Studentenproteste in Spanien Die Wut der Jugend

Leere Klassen, leere Hörsäle: Tausende Schüler, Studenten, Eltern demonstrierten in 50 spanischen Städten gegen Milliarden-Kürzungen an Schulen und Unis - und gegen steigende Studiengebühren.

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"Das Geld der Banker für die Schulen der Arbeiter", skandierten sie, denn die Wut ist groß unter spanischen Schülern, Studenten und Eltern. Drei Tage lang haben sie protestiert und zum Bildungsstreik aufgerufen, viele Klassenräume und Hörsäle blieben leer. Ihr Zorn richtet sich gegen die Sparmaßnahmen der konservativen Regierung, die Milliarden-Kürzungen im Bildungssektor plant.

In rund 50 Städten gingen die Demonstranten auf die Straße, auch in den Metropolen Madrid und Barcelona. Sie beklagen überfüllte Klassen und Seminarräume, Kürzungen bei Lehrer- und Dozentenstellen - und vor allem die steigenden Studiengebühren: Die seien von 700 Euro im vergangengen Jahr auf 1.300 Euro pro Studienjahr gestiegen, beschwerte sich eine Journalismusstudentin bei den Protesten in Madrid.

Die Schülerin Sara Diaz, 16, sagte: "In meinem Gymnasium wurden dieses Jahr sieben Lehrer entlassen, letztes Jahr waren es 16." Die 50-jährige Leonor Andrés, die ihre 14-jährige Tochter zu dem Protest begleitete, sagte, weil nun mehr Schüler in einer Klasse seien, sei der Unterricht weniger praxisorientiert.

Die Zeitung "El País" berichtet auf ihrer Internetseite auch von der wachsenden Furcht unter Lehramtsstudenten, später keine Stelle zu finden, wenn der Staat weitere Stellen streicht. Andere Studenten haben ebenfalls Angst, nach der Uni ohne Job dazustehen: Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 25 Prozent.

Ziel des Zorns ist besonders Bildungsminister José Ignacio Wert, für viele Schüler und Studenten das Gesicht der Sparmaßnahmen. Sie forderten seinen Rücktritt. Die Demonstrationen sind Teil eines dreitägigen Streiks, der am Donnerstag zu Ende gehen sollte. Ganze Familien marschierten bei den Protestzügen mit. Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Spanien will die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy bis 2014 insgesamt 150 Milliarden Euro einsparen.

yoq/AFP



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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
wall_e 18.10.2012
1. das sind die 150 Mrd...
die die Banker verzockt haben...wo die jetzt wohl sind...?
Kaygeebee 18.10.2012
2.
Die Teufelsspirale dreht sich immer schneller. Spanien ist pleite und braucht externe Hilfe. Die bekommt es aber nur, wenn es spart. Also streicht man Beamtenstellen und lässt das Bildungswesen veröden (braucht eh keiner, die Kinder der Verantwortlichen sind sowieso auf Privatschulen). Der Bildungsstandard sinkt, was dazu führt dass Schüler und Studenten keine Jobs mehr finden. Die Arbeitslosigkeit steigt, was dazu führt, dass weniger Steuern (Einkommens- und Umsatzsteuer, etc.) reinkommen. Gleichzeitig muss man aber Banken und Bankster retten, das Sozialsystem erhalten, öffentliche Einrichtungen finanzieren und seine Beamten bezahlen. Der Staat macht immer mehr Miese und muss um Geld betteln. Das bekommt er aber nur, wenn er kräftig spart... Am Ende sind die Jungen die dummen und die Verantwortlichen sind aus dem Schneider.
Newspeak 18.10.2012
3.
Spanien wird sich nur helfen, wenn es die Banker "entfernt". Eine schöne Revolution wäre dann vielleicht das Vorbild für Europa. Die Franzosen haben es doch auch schon einmal hinbekommen. Und? Denkt heute jemand schlecht über diese Errungenschaft? Menschenrechte, Vertreibung des Adels und der Kirche aus ihren Machtstrukturen, allgemeine Demokratisierung, Aufklärung, usw. Dasselbe muß heute für Großkonzerne geschehen. Und das Militär. Beides muß langfristig demokratisiert bzw. abgeschafft werden. Nur dann wird es Fortschritt geben, der wirklich den Menschen nutzt und nicht selbsternannten Eliten, die sich bereichern.
schwarzes_lamm 18.10.2012
4.
Zitat von sysopGetty ImagesLeere Klassen, leere Hörsäle: Tausende Schüler, Studenten, Eltern demonstrierten in 50 spanischen Städten gegen Milliarden-Kürzungen an Schulen und Unis - und gegen steigende Studiengebühren. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studentenproteste-in-spanien-a-862077.html
Ich kann es mir nur schwer vorstellen, dass es die MINT- oder NC-Studenten sind, die dort protestieren.
agua 18.10.2012
5. So sieht es aus
Chancengleichheit gehoert der Vergangenheit an.Demnaechst kann wieder nur derjenige eine Schule besuchen und studieren,dessen Eltern dies finanzieren koennen.Und die,die sich das nicht leisten koennen,fuer die gibt es nicht einmal mehr Arbeit und Ausbildungsplaetze In Portugal wurden nach den Sommerferien 6000 Lehrern keine Stelle zugewiesen.Bei uns im Ort wurden deswegen die Schulstunden von 45 Minuten auf sogenannte Blocks von 20 Minuten gekuerzt.Dienstags nachmittags hat die Tochter einer Freundin gemeinsam mit einer anderen Klasse Chemie,Physik und Biologie mit einem Lehrer.Und jeweils parallel.Jedes Fach in 20 Minuten....
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