Studenten ohne Wohnungsnot Platz da!

Kaum freie Zimmer, extreme Mieten - das Klischee über Wohnungsnot in Uni-Städten hält sich hartnäckig. Aber ist es wirklich so schwer, eine Bleibe zu finden? Sechs Studenten erzählen, wie einfach die Wohnungssuche sein kann.

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Studenten auf Wohnungssuche: Wie groß ist die Not wirklich?
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Studenten auf Wohnungssuche: Wie groß ist die Not wirklich?


Kennt einer jemanden, der jemanden kennt, der noch ein Zimmer frei hat? Eine Frage, die viele Studenten auf Wohnungssuche schon einmal formulieren mussten - im Freundeskreis, in sozialen Netzwerken, auf Immobilienportalen. Und das vor allem in beliebten Uni-Städten mit hohen Mietpreisen.

Unter den 30 Städten mit dem höchsten Mietenniveau waren laut dem Deutschen Mieterbund im vergangenen Jahr unter anderem München, Hamburg und Heidelberg. "Die Wohnungsnot wird an den langen Listen für Wohnheimplätze deutlich", sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. "In Heidelberg standen im September 2014 ungefähr 5000 Menschen auf der Warteliste. In München waren es sogar 10.000." Von großer Not höre man auch in Bonn, Freiburg und Frankfurt.

Trotzdem: Auch in den Studenten-Metropolen finden sich viele junge Leute, die schnell und stressfrei eine Wohnung gefunden haben. Wie haben sie das geschafft? Und ist der Mangel womöglich nur ein Mythos?

Barbara Eschenhagen

Lena E., 23, Lehramtsreferendarin aus Bonn: "Ich bin sehr flexibel"

"Dass meine WG mich aus so vielen Leuten ausgesucht hat, war schon ein tolles Gefühl. Die Zusage in Bonn kam 15 Minuten nach der Besichtigung. Ich hatte mir nur fünf Wohnungen angesehen, hatte Einzel- und Massen-Castings. Die, in die ich eingezogen bin, hatte eine Liste von 30 Leuten. Deshalb hatte ich meine Chance ziemlich schlecht eingeschätzt. Was mir geholfen hat, war vielleicht, dass ich sehr flexibel war und eine Wohnung genommen habe, die nicht voll und ganz meinen Ansprüchen genügt. Ich wohne jetzt in einem Neubau und träume zwar noch von knarrenden Dielenböden und Stuck an der Decke, aber ich habe mit meinen Mitbewohnern viel Spaß! Immer wieder höre ich von der großen Wohnungsnot in manchen Uni-Städten, aber bis jetzt haben alle meine Freunde etwas gefunden. Die große Angst, gar kein Zimmer zu finden, finde ich übertrieben. Ich habe schon in Leipzig und Bochum gewohnt - in beiden Städten wurde ich schnell fündig. Für mein 35-Quadratmeter-Zimmer zahle ich jetzt 450 Euro, das finde ich in Ordnung."

Alicia Franz

Christian B., 23, studiert im 1. Master-Semester IT-Management in Hamburg: "Nichts von Wohnungsnot gespürt"

"Wer es richtig angeht, der findet in Hamburg ein Zimmer, ohne etwas von Wohnungsnot zu spüren. Ich bin im September 2014 nach Hamburg gezogen und habe online 30 Leute angeschrieben. Damit es klappt, empfehle ich: Im Kontaktformular nicht nur standardmäßig schreiben, wie gern man putzt - sondern auch auf die Beschreibung der WG eingehen. Man muss sich fragen, worauf die Leute Wert legen, mit denen man vielleicht bald zusammenwohnt. Ich habe ein Foto von mir und meiner Freundin hinzugefügt, um zu zeigen, dass es in meinem Leben noch jemanden gibt. Hilfreich war auch, dass ich mich für den Anfang bewusst nur für eine Zwischenmiete entschieden habe. Dort verbrachte ich drei entspannte Monate, in denen ich nach der nächsten Bleibe schauen konnte. Das war perfekt: Ich konnte Hamburg in Ruhe kennenlernen, erst einmal ankommen. In der Zeit entschieden meine Freundin und ich uns dann auch zusammenzuziehen. Das lief ähnlich problemlos. Wir haben uns zwar in vier Wochen beinahe täglich eine Wohnung angeschaut, hatten aber auch einige Zusagen."

Nadja Lunemann

Nina L., 23, studiert im 1. Semester Gesundheitsmanagement in Münster: "Anderthalb Stunden Tee getrunken"

"Früher hätte ich gesagt, eine Wohnung zu suchen, egal in welcher Stadt, ist ein Kampf - und bitte, lasst mich einfach irgendwo hausen, damit ich nur nicht pendeln muss. Seit September 2014 wohne ich jetzt in Münster und habe hier erfahren, wie einfach es sein kann, etwas Schönes zu finden. Ich habe mir ein Zimmer angeguckt - ein einziges, in einer Dreier-WG. Die Zusage kam sofort am nächsten Tag. Gefunden habe ich das Zimmer online. Beim Casting haben wir anderthalb Stunden Tee getrunken und über Serien gequatscht. Ich könnte jetzt sagen, dass ich einfach Glück hatte oder total charmant bin. Aber mein Erfolg lag wohl eher daran, dass ich die Zusage für meinen Studienplatz schon im März hatte und deshalb den vielen suchenden Erstis im August zeitlich voraus war."

Edith Schreiber

Jeff S., 19, studiert im 1. Semester Deutsche Sprache / Philosophie in Freiburg: "Nichts für Möbel ausgeben"

"Ein eigenes Bad, eine eigene Küche und einen eigenen Balkon: So wohne ich in Freiburg. Eine Stadt, die es Wohnungssuchenden wirklich nicht leicht macht. Zum Start des vergangenen Wintersemesters wurde allerdings das 'Fizz' eröffnet - ein eher ungewöhnliches Studentenwohnheim, in dem anfangs noch sehr viele Plätze frei waren. Ich komme aus Luxemburg und habe online einen Besichtigungstermin vereinbart. Das Wohnheim hat mir direkt gefallen: Man hat hier viel Privatsphäre, es gibt einen Gemeinschaftsraum, in dem man sich zum Lernen und Fernsehschauen treffen kann, und man kann sich Spielekonsolen ausleihen. Die Wohnungen sind voll möbliert und modern eingerichtet. Wenn mal was ist, kann man sich an den sogenannten House-Coordinator wenden, der eigentlich immer da ist. Ich bezahle 600 Euro für 30 Quadratmeter - das ist nicht wenig Geld. Aber dafür musste ich nichts für Möbel ausgeben."

Isabella Bart

Isabella B., 23, studiert im 5. Semester Bildungswissenschaften / Soziologie in München: "Als Paar ist es leichter"

"Obwohl hier in München chronische Wohnungsnot herrscht, hatte ich bisher kein Problem, eine Bleibe zu finden. In meine aktuelle, zentral gelegene Wohnung bin ich zusammen mit meinem Freund eingezogen. Wir haben uns nur drei Wohnungen angeschaut. Nachdem wir die obligatorischen Kreuzverhöre über Einkommen und Hobbys bestanden hatten, erhielten wir zwei Zusagen. Es ist leichter, als Paar eine Wohnung zu finden, da Vermieter den in WGs üblichen häufigen Mieterwechsel nicht gern sehen. Bei größeren Wohnungsbesichtigungen empfehle ich: Hinterlegt dem Vermieter eure Kontaktdaten. Kam man sympathisch rüber, spart sich der Vermieter beim nächsten Mal vielleicht die Besichtigung und meldet sich direkt, wenn wieder etwas frei wird."

Nadine Viermann

Jon K., 24, studiert im 8. Semester Ethnologie in Heidelberg: "Traumhaften Schwiegersohn imitiert"

"Anvisieren und versenken - so lief meine Wohnungssuche in Heidelberg ab. Ich war zweimal auf der Suche nach einem Zimmer und habe zweimal einfach eins bekommen. Beim ersten Mal, vor vier Jahren, hatte ich es eilig. Ich musste mir meine erste Bleibe nach meiner Zeit bei der Bundeswehr organisieren. Nach ein paar Telefongesprächen hatte ich schon ein Zimmer in einer WG. Leider wurde das Haus, in dem sich die WG befand, nach einem Jahr verkauft. Mein Mitbewohner und ich entschlossen uns, selbst eine WG zu gründen. Auch das lief unglaublich problemfrei! Wir hatten genau einen Besichtigungstermin online vereinbart und sind kurz darauf in eine rundum renovierte Wohnung gezogen. Eventuell mag das daran liegen, dass ich ein Talent besitze, den traumhaften Schwiegersohn zu imitieren. Ich kenne tatsächlich viele Leute, bei denen die Wohnungssuche sehr kompliziert war. Denen kann ich nur den Tipp geben: Verhaltet euch so locker wie möglich und zeigt der zukünftigen WG, dass ihr etwas zur Atmosphäre beitragen werdet."

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Mieten und Löhne: Die teuersten Uni-Städte

 

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 86 Beiträge
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michael1974 19.01.2015
1. Mieten
450 €, 600 € - das sind 900 bzw. 1200 Mark für eine STUDENTENWOHNUNG! Ein weiteres Beispiel für obszön gestiegene Mieten. Das Schlimmste daran: Die Dame findet den Preis auch noch "in Ordnung"!
Isix 19.01.2015
2. Der größte Blödsinn den ich je gelesen habe
Wenn man sich von mehreren WGs, welche wie im Artikel beschrieben, eine lange Bewerbeerliste hatte, immer die raussucht, welche dann genommen wurden, und daraus schliesst, dass es eigentlich ganz leicht ist eine Wohnung zu finden, der ist nämlich dämlich. Vielleicht sollte man auch mal die Hundert anderen fragen, die das Zimmer nicht bekommen hatten. Ich weiß von einem Fall, wo sogar mal die Uni für einen Gaststudenten suchen musste und nichts gefunden hatte. Was will man uns mit diesem merkwürdigen Artikel vormachen?
jakam 19.01.2015
3.
Welcher Student, der NICHT von Mama & Papa gesponsored wird, kann sich denn solche Mietpreise leisten? Vielleicht die Psychologen, die wenig Extraarbeit neben den eh schon wenigen Stunden und Zeit für Nebenjobs haben, aber sicherlich kein Mediziner oder ähnlich aufwändige Vollzeitstudiengänge. Schlechte Recherche, sorry, nur weil ein paar gutaussehende Studenten mit Geld keine Probleme hatten, kann man das NICHT pauschalisieren.
kanzleigasse 19.01.2015
4. In München ist die Warteliste..
doppelt so lang wie in Heidelberg. München hat aber zehnmal so viele Einwohner wie Heidelberg, also entsprechend auch mehr Zimmer und Wohnungen. Es ist in kleinen Studentenstädten wie z. B. Heidelberg also ungleich schwieriger, vor allem für Studienanfänger, eine Unterkunft zu finden. Vom Preis ganz zu schweigen...
alles.auf.horst 19.01.2015
5. Unverschämt!
Die Überschrift suggeriert, dass es das Problem studentischer Wohnungsnot nicht gäbe. Besser noch. Der Begriff "Mär" steht für eine Sage, die sich als falsch herausgestellt hat. Wo bitte hat sich dieses Problem als falsch herausgestellt? Ich werde jetzt nicht die Arbeit des Autors übernehmen und die Wohnraumstatistiken für diverse Studentenstädte heraussuchen und verlinken. Herr Laurenz, sie sollten sich schämen einen solch haltlosen und unfundierten Schund hingeschmiert zu haben, der die Wohnungsprobleme von Studenten als unwahr abtut und Studenten, die keine Wohnung finden, indirekt als unfähig oder unwillig bezeichnet. Ein paar Einzelfälle rausgesucht, deren Argumentation zu ganzen Teilen sogar noch der Überschrift widerspricht. Und SPON sollte vielleicht mal genauer prüfen, was da eigentlich an Beiträgen eingereicht wird. Billige Yellow-Press haben wir nämlich schon genug.
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