Studenten als Ufo-Forscher Mars Attacks Norwegen

Im norwegischen Kaff Hessdalen schwirren rätselhafte Lichter durch die Luft. Keiner weiß: Kommt das von Magnetfeldern? Von Winden oder der Radioaktivität? Oder sind es doch Ufos? Vier Studenten arbeiten an einem Forschungsprojekt mit, das Licht in die Sache mit den Lichtern bringen soll.

Von Marc Schürmann


Gibt es Außerirdische, Jens-Christian Skibakk?
Vielleicht. Ich weiß es nicht.


Jens-Christian Skibakk: Techniker, kein Spinner

Jens-Christian Skibakk: Techniker, kein Spinner

Am Freitag, dem 23. August 1983, sah Leif Havik im beschaulichen Tal Hessdalen, zwölf Kilometer lang, 150 Einwohner, südlich von Trondheim, Westnorwegen, ein Ufo. Er hatte sich gerade während einer anstrengenden Mittagswanderung zur Rast an einen Felsen gelehnt, als ein Licht von der Farbe blanken Silbers aus dem Himmel herabglitt. Zu ihm. Das Licht war geformt wie eine Scheibe. Leif Havik weiß nicht genau, was dann passierte. Als er wieder zu sich kam, war es dunkel. Die Scheibe war weg.

Erzählt Leif Havik, heute 46, Volkshochschullehrer.

Wie sind die Leute aus Hessdalen, Jens-Christian? Sind das Spinner?
Das glaube ich nicht. Eigentlich wirken die ganz normal.

Jens-Christian Skibakk ist kein Spinner, er ist ein sachlicher Techniker und hält sich aus dem Getöse um die Ufos in Hessdalen heraus. 1981 berichteten Bewohner des Tals erstmals von unerklärlichen Lichterscheinungen; 1983 kam der Wissenschaftler Erling Strand mit einer Forschungsstation nach Hessdalen.

Lichter über Hessdalen: Was wollen die Außerirdischen in Norwegen?
www.hessdalen.org

Lichter über Hessdalen: Was wollen die Außerirdischen in Norwegen?

Und seit zwei Jahren arbeitet Jens-Christian, 23, Informatikstudent der Hochschule in Østfold und Schüler von Erling Strand, an einer automatischen Messstation. Man könnte sagen: an Ufo-Registriergeräten. Drei weitere Studenten sind neu dabei.

Und wenn es keine Außerirdischen sind? Was, glaubst du, ist es dann?
Ein Naturphänomen, sagt Jens-Christian Skibakk.

Die Leute aus dem Tal erzählen, dass die Erscheinungen ganz verschieden sein können. Manche Lichter stehen still, manche rasen durch den Himmel. Manche tauchen über den Hausdächern auf, manche auf Bodenhöhe, manche weit oben im Himmel. Manche haben die Form eines Balls, manche sehen aus wie ein umgedrehter Weihnachtsbaum. Die meisten Lichter sind weiß oder weiß-gelb, einige rot oder blau, ein paar wechseln ihre Farben. Fast alle sind am Abend oder in der Nacht zu sehen, meist im Winter. Ungefähr zwanzig Meldungen gehen im Jahr bei der Forschungsstation ein.

Anfangs sagte man natürlich, die Leute würden nicht mehr ganz richtig ticken in ihrem einsamen Kaff. Aber Professor Erling Strand und seine Kollegen haben die Lichter dann auch gesehen. Am 26. Februar 1983 um 3.08 Uhr erschien an einem Berghang ein Licht, etwa dreieinhalb Kilometer entfernt im Nordwesten der Station. Es schien den Forschern direkt ins Gesicht, tauchte unter, leuchtete in den Himmel, beschrieb einen Halbkreis, strahlte wieder die Forscher an.

Es dauerte drei Minuten, bis das Licht verschwand. Einer der Beobachter tippte auf die Frontlichter eines Schneefahrzeugs. Aber mitten in der Nacht? Außerdem bewegte sich das Licht 87 Meter weit. Zu viel für ein Schneefahrzeug.

Vermeintliches Ufo: Zwanzig Meldungen pro Jahr
WWW.hessdalen.org

Vermeintliches Ufo: Zwanzig Meldungen pro Jahr

Vielleicht liegt es an den Mineralen, meint Jens-Christian. Den Mineralen im Boden. Vielleicht erzeugen auch Bewegungen in der Erde eine Energie, die Licht freisetzt. Vielleicht ist elektrische Spannung die Ursache. Oder Magnetfelder. Womöglich radioaktive Strahlung. Oder einfach bloß Flugzeuge.

Aber bisher ist keine Theorie bewiesen. Denn längst nicht alle Erscheinungen haben sich erklären lassen. Auch nicht die, von denen es scharfe Fotos gibt. Allerdings sind das Fotos von den Lichtern. Nicht von unheimlichen Untertassen. Die Forschungsstation gibt es jetzt seit fast zwanzig Jahren - aber woher die Lichter kommen, weiß immer noch niemand.

Studentisches Forscher-Quartett: Noch hat keiner das Licht gesehen

Studentisches Forscher-Quartett: Noch hat keiner das Licht gesehen

Von den Studenten hat noch keiner eines dieser Lichter zu Gesicht bekommen. Sie sitzen die meiste Zeit in einem Labor in Sarpsborg, acht Autostunden von Hessdalen entfernt. Jens-Christian hat drei Kameras entwickelt, die diese merkwürdigen Lichter erfassen. Mit drei anderen Studenten bastelt er jetzt an einem System, das auch Vibrationen der Erde registriert, Winde und Magnetstrahlung.

Weil es immer noch möglich ist, dass Ufos über Hessdalen fliegen, ist das kleine Tal bei Anhängern dieser Vermutung berühmt geworden. Im Internet stehen reichlich Bilder mit obskuren Lichtern drauf. Da steht auch, wo Ufo-Touristen übernachten können, in zwei Berghütten oder einer Schenke. Ein "Ufo Visitor Center" der Gemeinde, mit Museum und Multimediashow, ist in Vorbereitung.

Im Mai sollen Jens-Christian und die anderen drei Studenten die Geräte montieren, an denen sie derzeit arbeiten. Vielleicht sieht die Forschungsstation dann, ob es dort Ufos gibt. Oder ob sich den Messgeräten endlich irgendeine irdische Energie zu erkennen gibt. Der Wind? Die Magnetkraft? Es ist wie ein Ratespiel. Man braucht Glück.

Die letzte Meldung an die Forschungsstation ist vom 31. März 2002, 2:56 Uhr in der Nacht, eine große ovale Lichtquelle, die in der Luft schwankte, zwanzig Sekunden lang. Und dann im Nichts verschwand.

Ich hoffe, ich sehe auch mal ein Licht, sagt Jens-Christian Skibakk.



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