Studenten-Oscars Film über erpressten Lehrer holt Gold

Mit einem Film über einen Lehrer, der von einer Datenfirma erpresst wird, hat ein Münchner Student einen goldenen Studenten-Oscar gewonnen. Die Handlung ist fiktiv - und trotzdem hochaktuell.

Filmstudenten Felix Ahrens (links) und Alex Schaad (rechts) bei der Preisverleihung in den USA
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Filmstudenten Felix Ahrens (links) und Alex Schaad (rechts) bei der Preisverleihung in den USA


Der junge Gymnasiallehrer Michael Gewa bekommt eine rätselhafte Nachricht: Ein dubioses Unternehmen hat seine Handy- und Internetdaten gekauft und eine wenig schmeichelhafte Bewertung über ihn erstellt. Wenn Gewa nicht will, dass diese Bewertung ins Netz gelangt, soll er monatlich Geld bezahlen.

Der Lehrer weigert sich - und muss fortan bei seinen Freunden, Kollegen und Schülern um seinen Ruf kämpfen. Mit einem Kurzfilm zu diesem Thema hat der Münchner Filmstudent Alex Schaad am Donnerstagabend in Los Angeles den goldenen Studenten-Oscar gewonnen.

SPIEGEL ONLINE zeigt Ausschnitte aus dem Film "Invention of Trust", in dem Schaads Bruder Dimitrij die Hauptrolle spielt.

HFF MÜNCHEN

Am 15. Oktober soll der Film bei der Langen Nacht der Museen in München zu sehen sein. Die erste TV-Ausstrahlung sei im Rahmen einer Oscar-Kurzfilmnacht im kommenden Februar im Bayerischen Rundfunk geplant, teilte der Sender mit.

Schaad wurde in Kasachstan geboren und kam im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Er wuchs im schwäbischen Sigmaringen auf und arbeitete nach der Schule drei Jahre lang freiberuflich für Film, Fernsehen und Theater. Seit 2013 ist er Student an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München.

Der 30-minütige Film "Invention of Trust" war sein zweiter Übungsfilm im Rahmen seines Regie-Studiums, wie die Hochschule stolz mitteilte. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit seinem Bruder Dimitrij.

"Als wir den Film gemacht haben, haben wir schon gewusst, dass wir da etwas ganz Anständiges haben, aber für uns war es immer ein Übungsfilm im Rahmen des Studiums und nicht mehr als das", sagte Schaad. "Er war nicht dafür vorgesehen, erfolgreich zu sein, und ich kann bis heute nicht verstehen, wie wir das große Glück haben können, dieses Echo zu bekommen. Aber es ist genau das: Zu einem immensen Teil ist es Glück und Schicksal."

"Dieser Beruf ist doch nicht so weit weg, wie man denkt"

Er habe sich schon früh für Kamera und Film interessiert, sagte Schaad. Allerdings sei ihm zu Schulzeiten nicht klar gewesen, dass man damit auch wirklich sein Geld verdienen könne. Das fiel ihm erst auf, als sein älterer Bruder Schauspieler wurde und er so auch selbst in Kontakt kam mit Leuten vom Film. "Da habe ich gemerkt, dass dieser Beruf doch nicht so weit weg ist, wie man denkt."

Silber gewann in derselben Sparte der Niedersachse Felix Ahrens, Absolvent der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, mit seinem Abschlussfilm "Am Ende der Wald". Ahrens' Kurzfilm handelt von einer jungen Polizistin, die einen Tschechen erschießt und sich von Schuldgefühlen geplagt in eine Falle locken lässt.

Unter den Siegern ist auch der Absolvent der Kölner Kunsthochschule für Medien, Ahmad Saleh. Sein Kurzfilm "Ayny - My Second Eye" - eine deutsch-jordanische Koproduktion - erhält den Preis in der Kategorie "Bester Ausländischer Animationsfilm". Die Student Academy Awards wurden 1972 erstmals vergeben.

lov/dpa

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