Studentenproteste Kultusminister-Chef kritisiert Hochschulleitungen

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, hat die Universitätsleitungen angesichts der Studentenproteste scharf kritisiert. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, räumte Fehler bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge ein.

Streikende Studenten: Echo in Politik und Wissenschaftsbetrieb
AP

Streikende Studenten: Echo in Politik und Wissenschaftsbetrieb


Berlin - Die ausgreifenden Studentenproteste haben in Politik und Wissenschaftsbetrieb teilweise Zustimmung erfahren. Mecklenburg-Vorpommerns Bildungs- und Kulturminister Henry Tesch (CDU), der als Vorsitzender der Kultusministerkonferenz fungiert, schreibt angesichts der Proteste in einem Gastbeitrag für "Bild am Sonntag": "Jetzt sind die Hochschulen in der Pflicht, auf die Forderungen einzugehen."

Die Universitäten verfügten "über Freiheiten, wie sie in der Geschichte Deutschlands noch nie so ausgeprägt waren". Sie agierten mit Mitteln der Steuerzahler "wie selbständige Unternehmen", so Tesch weiter.

Der CDU-Politiker forderte von den Lehrenden eine höhere Flexibilität: "Aber auch die Professoren müssen sich mit einbringen. Um die Studierbarkeit der Bachelor- und Masterstudiengänge zu gewährleisten, werden viele von ihnen sich davon verabschieden müssen, ihre speziellen Lehr- und Forschungsinteressen in den Vorlesungen unterzubringen." Der Präsident der Kultusministerkonferenz zeigte Verständnis für die demonstrierenden Studenten und nannte deren Forderungen richtig.

Bachelor-Reform "zu einseitig"

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, räumte derweil "handwerkliche Fehler" bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge ein. Dem "Focus" sagte er, man habe unterschiedliche Fächer über einen Kamm geschoren. "Während einige Geisteswissenschaften mehr Struktur vertragen können, bräuchten die Ingenieurfächer eher mehr Freiheiten." Die Bachelor-Reform sei außerdem zu einseitig auf die Verkürzung von Studienzeiten ausgerichtet gewesen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte in dem Magazin an, sie werde in den nächsten Tagen mit den Wissenschaftsministern der Länder sprechen. "Die Studenten haben ein Anrecht zu erfahren, was wir unternehmen, um die Lehre zu verbessern", sagte sie.

SPD spricht von "Fehlentwicklungen"

Die SPD stellte sich deutlich hinter die Studierenden. Der Parteitag der Sozialdemokraten in Dresden begrüßte am Samstag deren Proteste gegen Studiengebühren und ihr Engagement für bessere Lernbedingungen. "Dort, wo die Union Studiengebühren eingeführt hat, müssen sie wieder abgeschafft werden", heißt es in einer verabschiedeten Resolution. "Wir brauchen mehr Chancengleichheit in der Bildung. Finanzielle Hürden müssen abgebaut werden. Die SPD steht für eine gebührenfreie Bildung von der Kita bis einschließlich zum Master an der Hochschule."

"Fehlentwicklungen" bei der Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge müssten korrigiert werden, heißt es weiter. "Wir wollen mehr Wahlfreiheit, entschlackte Studienordnungen und eine verbesserte Praxisorientierung."

Studenten halten derzeit an verschiedenen Universitäten Hörsäle besetzt, um auf die ihrer Meinung nach verschlechterten Studienbedingungen aufmerksam zu machen. Am 17. November soll ein bundesweiter Aktionstag stattfinden.

yas/ddp/dpa

Forum - Studentenproteste - was muss sich an deutschen Unis ändern?
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Broko 15.11.2009
1.
Zitat von sysopIn vielen deutschen Städten besetzen Studenten die Universitäten, um gegen die schlechten Studienbedingungen zu protestieren. Neben dem Protest gegen die Studiengebühren wird vor allem die Organisation der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge kritisiert. Was muss an den deutschen Unis besser werden?
Wie? Sollen wir hier die Arbeit der Bildungspolitiker machen?
grafkoks2002 15.11.2009
2. Ende der Freiheit
Zitat von BrokoWie? Sollen wir hier die Arbeit der Bildungspolitiker machen?
Der CDU-Politiker Henry Tesch sagt: "Aber auch die Professoren müssen sich mit einbringen. Um die Studierbarkeit der Bachelor- und Masterstudiengänge zu gewährleisten, werden viele von ihnen sich davon verabschieden müssen, ihre speziellen Lehr- und Forschungsinteressen in den Vorlesungen unterzubringen." Ins Deutsche übersetzt: Die Freiheit der Lehre ist vorbei, es wird gelehrt, was auf dem Plan steht. Endeschlussaus. Und komme niemand auf die Idee, Ideen zu vermitteln, die die Lehrpläne nicht vorsehen. Das macht in China auch niemand. Der Witz: Die Wirtschaft hat seit 20, 30 Jahren, niemand weiß es mehr genau zu sagen, gefordert, das Studium müsse straffer werden, wer mit 27 die Uni verlässt, der sei zu alt für den Markt, im Ausland geht das alles schneller, wir Deutschen sind echt die Versager, alles ist blödblödblöd. Wie im Sandkasten haben sich die Vertreter der deutschen Wirtschaft aufgespielt, haben von Businessschool geschwärmt, etc. Warum sind unsere Ingenieure eigentlich, wenn die Unis doch immer soooo schlecht gewesen sind, so gut, dass Deutschland über Jahre hinweg den Titel Exportweltmeister tragen durfte? Mag es sein, dass die Lehre doch nicht so schlecht ist, das es vielleicht gar nicht so dumm ist, hier und da auch mal das Improvisieren erlernen zu müssen? Warum sind deutsche Chemiker so begehrt, wenn die deutschen Unis doch nur Idioten herangezüchtet haben, die niemand gebrauchen konnte? Warum lieben Skandinavier deutsche Mediziner? Wie kommt es, dass China seine Protzbunker von deutschen Architekten erbauen lässt? Und jetzt, da nach Jahrzehnten des Klagens die Politik der Wirtschaft genau das gegeben hat, was die immer wollte - kurze, vollkommen verschulte Studiengänge und damit junge Abgänger - heult es aus der Wirtschaft: In Gottes Namen, die können ja nix, die können ja nur lernen, aber nicht selbstständig arbeiten. Wir wollen die alten Dipls zurück... Das aber scheint die Politik diesmal zu überhören, denn eine Lehre, die ihre Freiheit verliert, hat ja auch Vorteile. Es wird nur noch in den Gebieten geforscht, mit denen sich Geld verdienen lässt. Adieu Geisteswissenschaften, es war nett mit euch! Höre ich da gerade Humboldt im Grabe routieren? Der Karren Hochschulstudium wurde durchs Bologna-Abkommen in den Morast gesetzt. Schade, dass sich die, die den Karren dort hineingefahren haben, offenbar am Geruch nicht stören. Scheiße scheint auf manche Leute berauschend zu wirken.
Jay's, 15.11.2009
3.
Zitat von sysopIn vielen deutschen Städten besetzen Studenten die Universitäten, um gegen die schlechten Studienbedingungen zu protestieren. Neben dem Protest gegen die Studiengebühren wird vor allem die Organisation der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge kritisiert. Was muss an den deutschen Unis besser werden?
Die Unis duerfen keine Freiheiten haben sondern muessen vom Staat kontrolliert werden. Was ansonsten dabei rauskommt kann man in den USA sehen, wo die Unis Korporationen sind, die Fuehrungskraefte sich wie Banker benehmen und horrende Einkommen haben, die zum Teil von Studiengebuehren bezahlt werden. Ich verstehe nicht, warum die neuen Studiengaenge eingefuehrt wurden. Was war denn so falsch mit dem Diplom oder dem Studiengang fuers Lehramt?
anin, 15.11.2009
4.
Zitat von sysopIn vielen deutschen Städten besetzen Studenten die Universitäten, um gegen die schlechten Studienbedingungen zu protestieren. Neben dem Protest gegen die Studiengebühren wird vor allem die Organisation der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge kritisiert. Was muss an den deutschen Unis besser werden?
"Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, hat die Universitätsleitungen angesichts der Studentenproteste scharf kritisiert." http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,661354,00.html Ausgerechnet der Sprecher einer der größten "Versagerorganisation", die wir in Deutschland haben, meldet sich hier zu Wort. Die Lsienspielerschar "KMK" hat bisher noch nichts auf die Reihe bekommen (bis auf die Rchtschreibreform) und erdreistet sich hier Ratschläge zu verteilen. Ihre Empfehlungen für Bachelor- und Masterstudiengänge gingen völlig an der Realität z.B. bestehender Ingenieursstudiengänge vorbei. Mir ist es unerklärlich, wie man bei solch einem Hintergrund öffentlich Vorwürfe austeilen kann. So nach dem Motto: Vorher die Großmutter die Treppe herunterschupsen und nachher fragen "Oma wat läufst du so schnell?"
Ephemeris 15.11.2009
5. .....
Leute die Leistung erbringen sollten Kanzler werden , nicht weil sie Connections haben .., Beispiel Regensburger Uni , bei deR Kanzlerbesetzung wurde ein 6-Punktler Staatsexamen vorgezogen da Papa dicker CSU politiker ist...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.