Studenten unterwegs in Europa Die Reiseprüfung

Professoren schickten fünf Studenten auf eine sonderbare Mission: Fahrt von Weimar nach Italien, lernt etwas über Globalisierung und löst acht Aufgaben, dokumentiert per Video. SPIEGEL ONLINE zeigt, was die Filmer erlebten - im Alpentunnel, auf dem Gletscher, beim AC Mailand.

Von Christian Werner


Sebastian Altmann

An der Bauhaus-Universität Weimar, so gebietet es eine schöne Tradition, öffnet man stets sein Herz für krumme Ideen. Mal denken sich Studenten selbst schwarzhumorig-seltsame Projekte aus, mal sind es die Professoren. So eine Aufgabe fällt wohl nur Kunstdozenten ein: Studenten, fahrt in zehn Tagen von Weimar ins italienische L'Aquila und lernt dabei was über Globalisierung. Dazu löst ihr acht Aufgaben, die euch Professoren per Video stellen, und dreht über eure Reise einen Film.

Auf diese Mission schickte Wolfram Höhne, diplomierter Künstler und Leiter des Videoprojekts "Studio Bauhaus", fünf Studenten der Bauhaus-Uni Weimar - mit nichts als mit zwei Kameras und 5000 Euro Budget im Gepäck. Alles klar? Nun ja.

Die fünf Teilnehmer kannten sich vorher kaum. Die Studenten habe man bewusst allein reisen lassen, so Höhne: "Wären wir Dozenten mitgefahren, hätte man gleich ein leicht hierarchisches Verhältnis gehabt." Das Geld für das Projekt kam von der Uni und vom Thüringer Kultusministerium, das reichte für Leihwagen, Sprit und Unterkünfte. Für Dozent Höhne hat sich die Investition gelohnt: "Es ist wunderbar zu sehen, was dabei rauskommt, wenn man Studenten ein bisschen Geld in die Hand gibt und sie machen lässt."

Reiseziel: ein dokumentarisches Roadmovie

Die Kamerabilder zeigen eine Windschutzscheibe im Dauerregen, die Markierungsstreifen der italienischen Autobahn verschwimmen, Scheibenwischer ackern im Dauerbetrieb. Schnitt. Ein Regenbogen überm dunkelgelben Abendhorizont. "In einer Woche haben wir so viel erlebt", sagt eine Stimme aus dem Off. So viel wie sonst vielleicht in zwei Jahren.

50 Stunden Material trugen die Studenten mit nach Hause. Anna Keiderling, 23, studiert in Weimar Mediengestaltung und schneidet derzeit am einstündigen Film, der Ende November fertig sein soll. Einen Trailer als Vorgeschmack gibt es bereits. "Es wird keine reine TV-Reportage", sagt Anna, "ich stelle mir ein dokumentarisches Roadmovie vor", das später einmal bei Filmfestivals laufen soll.

Das exakte Lösen der acht Aufgaben war nicht das wichtigste Reiseziel. "Mission: impossible" hieß es bei einigen, andere Teilprojekte scheiterten knapp, manche klappten überraschend gut. "Die Aufgaben sollten uns eher an das große und unüberschaubare Thema Globalisierung heranführen", so Sebastian Altmann, 25, der Regie führte. Zu gewinnen gab es nichts - "außer natürlich jede Menge neues Wissen".

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