Diskriminierung im Studium Britische Unis testen anonyme Bewerbungen

Sie wollen nicht wissen, wie ihre Bewerber heißen - und damit auch nicht, welchem Geschlecht oder welcher Ethnie sie angehören: Vier britische Unis schwärzen die Namen, um Kandidaten gerechter auswählen zu können.

Absolventen in Oxford: Wie diskriminierend ist das Auswahlverfahren an Unis?
REUTERS

Absolventen in Oxford: Wie diskriminierend ist das Auswahlverfahren an Unis?


Wen nehmen britische Hochschulen eher auf: eine junge Frau mit dem indischen Namen Jarita Singh oder ihren Mitbewerber mit dem sehr englisch klingenden Namen Andrew Smith?

In Großbritannien läuft eine Debatte darüber, wie bedeutend die Namen der Bewerber fürs Auswahlverfahren an Hochschulen sind. Ein Pilotprojekt soll Klarheit bringen.

Vier britische Hochschulen testen fortan namenlose Bewerbungen, wie unter anderem "The Times Higher Education" berichtet. Das sind die Universitäten Exeter, Huddersfield, Liverpool und Winchester.

Für einige Kurse, die im kommenden Jahr losgehen sollen, werden die Namen auf den Bewerbungen künftig geschwärzt. Der Versuch solle zeigen, ob damit "unbewusste Vorurteile" im Bewerbungsprozess umgangen werden können, berichtet BBC.

Die Idee: Wer den Namen des Bewerbers nicht kennt, kann keine Rückschlüsse auf sein Geschlecht, seine Religion oder seine ethnische Zugehörigkeit ziehen.

Der konservative Hochschulminister Jo Johnson sagte, er unterstütze Versuche, in der Hochschulbildung Ungleichheiten auszumerzen.

Dass nun aber nur vier Unis bei dem Pilotprojekt mitmachen, ist ein Rückschlag für die Regierung. Der frühere Premierminister David Cameron hatte im vergangenen Jahr verkündet, dass die zentrale Stelle für Studienplatzvergabe, Ucas, eingewilligt habe, ab 2017 alle Bewerbungen anonym zu behandeln.

Das scheiterte allerdings am Widerstand der Universitäten. In einer Ucas-Umfrage hatten viele Hochschulleitungen davor gewarnt, dass namenlose Bewerbungen es unmöglich machen würden, Kandidaten aus benachteiligten Verhältnissen gezielt zu fördern.

Außerdem sei die Umrüstung der Software teuer - und es könne wahrscheinlich nicht verhindert werden, dass der Name doch auftaucht, zum Beispiel im persönlichen Motivationsschreiben.

Der Ansatz wirft weitere praktische Fragen auf: Viele Unis führen Interviews mit Bewerbern durch. An welcher Stelle im Verfahren sollen sie deren Namen erfahren?

Auch in Deutschland wird über anonyme Bewerbungen diskutiert, allerdings eher in der Arbeitswelt. Ein schwäbisches Familienunternehmen probierte es zuletzt mit Bewerbungen ohne Bild und Namen - und zog im KarriereSPIEGEL eine positive Bilanz.

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lov

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insgesamt 3 Beiträge
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schnitzelfresse 08.09.2016
1. schlechte Bendenken
Dann verweist man eindeutig darauf hin, seinen Namen nicht im Motivationschreiben zu verwenden... wer das nicht schafft sollte auch nicht studieren. Gezieltes Fördern ist letztendlich eine Diskriminierung aller anderen... wenn das nicht mehr geht ist das halt so... so konsequent sollte man dann schon sein
Phil2302 08.09.2016
2.
"Das scheiterte allerdings am Widerstand der Universitäten. In einer Ucas-Umfrage hatten viele Hochschulleitungen davor gewarnt, dass namenlose Bewerbungen es unmöglich machen würden, Kandidaten aus benachteiligten Verhältnissen gezielt zu fördern." Ehm das war auch mein erster Gedanke. Es gibt doch gewisse Quoten für gewisse Ethnien, das würde dann doch wegfallen? Bin auf das Ergebnis gespannt, was macht man eigentlich, wenn das Ergebnis nach hinten losgeht?
naklar261 08.09.2016
3. gute sache
sollte ueberall eingefuehrt werden. ok, wenn ich ein Asiatisches Maennliches Model oder Schauspieler ist die anonyme Bewerbung vielleicht muehsam...
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