage informierte die Uni prominent über das neue "Stormzy-Stipendium". Interessenten müssen einen Studienplatz in Cambridge vorweisen. Sie können sich bis zum 31. August bei der Hochschule für das Stipendium bewerben. Dort entscheidet dann ein Auswahlgremium, welche beiden Bewerber die Finanzspritze in diesem Jahr bekommen sollen.

"Im vergangenen Jahr kamen 58 schwarze Studenten neu nach Cambridge", schreibt der stellvertretende Rektor Stephen Toope. "Das ist die größte Zahl, die wir je hatten, aber noch nicht annähernd so viele, wie wir gerne hätten."

Die Hochschule hat auch eigene Möglichkeiten, Studenten finanziell zu unterstützen. Trotzdem stehen die britischen Eliteunis Cambridge und Oxford seit Jahren in der Kritik, zu wenige junge Menschen aus sozial benachteiligten Gruppen auszubilden. In Cambridge waren zwischen 2012 und 2016 an einigen Colleges gar keine schwarzen Studenten neu aufgenommen worden.

lov/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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Oberleerer 17.08.2018
1.
Ich halte das für Rassismus. Solch ein Angebot darf sich maximal an unterprivilegierte Studenten richten, aber nicht an Hautfarbe und Geschlecht orientieren. Daß eine Hochschule in unseren gemäßigten Breiten von hellhäutigen Studenten besucht wird, ist ja außerdem kein Wunder. Als ob man sich in einer Hochschule in Seoul beklagen würde, daß die Schüler alle wie Koreaner aussehen würden.
dasfred 17.08.2018
2. Zu Nr.1
Ob sie es nun Rassismus nennen oder nicht, ein schwarzer Rapper möchte schwarze Studenten unterstützen. Und der Beweggrund wird nicht sein, dass er selbst niemals mit seine Hautfarbe konfrontiert wurde. Natürlich hat er das Recht, ein Kriterium festzulegen, dass er selbst als Karrierehindernis erlebt hat.
tmattm 17.08.2018
3. Der Universalismus ist eine untergehende Denkweise
Erinnert sich noch jemand hier an die Ideale der Bürgerrechtsbewegung, als Hautfarbe noch als unerheblich angesehen wurde? Heute sind wir im Namen des Anti-Rassismus zurück im Schubladendenken und sortieren Menschen wieder nach Hautfarbe. Dieser Rapper ist ja keineswegs der Einzige, der so denkt.
Anna156464641156 17.08.2018
4. Um Ihren Gedanken zu ergänzen
Zitat von tmattmErinnert sich noch jemand hier an die Ideale der Bürgerrechtsbewegung, als Hautfarbe noch als unerheblich angesehen wurde? Heute sind wir im Namen des Anti-Rassismus zurück im Schubladendenken und sortieren Menschen wieder nach Hautfarbe. Dieser Rapper ist ja keineswegs der Einzige, der so denkt.
Manchmal hilft es sich auch neben der deutschen Presse umzusehen. https://www.nzz.ch/feuilleton/nur-schwarze-koennen-schwarze-verstehen-so-funktioniert-die-neue-kulturelle-apartheid-ld.1410207 "Auf das Zeitalter der Ideologien folgt also das Zeitalter der Kulturen. Die Kraft der Utopie hat sich erschöpft, nun dominiert ein reaktionärer Gestus: Im Zentrum der identitätspolitisch motivierten Aufmerksamkeit steht nicht mehr die gemeinsame Zukunft, sondern die besondere Herkunft der Bürger. Die Frage ist nicht mehr, wovon jemand überzeugt ist, sondern wer jemand ist."
stoffi 17.08.2018
5. Ist
das nicht auch Rassismus gegen den man vorgehen sollte? oder darf ein Schwarzer ungstraft Weisse diskriminieren?
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