Statistik Studentenrekord an deutschen Hochschulen

2,87 Millionen Studenten gibt es in Deutschland - das Statistische Bundesamt hat wieder einen Rekord gemeldet. Allerdings kehrt sich der Trend langsam um: Es kommen weniger junge Menschen nach.

Erstsemester in Kassel (Archiv)
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Erstsemester in Kassel (Archiv)


Es ist nur ein kleines Plus, aber der Trend ist weiter klar: Jahr für Jahr studieren mehr junge Menschen in Deutschland. Die Zahl der Studenten ist laut Statistischem Bundesamt im Wintersemester 2018/2019 auf 2.867.500 gestiegen. Das sind 22.600 mehr als im Vorjahr, ein Zuwachs von 0,8 Prozent.

Die Statistiker melden schon seit Jahren neue Rekorde. Zum Vergleich: 1996 zählte das Bundesamt nur rund 1,8 Millionen Studenten in Deutschland, im Jahr 2006 waren es knapp unter zwei Millionen.

Allerdings sinkt die Zahl der Studienanfänger: Es kommen also weniger junge Menschen nach, die ein Studium an einer Uni oder Fachhochschule aufnehmen. Im aktuellen Semester waren es 508.800 Erstis. Gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 0,9 Prozent. 2016/2017 stagnierte die Zahl der Studienanfänger bereits. Der Trend kehrt sich also langsam um.

Mehr Studienanfänger an Verwaltungshochschulen und in MINT-Fächern

Am deutlichsten bekommen das die Kunsthochschulen zu spüren. Hier sank die Zahl der Neuen um 2,5 Prozent. An den Universitäten lag der Rückgang bei 1,6 Prozent, an den Fachhochschulen nur bei 0,2 Prozent. Die Verwaltungshochschulen verzeichnen hingegen einen deutlichen Zuwachs von 8,3 Prozent.

Die Statistiker veröffentlichen zudem Zahlen zu vier MINT-Fächern. Demnach steigt die Zahl der Studienanfänger im Bereich Informatik um ein Prozent. Bei den Elektro- und Informationstechniken waren es 3,4 Prozent mehr, bei den Bauingenieuren 1,3 Prozent. Das Fach Maschinenbau/Verfahrenstechnik verzeichnet hingegen einen Rückgang um 1,5 Prozent.

Mehr Männer als Frauen

Insgesamt studieren etwas mehr Männer an deutschen Hochschulen als Frauen. Der Unterschied ist allerdings gering - und die Studentinnen holen Jahr für Jahr weiter auf: Ihre Zahl ist aktuell um 1,6 Prozent auf nun 1,4 Millionen gestiegen

Innerhalb der Fachrichtungen gibt es aber noch große Differenzen, das zeigt im vorläufigen Bericht der Statistiker zumindest die Auswertung zu den vier MINT-Fächern: Demnach machen Frauen unter den Studierenden der Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau maximal ein Viertel aus. Einzig bei den Bauingenieuren sieht es etwas besser aus. Hier liegt der Frauenanteil bei über 30 Prozent.

Die Bundesländer haben unterschiedlich hohe Gewinne und Verluste. Den größten Zuwachs gab es demnach in Schleswig-Holstein. Hier studierten 3,4 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr. Berlin, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben jeweils ein Plus von mindestens einem Prozent.

Am deutlichsten gesunken ist die Zahl der Studenten hingegen in Mecklenburg-Vorpommern, und zwar um 1,9 Prozent. Auch Thüringen verzeichnet ein Minus von 0,7 Prozent. In Bremen, Brandenburg, Baden-Württemberg und Thüringen fällt der Verlust mit Minus 0,1 bis Minus 0,3 Prozent geringer aus.

Rektoren wollen mehr Planungssicherheit

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, forderte aufgrund der Zahlen mehr Unterstützung von Bund und Ländern. Der andauernden Anstieg der Studierendenzahlen sei kein einmaliger Effekt der doppelten Abiturjahrgänge, sondern auf die gestiegene Bildungsbeteiligung zurückzuführen, sagte er.

Die Hochschulen müssten ihre Lehrangebote entsprechend ausbauen - und benötigten dafür Planungssicherheit. Konkret kritisierte Alt die Befristung des Hochschulpakts und dessen Höhe.

Wie viel Geld die Hochschulen bekommen, hängt mit der Zahl der Studienanfänger zusammen. Allerdings werde für die Berechnung die Prognose der Kultusministerkonferenz genutzt, sagte Alt. Die liege zum wiederholten Male unter der tatsächlichen Zahl der Studienanfänger.

sun

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
01099 27.11.2018
1.
Das war es dann wohl mit der Sicherheit, dass man als Akademiker ein hohes Einkommen bekommt. Wenn der Markt gesättigt ist, sinken die Preise bzw. Löhne.
tobyrd72 27.11.2018
2. Wer körperliche Arbeit nicht scheut...
und etwas im Köpfchen hat, ist mit einer Handwerkslehre finanziell meist besser dran, als die Studenten aus den überlaufenen Bereichen. Und was man sich noch so alles an ideologischem Gequatsche ersparen kann...
Freifrau von Hase 27.11.2018
3. @1
Das ist aber schon seit gefühlten 20 Jahren so. Wenn man am Ende (als Single) mit 2000 Euro netto rauskommt, dann muss man zufrieden sein. Damit liegt man laut SPON-Gehaltstabelle übrigens voll im "Mittelstand" - man muss sich also nichtmal besonders arm fühlen.
io_gbg 27.11.2018
4.
Zitat von 01099Das war es dann wohl mit der Sicherheit, dass man als Akademiker ein hohes Einkommen bekommt. Wenn der Markt gesättigt ist, sinken die Preise bzw. Löhne.
Das ist schon seit vielen Jahren so.
Theya 27.11.2018
5. @1
Zitat von 01099Das war es dann wohl mit der Sicherheit, dass man als Akademiker ein hohes Einkommen bekommt. Wenn der Markt gesättigt ist, sinken die Preise bzw. Löhne.
Die müssen erst mal alle ihren Abschluss schaffen. Gerade in den MINT-Fächern findet in den ersten Semestern doch noch oft das große Erwachen statt: is nämlich alles gar nicht so einfach. Allerdings leistet die Politik ja eifrig ihren Beitrag, um das allgemeine Niveau an den Universitäten zu senken -- Stichwort "Bachelor" -- das hat ja schließlich schon bei den Gymnasien bestens geklappt.
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