Studentenproteste Goppel sorgt mit Nazi-Vergleich für Unmut

Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) ist als Gebührenfreund bei den Studenten des Bundeslandes nicht besonders gut gelitten. Jetzt lieferte er seinen Gegnern die sicherste aller möglichen Steilvorlagen: einen Nazi-Vergleich.


Von Störern am Reden gehindert: Thomas Goppel
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Von Störern am Reden gehindert: Thomas Goppel

Ein Nazi-Vergleich von Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) sorgt derzeit für Wirbel im Freistaat. Goppel hatte gestern bei einem Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Katholischen Universität Eichstätt störende Studenten mit der NS-Zeit in Beziehung gesetzt. Das Benehmen der Protestler sei ein "Hinweis auf die Intoleranz, die wir an denen beklagt haben, die uns damals in das Schlamassel gebracht haben." Mit diesem Satz wird Goppel jedenfalls im "Donau-Kurier" zitiert.

Goppel war bei dem Festakt durch lautes Applaudieren einiger Studenten am Reden gehindert worden. Die Studenten der Universität Eichstätt nannten Goppels Äußerungen heute "haarsträubend". Die Vorsitzende des Studentischen Konvents, Katharina Schrader, sagte, sie könne Goppels Verärgerung zwar verstehen. Gleichwohl seien die Studenten entsetzt über die "Ausfälligkeit", mit der er auf die Proteste reagiert habe. "Auf diese Stufe wollen wir nicht herabgesetzt werden", so Schrader.

"Unangemessen und unsouverän"

Die Grünen im bayerischen Landtag forderten Goppel auf, den Protest als Warnzeichen für sein "gestörtes Verhältnis" zu den Studierenden zu verstehen und kritisierten das Verhalten des Ministers als "unangemessen und unsouverän".

Der Minister wies die Vorwürfe indes zurück. Ihm sei es darum gegangen, dass in einem demokratischen Staat die Möglichkeit des Austauschs von Meinungen und Argumenten nicht behindert werden dürfe. "Von Nazi-Vergleichen war nicht die Rede, sie sind abwegig und liegen dem Minister fern", erklärte sein Ministerium. Wenn dies jemand missverstanden habe, sei es sehr bedauerlich.

Der CSU-Mann hatte schon vor einigen Monaten Unmut auf sich gezogen, als er große Wissenslücken über studentische Haushaltsbudgets an den Tag legte. Um Studiengebühren von 500 Euro pro Semester zu finanzieren, so sein Vorschlag, müssten Studenten lediglich "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben".

Studentenvertreter bescheinigten ihm prompt den Verlust jeder Bodenhaftung - so viel gebe es für Studenten nicht zu verdienen. Goppel korrigierte zwar später, er habe zwei Nachhilfestunden pro Woche gemeint ("eine Entgleisung, die mir leid tut"), aber da kursierte sein Spruch längst.

Um Goppels "pfiffige Idee zu unterstützen", stellten Freiburger Studenten daraufhin flugs eine Seite "Studis für'n Fuffi" ins Internet: eine Jobbörse für Unternehmen, die Studenten 50 Euro pro Stunde zahlen. Die Angebote hielten sich in Grenzen.



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