Urheberrecht an Unis Studenten müssen doch nicht zurück an die Kopierer

Entwarnung im Streit zwischen Hochschulen und der VG Wort: Studenten dürfen digitale Lehrtexte erst einmal weiter benutzen. Bis Herbst 2017 soll eine endgültige Lösung gefunden werden.

Studentin am Kopierer
Photothek via Getty Images

Studentin am Kopierer

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Digital bleibt legal: Auch im kommenden Jahr können Unterrichtstexte an Hochschulen digital verbreitet und genutzt werden. Vertreter von Hochschulen, Wissenschaftsministerien und VG Wort haben sich auf eine Übergangslösung bis zum Wintersemester 2017 geeinigt.

"Die Beteiligten haben vereinbart, die pauschale Abgeltung der Ansprüche der VG Wort zunächst bis zum 30. September 2017 fortzuführen", schreibt Thomas Grünewald, Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium,in einem Brief an die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. "Diese Vereinbarung ermöglicht somit den Hochschulen eine Nutzung im bisherigen Umfang auch über den 31. Dezember 2016 hinaus."

Bei Studenten und Hochschulen hatte der Streit ums Urheberrecht in den vergangenen Tagen für erhebliche Unruhe gesorgt. Es geht um die Frage, wie die Nutzung von digital bereitgestellten Texten in Zukunft vergütet wird. Bisher kassierte die VG Wort im Namen der Urheber dafür Pauschalabgaben von den Ländern - doch nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss dafür ein neues Modell gefunden werden.

Riesiger Zulauf für Online-Petition

VG Wort und Kultusminister hatten sich deshalb auf eine Einzelabrechnung geeinigt, pro Student sollten 0,008 Euro pro Textseite und Semester an die VG Wort überwiesen werden. Viel zu kompliziert, befanden die Hochschulen und boykottierten den neuen Vertrag - mit der Folge, dass die Studenten ab Anfang Januar wieder auf Fotokopien zurückgreifen sollten.

Zwei Münchner Studenten hatten deshalb sogar eine Online-Petition gestartet. "Stoppt die Versetzung der Hochschulen ins prädigitale Zeitalter!", forderten Geografiestudent Kevin Golde und sein Freund Dominic Hildebrandt. Wenn es keine digitalen Texte mehr gebe, sei das "nicht nur ein Rückschlag für die Studierenden, sondern auch ein Rückschlag für den Bildungsstandort Deutschland", schreiben die beiden im Petitionstext.

50.000 Unterschriften hatten sie als Ziel zunächst angepeilt. Am Freitag Vormittag war die Zahl bereits weit übertroffen: Über 85.000 Unterstützer hatten unterschrieben. Jetzt wollen Golde und Hildebrandt mehr: Die neue Zielmarke sind 150.000 Unterschriften. Parallel dazu haben Studentenvertreter an zahlreichen Unis einen offenen Brief an die Wissenschaftsminister in Bund und Ländern formuliert, in dem sie beklagen, dass die Hochschullehre "um Jahrzehnte zurückgeworfen" werde.

Proteste gehen erst einmal weiter

Die Petition soll erst einmal weiterlaufen - ungeachtet der Tatsache, dass die Proteste bereits Wirkung gezeigt haben. Etliche Hochschulen haben ihren Studenten seit Donnerstag bereits signalisiert, dass die Lehrtexte auch über den Jahreswechsel hinaus digital bereitgestellt werden.

Und die Ministerien, die Hochschulen und die VG Wort haben versprochen, in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe jetzt schnell eine Lösung zu finden, die dauerhaft ist - und vor allem: digital.

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
ichbinsdiesusi 16.12.2016
1. Ja und?
Dann hätten die Studierenden eben wieder kopieren müssen. Auch wenn es verschiedene Lerntypen gibt: Ein Blatt Papier in der Hand zu halten, zu markieren und zu kommentieren, machen eh die meisten. Ob sie das Ding nun ausdrucken oder kopieren, dürfte nicht weiter problematisch sein. Es kann auch nicht schaden, eine Bibliothek aufzusuchen. Da lang nicht alle Texte online verfügbar sind, muss man doch sowieso hin und meist auch kopieren. Aber eine Generation von Studis, die Dozenten anpflaumt, weil sie Reader zum Seminar nicht digitalisieren, so dass man ja extra in die Bib muss, um zu kopieren, ist dann wohl eher ein Armutszeugnis bezüglich der Arbeitseinstellung.
powerhugo 16.12.2016
2. #1
Sie haben wohl seit langem keine Hochschule von innen gesehen. Ich kenne etliche Studenten, die in ihrem gesamten Studium nicht ein einziges Mal die Bibliothek von innen gesehen haben. Das kann man gut oder schlecht finden, den Studenten allerdings weniger Lehrmaterial aufgrund einer (schlechten?) Vereinbarung von VG Wort und den Kultusministern bereitzustellen, halte ich persönlich für sehr schlecht.
Papillon1412 16.12.2016
3. hoffentlich bald eine Lösung
ich bin selber Studierende und ich hoffe sehr dass bald eine annehmbare Lösung für beide Seiten gefunden wird. Komplett ohne digitale Beiträge auszukommen würde bedeuten, dass es extreme Papierstaus an allen Druckern unserer Uni geben würde, wir haben zudem nicht den Platz für alle Studierenden in der Bibliothek und so leid es mir tut, ichbindiesusi, es gibt einfach unterschiedliche Lerntypen: ich zum Beispiel habe bisher keine einzige meiner Vorlesungen ausgedruckt und lerne digital, weil ich Papier sparen möchte und es so auch einfach besser kann. Zudem würde der fehlende Vertrag bedeuten, dass Professoren es sich sich zweimal überlegen, was sie uns zur Verfügung stellen und die Uni ist immer noch und vor allem der Ort an dem wir Wissen bekommen.
giraffenopa 16.12.2016
4. Notwendig und richtig
die digitale Lösung ist in heutigen Zeiten unumgänglich. Sicher drucken sich viele Studierende die Texte sowiso aus, aber wenn in Vorlesungen teilweise mehrere hundert Studenten sitzen und alle denselben Text aus einem Buch der Bibliothek kopieren sollen, kann man vor den Bibliotheken Warteschlangen einrichten mit Schildern "ab hier noch 1,5h"... Bei den ständig steigenden Zahlen der Studierenden an den Hochschulen bei schon heute stark überfüllten Bibliotheken ist jede digitale Entlastung der lokalen Gegebenheiten mehr als nötig.
Nania 16.12.2016
5.
Zitat von ichbinsdiesusiDann hätten die Studierenden eben wieder kopieren müssen. Auch wenn es verschiedene Lerntypen gibt: Ein Blatt Papier in der Hand zu halten, zu markieren und zu kommentieren, machen eh die meisten. Ob sie das Ding nun ausdrucken oder kopieren, dürfte nicht weiter problematisch sein. Es kann auch nicht schaden, eine Bibliothek aufzusuchen. Da lang nicht alle Texte online verfügbar sind, muss man doch sowieso hin und meist auch kopieren. Aber eine Generation von Studis, die Dozenten anpflaumt, weil sie Reader zum Seminar nicht digitalisieren, so dass man ja extra in die Bib muss, um zu kopieren, ist dann wohl eher ein Armutszeugnis bezüglich der Arbeitseinstellung.
Sie vergessen einen ganz wichtigen Faktor: Kopieren und/oder einscannen kostet massiv Zeit, je nach Länge des Textes. Natürlich ist das möglich, aber es ist definitiv einfacher, wenn der Text bereits online verfügbar ist. Und dann kann man sich selbst überlegen, ob man ihn ausdrucken möchte oder nicht. Ein weiterer Vorteil: man kann den Text an verschiedenen Orten lesen und muss ihn nicht immer mitnehmen. Auch ist man nicht darauf angewiesen, dass das entsprechende Buch, das den Text enthält, auch vor Ort gerade greifbar ist. Auch das Anlegen eines Ordners durch den Dozenten ist dann nicht mehr nötig. Diese standen häufig in der Bibliothek, egal, ob die völlig inakzeptable Öffnungszeiten hatte. Ich habe außerdem NIE erlebt, dass irgendjemand einen Dozenten angepflaumt hätte, weil es keinen Text digital gegeben hat. Und über Arbeitseinstellungen zu reden, weil Studenten besseres zu tun haben, als dümmlich am Kopierer zu stehen und Seiten zu kopieren, finde ich ein bisschen seltsam.
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