Aufruhr an Großbritanniens Unis Professoren streiken - Studenten fordern Gebühren zurück

Großbritanniens Professoren streiken. Für viele Studenten ist das angesichts horrender Studiengebühren und Notendrucks keine willkommene Auszeit. Einige fordern ihr Geld zurück.

Universität von Manchester
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Universität von Manchester


Hochschulen und Bibliotheken, die von Streikposten abgeriegelt werden, abgesagte Klausuren, vertagte Hausarbeiten und ein kompletter E-Mail-Stopp: Ab Donnerstag werden Professoren und Dozenten an 61 Universitäten und Colleges in Großbritannien ihre Arbeit einstellen.

Die Gewerkschaft University and College Union (UCU), der landesweit rund 190.000 Lehrkräfte angehören, will an insgesamt 14 Streiktagen über die kommenden vier Wochen die Arbeit niederlegen. Die Professoren und Dozenten kämpfen für ihre Altersvorsorge, denn im Zuge einer geplanten Rentenreform des Arbeitgeberverbands Universities UK (UUK) sollen ihre Rentenbeiträge an der Börse gehandelt werden. Die Gewerkschaft rechnet pro Person im Schnitt mit Einbußen von etwa 10.000 Pfund, über 11.000 Euro, pro Jahr

Während des laut Gewerkschaftsangaben größten Akademikerstreiks in der Geschichte Großbritanniens sollen sämtliche Vorlesungen und Seminare ausfallen. Das gefällt bei weitem nicht allen, viele Studenten sind stinksauer.

"Natürlich will ich, dass meine Professoren eine faire Rente bekommen. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn das auf den Rücken der Studenten ausgetragen wird", sagt Merve Kania. Die Berlinerin ist für ihren Master nach England gezogen und studiert Politik an der SOAS University of London.

Sie selbst bekommt ihr Studium durch Stipendien finanziert, doch viele ihrer Kommilitonen zahlen aus eigener Tasche: 9000 bis 11.000 Pfund müssen britische und EU-Studenten für einen Ein-Jahres-Master berappen, Nicht-EU-Ausländer mindestens 18.000 Pfund. "Ich kann verstehen, wenn jetzt viele ihr Geld zurück wollen", sagt Kania. Sie hat eine von vielen Petitionen unterschrieben, in denen Studenten Teile ihrer Studiengebühren zurückfordern.

Angesichts des drohenden Streiks herrscht an der Bibliothek der SOAS University of London bereits Hochbetrieb. Viele Studenten sichern sich wichtige Bücher für die kommenden Wochen und kopieren Lehrmaterial.

Nach monatelangen Verhandlungen hatten sich Arbeitgeberverband und Gewerkschaft nicht auf einen Entwurf des "Universities Superannuation Scheme" einigen.

"Bis vor ein paar Jahren konnte ein Uni-Lehrender noch sehr sicher abschätzen, wie viel Rente er bekommt", erklärt Tom Armstrong, Präsident des Gewerkschaftsablegers an der SOAS University of London. "Vor einigen Jahren wurde das System dann so verändert, dass bis zu einem Jahresgehalt von 55.500 Pfund normal eingezahlt wird und darüber hinaus unsere Rentenbeiträge an der Börse gehandelt werden."

Thomas Armstrong von der Gewerkschaft UCU
DPA

Thomas Armstrong von der Gewerkschaft UCU

Der Arbeitgeberverband UUK will im neuen Entwurf die Einkommensgrenze nun komplett auflösen und alle Rentenbeiträge der Lehrenden in Fonds und Anteilen an der Börse handeln.

Laut UUK befindet sich das derzeitige System in einer Krise und weist ein Finanzierungsdefizit von 7,5 Milliarden Pfund auf. "Die meisten Universitäten können es sich nicht mehr leisten, mehr für Renten auszugeben, ohne in anderen Bereichen wie der Lehre oder der Forschung zu sparen", sagt der UUK-Vorsitzende Alistair Jarvis. Dies solle mit der Reform ausgeglichen werden, um "nachhaltige und attraktive Renten für ihre Mitglieder zu gewährleisten".

Die Gewerkschaft argumentiert hingegen, dass der Unisektor durch die fortschreitende Privatisierung boome. Sie will mit ihrem Streik die Universitätsleitungen "möglichst hart treffen". Die Altersvorsorge dürfe nicht "an der Börse verwettet werden". Langfristig könnten durch die Rentenreform viele Lehrkräfte in andere Staaten abwandern, was eventuell durch den Brexit noch verstärkt werde.

Zusätzlich zum Streik will die Gewerkschaft am 28. Februar vor dem Parlament in London demonstrieren. Falls keine dieser Maßnahmen den Arbeitnehmerverband UUK zum Umdenken zwinge, könnte die nächste Stufe des Arbeitskampfes ein Benotungsboykott sein, sagt Armstrong. Damit wären landesweit die Abschlüsse Tausender Studenten gefährdet.

Tobias Schreiner, dpa



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