Studenten-Pisa Frauen patzen, 26 Neunmalkluge triumphieren

Mehr als 600.000 Menschen machten mit, aber nur 26 knackten den großen Wissenstest des SPIEGEL: Die Ergebnisse des Studenten-Pisa sind überraschend. Männer wissen mehr als Frauen, Politologen triumphieren über Juristen und Mathematiker - und die klügsten Studenten hat Berlin.

Von und


Wenigstens bei der Bierflasche wussten dann fast alle Bescheid. Warum nur platzt sie im Gefrierschrank? Genau 81 Prozent der Teilnehmer tippten auf die richtige der vier Antworten: weil sich die Flüssigkeit beim Gefrieren ausdehnt.

Die Frage stammt aus dem größten Test des Allgemeinwissens, den es in Deutschland jemals gegeben hat. Hunderttausende Menschen haben in den letzten Wochen die Wissensprobe gewagt und beim Studenten-Pisa von SPIEGEL und studiVZ mitgemacht. Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde der Test auf den Seiten von SPIEGEL ONLINE aufgerufen, über 600.000 Menschen beantworteten den Fragenkatalog komplett. Oder versuchten es zumindest.

Zu lösen galt es Aufgaben aus fünf Wissensgebieten. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Und sie zeigen, wie schwer das Studenten-Pisa zu knacken war. Nur 26 Menschen lösten alle Aufgaben richtig, das sind gerade einmal 0,0043 Prozent aller Teilnehmer.

Einer davon ist Hendrik Hornbostel, 23: "Ich bin über studiVZ auf den Test aufmerksam geworden. Manche Fragen fand ich relativ einfach, bei anderen war ich mir nicht so sicher. Das Erkennen von Vögeln und Bäumen hat mir noch am ehesten Schwierigkeiten bereitet", so der Osnabrücker BWL-Student.

Auch Reinhard Zander, 61, absolvierte den Parcours mit Bravour. "Ich stehe morgens gegen sieben auf, lese Zeitungen und schaue dann oft auch gleich ins Internet", erzählt der Essener Rentner. "Der Test hat mir gut gefallen, vor allem weil er nicht nur Multiple-Choice-Fragen zu beantworten gab wie bei den Quizshows im Fersehen. Die schaue ich mir nur selten an. Ich habe immer viel Wert auf Faktenwissen gelegt. Vielleicht hat mir das geholfen."

Till Bullmann, 26, ist ein weiterer Alleswisser und hat Politik, Geschichte und VWL studiert. "Dadurch hatte ich sicherlich einen kleinen Vorteil im Test", sagt er, "ich habe ihn als Spaß gesehen und bin deshalb gar nicht auf den Gedanken gekommen, die Antworten zu googeln. Dreißig Sekunden wären dafür auch zu knapp gewesen, außerdem denke ich mir: Es ist immer besser, seinen Kopf anzustrengen."

Warum bloß sind die Frauen-Ergebnisse schlechter?

Im Durchschnitt beantworten die Teilnehmer 24,5 von 45 Fragen richtig, also etwas mehr als die Hälfte. In seiner aktuellen Ausgabe berichtet der SPIEGEL ausführlich über die Ergebnisse und präsentiert ein Ranking der Universitäten und der Fächer. Das Magazin analysiert auch den Befund, der die Redakteure am meisten überrascht hat: Frauen schneiden im Studenten-Pisa schlechter ab als Männer. Im Durchschnitt lösten sie 21,5 Fragen richtig, Männer hingegen 26,5.

Deshalb stellt sich die Frage, ob die Stichprobe nicht repräsentativ war oder der Fragenkatalog nicht ausgewogen. Oder spielt Faktenwissen, wie es für den Test wichtig war, einfach für Männer eine größere Rolle? Der SPIEGEL-Artikel sucht darauf eine Antwort.

Unabhängig vom Geschlecht gilt jedenfalls: Je älter die Teilnehmer waren, desto besser schnitten sie ab. Spitzenwerte erreichten neben den Rentnern auch die Doktoranden, sie beantworteten im Durchschnitt ungefähr 30 Fragen richtig. Die Schüler hingegen landeten bei unter 20 richtigen Fragen. Und die Studenten? Mehr als 200.000 machten mit, ungefähr jeder zehnte Studierende in Deutschland. Sie kamen im Mittel auf 26 richtige Antworten.

Als Oberschlaumeier entpuppten sich die Politikstudenten. Sie erzielten das beste Ergebnis vor den Historikern, den VWL-Studenten und den Physikern. Ganz tapfer sein müssen die Sozialpädagogen und -arbeiter: Sie landeten auf dem letzten Rang der Studienfächer. SPIEGEL ONLINE zeigt exklusiv, Fach für Fach, an welchen Hochschulen die klügsten Köpfe studieren. Für jedes der 25 Fächer, die von Studentinnen und Studenten am häufigsten gewählt werden, gibt es ein eigenes Ranking (siehe unten in den Tabellen).

Gefälle zwischen Hochschulen und Fächern

Damit eine Hochschule in die Wertung aufgenommen wurde, müssen mindestens 50 Studierende mit dem jeweiligen Hauptfach von dieser Hochschule teilgenommen haben. Farbige Markierungen zeigen, ob sich die Studenten dieser Hochschule zur Spitzengruppe zählen dürfen oder weit unter dem Gesamt-Durchschnitt gelandet sind. Dunkelgrün bedeutet: absoluter Spitzenwert. Dunkelblau bedeutet: ganz schön mies.

Als Vergleichsmaßstab dient das Ergebnis, das alle Uni-Studenten von Hochschulen mit mehr als tausend Teilnehmern erreicht haben. Die Einteilung der Gruppen erfolgte nach einem anerkannten statistischen Verfahren, einem sogenannten t-Test (0,5-Prozent-Signifikanz-Niveau).

Was von den Ergebnissen zu halten ist, diskutiert SPIEGEL-Redakteur Markus Verbeet ab Dienstag, 19. Mai, 11 Uhr beim Kooperationspartner studiVZ. Dort geht es unter anderem um die Fragen: Sind solche Rankings nicht total unseriös? Wozu noch Allgemeinbildung, wenn es Wikipedia gibt? Und wie lässt sich das unterschiedliche Abschneiden der Männer und Frauen erklären? Das ist natürlich auch ein Thema im SPIEGEL-ONLINE-Forum.

Wer sich an den Testfragen noch einmal versuchen will, kann beim Quiz von SPIEGEL ONLINE mitmachen. Dort sind alle 180 Aufgaben aus den fünf Wissensgebieten zu sehen: Politik, Wirtschaft, Geschichte, Kultur und - siehe Bierflasche - Naturwissenschaften. Im Originaltest wurde jedem Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip eine gleich schwierige Auswahl von 45 Aufgaben präsentiert. Unter anderem sind Politiker zu identifizieren, Hauptstädte zu benennen, historische Ereignisse einzuordnen und Pflanzen und Tiere zu erkennen.

Würfeln ist knifflig

Die Aufgaben hatte ein Redaktionsteam des SPIEGEL erarbeitet, dem Fachleute aus der Redaktion, der Dokumentationsabteilung und der Marktforschung angehörten. Aus mehreren hundert Vorschlägen wählten sie die spannendsten Fragen aus. Diese wurden von der Hamburger Psychologieprofessorin Sabine Trepte in einem Vortest überprüft.

Die Bierflaschen-Frage erwies sich als relativ leicht, weit überdurchschnittlich viele Teilnehmer konnten sie beantworten. Als beinahe schwierigste Frage im Test entpuppte sich eine andere Aufgabe aus dem Bereich Naturwissenschaften und Mathematik. Sie lautete: Sie würfeln mit zwei Würfeln - wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide Würfel die gleiche Zahl anzeigen?

Die Trefferchance mit simplem Raten war gar nicht so klein, denn es waren vier Antworten zur Auswahl vorgegeben (1/3, 1/6, 1/12, 1/36). Doch nur 16 Prozent aller Teilnehmer kamen auf die richtige Lösung 1/6. Auch die Studenten schnitten bei dieser Frage keineswegs besser ab.

Nachdem sie in ihrer persönlichen Auswertung über das Ergebnis aufgeklärt wurden, beschwerten sich manche sogar bei der SPIEGEL-Redaktion, weil die angeblich zu dumm zum Rechnen sei. Sie wurden in einer kleinen Nachhilfestunde per E-Mail aufgeklärt. Wer unverändert zweifelt und allen mathematischen Erklärungen des Ergebnisses nichts abgewinnen kann, dem bleibt wohl nur noch eines - hinreichend ausgiebiges Kniffeln. Also: An die Würfel, fertig, los!

Hier finden Sie alle Fragen und Antworten aus den fünf Wissensgebieten. Holen Sie sich einen Kaffee, lassen Sie Ihr Gehirn vorglühen, gewähren Sie Ihrem Wissen Auslauf:

Politik - Vom "Deutschen Herbst" bis zur "Achse des Bösen"
Geschichte - Benediktiner, Napoleon und die alten Römer
Wirtschaft - Ölmultis, Derivate und Bio-Siegel
Kultur - Tatort, Feuchtgebiete und Palazzo prozzo
Naturwissenschaften - Vögel, Ultraschall, Chemie

insgesamt 781 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 16.05.2009
1.
Zitat von sysopAuch für Ältere wurde es schwer: Der große Wissenstest von SPIEGEL ONLINE für Studenten hatte es in sich. Beim Allgemeinwissen schnitten weibliche Teilnehmer schlechter an als männliche - wie kommt es zu dieser Diskrepanz?
Weil sei beim Test benachteiligt und wahrscheinlich von ihrem männlich Pascha abgelenkt wurden, als sie den Test bearbeiteten. Außerdem waren die Fragen eher auf männliche Teilnehmer ausgelegt, wurden doch fast ausschließlich Männer gesucht (Rembrandt, Kemal "Atatürk", Warhol). Dieser Test wurde vorsätzlich frauenfeindlich geschrieben und sollte deshalb für ungültig erklärt werden.
MarkH, 16.05.2009
2. ooo
Zitat von sysopAuch für Ältere wurde es schwer: Der große Wissenstest von SPIEGEL ONLINE für Studenten hatte es in sich. Beim Allgemeinwissen schnitten weibliche Teilnehmer schlechter an als männliche - wie kommt es zu dieser Diskrepanz?
Frauen brauchen kein Allgemeinwissen. Sie brauchen nur Allgemeinbanker und Nobelpreisträger, die ausschliesslich Ihnen einen Kredit geben .. und natürlich die Masse an nutzlosen Idioten, die per Muskelkraft "chinese debt" und Kapitalzins erwirtschaften.
IXISkinnerIXI, 16.05.2009
3.
Ein Wissenstest der online durchgeführt wird sollte generell in Frage gestellt werden. Ich würde mal gerne Wissen wie viele Leute parallel Wikipedia oder Googel befragt haben...
ingenör 16.05.2009
4.
Eine Frage zur Ehrenrettung an die "Mädels". Wie hieß denn die erste Frau, die richtig denken konnte ? Antwort: Ist noch nicht geboren worden. (Vorsicht: Schlechter Witz. Ich weiß, Marie Curie, Lise Meitner um nur einige zu nennen...)
Apologet 16.05.2009
5. Gut gemacht, Jungs!
Ein Wissenstest, wo Männer vorne liegen, der kann ja nicht gut sein. Nein - denn das ist ja - feministisch gesehen - politisch inkorrekt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Darum überhaupt ist es eine Meldung in der Zeitung wert. Nein, nein. Gut gemacht Jungs! Ihr wart dieses mal einfach besser. Glückwunsch! Weiter so. Das Land braucht starke und kluge Männer! Und an die Frauen: Man muss auch mal verlieren können - oder? Tragt's mit Fassung. Ist kein Weltuntergang. Nur ein Spiel.
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