Studenten-Tipps für Erasmus So haben wir unser Auslandssemester finanziert

Studieren, wohnen, feiern im Ausland? Das kostet oft mehr als zu Hause. Hier erzählen Studenten, wie sie ihre Erasmus-Aufenthalte bezahlt haben.

Aufgezeichnet von Eleonora Pauli


So viele deutsche Studenten wie noch nie haben in den vergangenen Jahren am Austauschprogramm der Europäischen Union teilgenommen. Auch die Autorin dieses Textes. Hinterher war ihr Erfahrungsschatz groß, aber ihr Konto im Minus, und sie fragte sie sich: Wie finanzieren andere Studenten ihre Auslandssemester? Vier unterschiedliche Berichte.

Anna Lena, 27: "Ich bin da total blauäugig rangegangen"

Anna Lena in einem Café: Vor allem das Essen war teuer
Sophie K.

Anna Lena in einem Café: Vor allem das Essen war teuer

"Das kleine Zimmer im Studentenwohnheim, mit Gemeinschaftsküche und -bad, kostete 500 Euro im Monat - das Doppelte von meiner Miete in Berlin", erzählt Anna Lena. Die 27-Jährige hat ihr Erasmus-Jahr an der University of West England in Bristol verbracht. In ihrem Studiengang International Business Management war der Auslandsaufenthalt für alle verpflichtend. "Das Erasmus-Stipendium sollte circa 200 Euro im Monat betragen", sagt Anna Lena. "Dann waren es doch nur 150 - beides hätte natürlich im Leben nicht gereicht."

Ihre Eltern unterstützten sie mit 500 Euro im Monat, außerdem gab sie Erspartes aus. "Ich hatte vorher zwei Jahre lang neben dem Studium als Werkstudentin gearbeitet, über die Zeit hat sich da Geld angesammelt. Das war zwar eigentlich nicht für Erasmus gedacht - ich bin da total blauäugig rangegangen und hatte nicht auf dem Schirm, dass ich das Geld im Ausland brauchen würde."

Gern hätte Anna Lena auch in Bristol einen Nebenjob gehabt, aber das Studium dort war zeitintensiver als in Berlin. Am Ende des Semesters alles auf einmal zu lernen, ging dort nicht, stattdessen musste Anna Lena regelmäßig und ständig für die Uni arbeiten und Essays schreiben.

Elisa, 25: "Es kommen viele unerwartete Ausgaben auf einen zu"

Elisas Zimmer an der Uni Cambridge
Elisa S.

Elisas Zimmer an der Uni Cambridge

Elisa aus Venedig hat insgesamt neun Monate lang Englisch und Französisch an der University of Cambridge in England studiert. Rund hundert Euro betrug ihr Erasmus-Stipendium pro Monat. "Natürlich hat das Geld nicht gereicht", sagt sie. Ihr Zimmer und Essen kosteten nämlich allein schon rund 500 Euro pro Monat.

"Meine Eltern haben mich unterstützt", sagt Elisa, "und ich habe einen Teil meiner Ersparnisse für die Erasmus-Erfahrung aufgebraucht." Bevor man sich für ein Jahr im Ausland entscheidet, sollte man genau planen und die Kosten realistisch ansetzen, rät die 25-Jährige. Denn: "Während man im Ausland ist, passieren ständig unvorhergesehene Dinge, für die man bezahlen muss."

Merle, 29: "Neapel ist eine megagünstige Stadt"

Schöne Aussicht: Der Blick aus Merles Zimmer in Neapel
Merle R.

Schöne Aussicht: Der Blick aus Merles Zimmer in Neapel

Wie viel das Semester oder das Jahr im Ausland kostet, hängt auch immer davon ab, in welches Land und an welche Uni man geht. Merle war während ihres Lehramtsstudiums in Neapel. "Das ist eine megagünstige Stadt", sagt sie.

"Ausgehen, Essen, das war nicht teuer - denn Ausgehen bedeutet, auf der Piazza stehen und Bier trinken. Auch die Miete von monatlich 300 Euro für mein Einzelzimmer in einer WG war okay", erzählt Merle. "Und ich hätte sogar noch weniger ausgegeben, wenn ich mir ein Doppelzimmer mit jemandem geteilt hätte. Das ist hier nicht ungewöhnlich."

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Erasmus: Das Liebesstipendium

Geld von ihren Eltern musste die 29-Jährige für ihre Zeit in Süditalien nicht annehmen. "Neben den 150 Euro im Monat Erasmus-Geld war ich Stipendiatin bei einer deutschen Stiftung, von der bekam ich einen Auslandszuschuss von 350 Euro im Monat, außerdem fast hundert Euro Büchergeld. Diese doppelte Förderung klappte, weil die Unterstützung aus zwei verschiedenen Töpfen kam - national und von der EU."

Hinzu kam: Merle bekam zufällig die Möglichkeit, nebenher beim Goethe-Institut als externe Prüferin für Deutsch-Zertifikate zu arbeiten. So konnte sie noch mehr unternehmen und auch viel verreisen.

Eleonora Pauli, 28: "Meine Familie nahm einen Studienkredit auf"

In dieser Erinnerungskiste sammelt unsere Autorin ihre Erasmus-Unterlagen
Eleonora Pauli

In dieser Erinnerungskiste sammelt unsere Autorin ihre Erasmus-Unterlagen

Mein Erasmus-Stipendium betrug knapp 150 Euro im Monat, Bafögerhielt ich keines. Nebenher arbeiten durfte man an meiner Austausch-Uni nicht, daher fehlten mir die 450 Euro, die ich in Berlin zusätzlich zu der Unterstützung meiner Eltern verdiente.

Doch die hohen Mietkosten in Großbritannien, das Essen, Extraausgaben für Bücher oder Feste - das konnten auch meine Eltern nicht einfach so stemmen. Also nahmen wir einen Studienkredit auf, den wir noch immer abbezahlen."

"Die weiße Kiste ist randvoll mit Erinnerungen an mein Jahr in England: die Mensa-Karte, der Talar, den ich mir für die Immatrikulationsfeier kaufen musste - und ein Haufen Rechnungen. Toll war es, mein Erasmus-Jahr. Und teuer.

Stipendium fürs Studium: Hier findet fast jeder Student sein Stipendium

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
svizzero 12.08.2015
1. Erstaunlich
Schon erstaunlich, wie hier reifere Studentinnen (darf man wohl sagen bei 25 - 29 Jahren) blauäugig ins Ausland studieren gehen. Auskünfte üer Lebenshaltungskosten? Reserve einplanen? Detailliertes Budget aufstellen? Scheint alles Fehlanzeige. Das Leben hat noch nicht einmal richtig begonnen und schon sind Schulden da. Ich frage mich, was junge Leute heute an der Schule fürs Leben lernen.
coyote38 12.08.2015
2. Wie finanziert Frau alleine ein Studium im Ausland ?
"So", wie viele "Studentinnen" im Inland auch. Aber das taugt natürlich nicht für eine Berichterstattung, weil man da am liebsten gar nicht drüber spricht.
giftzwerg 12.08.2015
3. Falsches Land gewählt
Ich will ja nicht meckern, ABER wer nach Großbritannien geht, für den wirds halt echt teuer - selber schuld. Das weiß man aber vorher. Ich war in Barcelona, was auch keine günstige Stadt ist. Ich hatte in Berlin eine Zweizimmerwohnung mit Balkon für mich allein, die nur geringfügig mehr gekostet hat als mein innenliegendes Kämmerlein in Barcelona (nicht im Zentrum). So ist das halt, das weiß man vorher und kann sich dementsprechend drauf vorbereiten, sprich sparen. Bei mir lief es am Ende so, dass, obwohl Barcelona eine sehr teure Stadt ist und ich viel in Restaurants, Clubs, etc. war, ich am Ende sogar viel Geld übrig hatte. Von den lachhaften 110€, die mir meine Berliner Uni monatlich dazu gegeben hat und die in Spanien nicht mal fürs Atmen reichen, brauchen wir hier nicht zu reden, vor allem, weil es die erst nach Abschluss des Auslandssemesters ausgezahlt gibt. Tipp: Dass man Erasmus macht, erfährt man nicht von einem Tag auf den andern, also bitte langfristig vorher sparen. Zweiter Tipp: Nicht nach Großbritannien oder Skandinavien gehen, die sind viel zu teuer. Wenn die Fremdsprachenkenntnisse für ein günstigeres Land nicht reichen, wäre das eine gute Baustelle! Tipp Nr. 3: Osteuropa hat wunderschöne Städte, die sich sehr lohnen und sehr günstig sind, Ungarn oder die baltischen Staaten etwa.
giftzwerg 12.08.2015
4. Falsches Land gewählt
Ich will ja nicht meckern, ABER wer nach Großbritannien geht, für den wirds halt echt teuer - selber schuld. Das weiß man aber vorher. Ich war in Barcelona, was auch keine günstige Stadt ist. Ich hatte in Berlin eine Zweizimmerwohnung mit Balkon für mich allein, die nur geringfügig mehr gekostet hat als mein innenliegendes Kämmerlein in Barcelona (nicht im Zentrum). So ist das halt, das weiß man vorher und kann sich dementsprechend drauf vorbereiten, sprich sparen. Bei mir lief es am Ende so, dass, obwohl Barcelona eine sehr teure Stadt ist und ich viel in Restaurants, Clubs, etc. war, ich am Ende sogar viel Geld übrig hatte. Von den lachhaften 110€, die mir meine Berliner Uni monatlich dazu gegeben hat und die in Spanien nicht mal fürs Atmen reichen, brauchen wir hier nicht zu reden, vor allem, weil es die erst nach Abschluss des Auslandssemesters ausgezahlt gibt. Tipp: Dass man Erasmus macht, erfährt man nicht von einem Tag auf den andern, also bitte langfristig vorher sparen. Zweiter Tipp: Nicht nach Großbritannien oder Skandinavien gehen, die sind viel zu teuer. Wenn die Fremdsprachenkenntnisse für ein günstigeres Land nicht reichen, wäre das eine gute Baustelle! Tipp Nr. 3: Osteuropa hat wunderschöne Städte, die sich sehr lohnen und sehr günstig sind, Ungarn oder die baltischen Staaten etwa.
pleromax 12.08.2015
5. Aussen hui, innen pfui
Aussen hui, innen pfui - für seinen unglaublich tollen Ruf sind die tatsächlichen monatlichen Leistungen des Erasmus-Programms beschämend mickrig ...
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