Studentin des Monats Maryam macht Mut

Wie fühlt sich das an, wenn es scheinbar keine Ausweg mehr gibt? In der Suizidberatung "U25" arbeiten junge Leute, die selbst erlebt haben, was Verzweiflung ist und deshalb gut darüber reden können - so wie Maryam.

"U25"-Mitarbeiterin Maryam: "Ich weiß, wie es sich anfühlt"
Kostas Maros/ UniSPIEGEL

"U25"-Mitarbeiterin Maryam: "Ich weiß, wie es sich anfühlt"


Eigentlich wollte sie sich umbringen am 13. Februar 2007, doch Maryam, die ihren kompletten Namen aus guten Gründen verschweigt und sich nur anonym fotografieren lassen wollte, entschied sich anders. Heute ist sie 24, studiert Psychologie in Freiburg und arbeitet für "U25", eine Onlineberatung für Jugendliche und junge Erwachsene, die keine Lust mehr aufs Leben haben. Das "U25"-Team besteht aus 40 Mitarbeitern, die alle von Sozialarbeitern gelernt haben, wie man Menschen in Krisen am besten begegnet. Es war aber nicht nur dieses Training, dass Maryam nun bei der Arbeit hilft - es ist auch ihre eigene Geschichte.

"Ich weiß, wie es sich auf der anderen Seite anfühlt", sagt sie. Maryam war 16, als sie ihrem Leben an jenem Dienstag ein Ende bereiten wollte. Sie litt unter Depressionen und fühlte sich "unsichtbar, wie eine Hülle, die einen Kopf durch die Gegend trägt". Irgendwann sah sie nur noch einen Ausweg: Selbstmord.

Als sie ein letztes Mal ihre E-Mails checken wollte, befand sich eine Nachricht des Schulpsychologen im Posteingang - er war von ihrem Religionslehrer alarmiert worden, der sich schon lange Sorgen um sie machte. Der Psychologe bat um einen Anruf. Maryam zögerte, las die E-Mail noch einmal. Dann rief sie ihn an. Der Mann redete behutsam auf sie ein und erreichte, dass sie eine Therapie machte.

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Besondere Studenten: Wir sind hier die Guten
Maryam will mit ihrer "U25"-Arbeit nun Ähnliches erreichen und betreut in einer Woche bis zu drei Hilfesuchende. Anonymität ist dabei wichtig, das enthemme, sagt Maryam. Hart wird es für die Berater, wenn die Betroffenen nach langem E-Mail-Verkehr plötzlich den Kontakt abbrechen und nicht mehr zurückschreiben. Gegen die Sorge, dass sie sich das Leben genommen haben, hilft dann nur noch die Gewissheit, dass man Hilfe angeboten habe: Mehr könne man ja nicht tun, sagt Maryam.

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