Mehlwürmer für Muskelaufbau Student erfindet Insekten-Snack, der schmeckt

Mehlwürmer, diese glibberigen, kleinen Krabbeltiere - zum Essen? Bäh! Ein Schweizer Student hat daraus einen Fitnessriegel gemacht. Denn die Insekten enthalten einen Stoff, nach dem sich Sportler sehnen.

Von Britta Mersch

ZHAW, Wädenswil/Meinrad Koch

Heuschrecken zum Frühstück. Ein Teller Mehlwürmer als Mittagessen. Nicht appetitlich - vor allem, wenn die Dinger lebendig serviert werden und sich noch bewegen. Denken wir. Die meisten von uns müssten sich wohl enorm überwinden, um so eine glibberige Masse zu verzehren.

Der Schweizer Lebensmitteltechnologiestudent Meinrad Koch musste auch schlucken, als er auf einer Messe in Holland das erste Mal einen Käsekuchen mit Mehlwürmern vor sich liegen hatte: "Es hat etwas gedauert, bis ich reingebissen habe", sagt der 25-Jährige, "doch der Geschmack hat mich überrascht." Nussig hätten die krabbelnden Insekten geschmeckt, wie Erdnussflips. Und er dachte gleich, daraus kann man etwas machen.

Ein Fitnessriegel kam ihm in den Sinn, wegen des Proteins, das in den Krabbeltierchen steckt. "Viele Sportler haben mir erzählt, dass sie rohe Eier essen, um ihre Muskeln aufzubauen", sagt Koch, "das fand ich auch nicht so lecker."

In Thailand oder China gelten Insekten längst als Delikatesse. Und auch in Holland hat man entdeckt, dass Mehlwürmer, also die Larven von Mehlkäfern, gesund sind und gut schmecken. Sie werden auf Farmen gezüchtet und in Lebensmitteln verarbeitet. Denn, da sind sich Forscher sicher: Mehlwürmer liefern viel Protein, sind günstig und schonen die Umwelt.

Der Student der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädelswil entschied sich, seine Bachelor-Arbeit darüber zu schreiben, wie Mehlwürmer massentauglich gemacht und auf den Markt gebracht werden können. Möglichst so, dass die Leute nicht gleich vor Ekel erschaudern. Und Koch wollte das nicht nur theoretisch überlegen - sondern direkt in die Praxis umsetzen.

Zutaten: Haferflocken, Früchte - und Mehlwürmer

Die Mehlwürmer bekam der Student aus Holland. Blieb die Frage, wie er das Protein aus den Würmern kriegen sollte - denn darum ging es ihm: Er wollte das gute Protein der Insekten nutzen, aber in dem Riegel sollten sie bitte nicht herumkrabbeln. Schließlich half ihm bei dieser Frage ein Kommilitone, der darüber seine Bachelorarbeit schrieb. Meinrad Koch musste das Protein nur noch in eine Konsistenz bringen, die er für seine Riegel verwenden konnte. Es kam eine Masse heraus, die ein bisschen aussieht wie Zucker: "Damit hatte ich eine Grundlage für die Entwicklung des Riegels", so der Student.

Das Ergebnis: Der Riegel ist mit Schokolade überzogen, enthält Cranberrys, Haferflocken und Zucker, damit er schmeckt. Bei seinen Kollegen an der Hochschule hat der Riegel den Geschmackstest bestanden. Und auch bei Testpersonen kam er gut an - obwohl sie ihn nicht in den Händen hielten, sondern nur ein Bild präsentiert bekommen hatten.

Ob der Riegel in Zukunft Kunden in Supermärkten überzeugen wird, muss sich zeigen. Meinrad Koch sagt, ein Lebensmittelkonzern habe Interesse signalisiert, die Verhandlungen laufen. Doch bis entschieden wird, ob der Riegel in die Läden kommt, müssen noch viele Tests gemacht werden. Und es muss sich zeigen, ob die Leute ihren Ekel vor den Würmern überwinden.

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trevally 23.01.2015
1. keine Ahnung
Mehlwürmer sind keinesfalls glibberig, sondern haben eine trockene, harte Chitinhaut. Essen möchte ich sie trotzdem nicht, aber ihr könntet etwas sorgfältiger recherchieren.
cassandros 23.01.2015
2. Insektensülze: Mehlwurm in Aspik
Wir lesen: "Die meisten von uns müssten sich wohl enorm überwinden, um so eine glibberige Masse zu verzehren." Frage: Wann ist ein Insekten "glibberig"? Antwort: Wenn man es in Mayonnaise tunkt. Von Natur aus sind Kerbtiere jedenfalls nicht "glibberig". Vielmehr haben sie als Gliederfüßler bekanntermaßen ein Außenskelett. Wie der Name Skelett bereits andeutet, handelt es sich dabei um eine alles andere als "glibberige", sondern tatsächlich vielmehr um eine harte, krustige Körperhülle. Nicht so hart wie bei den mit ihnen verwandten Krustentieren, aber hart genug, um den Muskeln im Körperinneren ein Widerlager zu bieten. Bestenfalls ist (z.B. bei beinlosen Larven mit peristaltischer Lokomotion) mit einer zäh-lederigen Beschaffenheit zu rechnen. Die "Glibberigkeit" von Weichtieren wie Schnecken und Tintenfischen, die ihren Gruppennahmen nach ihrer Beschaffenheit haben, fehlt jedenfalls allen Athropoden.
joan 23.01.2015
3. Und was ist jetzt der tolle Stoff?
Das Protein etwa, das Eiweiß? Das dürfte dann wohl eher ein Scherz sein, denn der Riegel liefert nur denaturiertes tierisches Eiweiß - das schadet uns mehr, als es uns nützt. Woran in unserer Ernährung viel mehr ein Mangel besteht, ist natives, unerhitztes Eiweiß und das bekommen wir nicht von Mehlwürmern, sondern aus unerhitzem Obst und Gemüse. Aber da der Riegel sowieso Industriezucker enthält, müssen wir uns über die gesundheitlichen Nachteile der restlichen Zutaten eigentlich gar keine Gedanken machen. Die fallen dagegen nicht mehr ins Gewicht.
Saibot86 23.01.2015
4. Also...
Ich würde diesen Riegel an sich essen. Die verarbeiteten Mehlwürmer stören mich nicht. Was mich allerdings stört ist, dass hier mal wieder ein Fitnessriegel präsentiert wird, der sowohl Schokolade als auch Zucker enthält. Das ist unnötig. Da kann ich auch gleich zum Snickers greifen.
hschmitter 23.01.2015
5.
Wer Insekten mal getrocknet gegessen hat: Trocken wie Staub und geschmacksneutral. Also kein Problem, die irgendwo mit reinzumengen und daher keine große Sensation. Hat wohl nur noch keiner mit Geschrei als neu vermarktet.
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