Junge Briten Hotel Mummy sticht Eigenheim

Fast drei Millionen Briten unter 35 Jahren leben bei ihren Eltern. Vor allem Männer kommen viel schlechter von ihnen los als früher. Die Insulaner sorgen sich: Wird Großbritannien das Land der Muttersöhnchen?

Student in London: Freundin drücken, und dann heim zur Mama?
REUTERS

Student in London: Freundin drücken, und dann heim zur Mama?


"Werden wir zu einer Nation der Muttersöhne und Vatertöchter?", fragte die britische Zeitung "The Guardian". Die neuen Zahlen des nationalen Statistikinstituts ONS sprechen dafür: Fast drei Millionen junge Briten zwischen 20 und 34 wohnten im vergangenen Jahr bei ihren Eltern. Seit 1997 sei diese Zahl um fast 20 Prozent gestiegen.

In gleichen Zeitraum stiegen die Kosten für Eigenheime erheblich - und zwar seit 2002 um 40 Prozent, so ONS. Vielen seien deshalb wahrscheinlich oft nicht mehr in der Lage, sich einen Auszug zu leisten, schreiben die Statistiker. In Großbritannien ist es verbreitet, dass man sich bald nach dem Studium sein erstes Haus finanziert. Dort leben etwa sieben von zehn Menschen in den eigenen vier Wänden, in Deutschland ist es weniger als die Hälfte.

Die Forscher verzeichneten deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Einer von drei Männern und eine von sechs Frauen in der Altersgruppe wohnten bei ihren Eltern, heißt es in dem Bericht vom vergangenen Dienstag. Das liege unter anderem daran, dass sich Frauen eher ältere Partner suchten und deshalb zwischen 20 und 34 oft schon verheiratet oder zumindest fest gebunden seien. Außerdem gingen Frauen öfter studieren und zögen dafür von zu Hause weg.

In Deutschland wohnt jeder vierte Student im Hotel Mama

In London leben landesweit die wenigsten jungen Erwachsenen noch im Elternhaus - etwa jeder Fünfte. Nordirland führt die Tabelle an, dort ist es gut jeder Dritte. Wo genau wie viele Briten ihre Füße unter den elterlichen Esstisch stecken, hat der "Guardian" einer Grafik anschaulich illustriert.

In Nordirland seien die Entfernungen kürzer als in anderen Landesteilen und es sei deshalb leichter möglich, zur Arbeit oder zum Studium zu pendeln. London wiederum ziehe viele Menschen aus weit entfernten Gegenden oder aus dem Ausland an, die dann oft in eine WG zögen, melden die britischen Statistiker.

Generell gilt: Der Anteil der erwachsenen Kinder im Elternhaus nimmt mit steigender Altersklasse ab. Es überrascht nicht, dass sich Menschen Mitte 30 eher eine eigene Wohnung leisten können und eher mit ihrem Partner zusammenleben als Studenten Anfang 20. Unter den 34-Jährigen wohnen nur noch sieben Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen bei ihren Eltern. Unter den 20-Jährigen sind es 64 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen.

Generell verließen junge Menschen im Nordwesten Europas das Elternhaus früher als in südlichen Ländern wie Spanien oder Italien. Das habe unter anderem damit zu tun, wie viel sie verdienen und wie früh sie eine dauerhafte Beziehung oder eine Ehe eingehen, schreiben die Experten. In Deutschland lebt etwa jeder vierte Student noch bei seinen Eltern - wovon Experten, trotz aller Annehmlichkeiten im Hotel Mama, allerdings abraten.

son

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Oberleerer 06.06.2012
1.
Gut so. Die können nicht früh genug anfangen zu sparen. Wenn ein Bauernsohn den Hof vom Vater übernimmt, ist das auch ganz normal.
mceuskadi 06.06.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSFast drei Millionen Briten unter 35 Jahren leben bei ihren Eltern. Vor allem Männer kommen viel schlechter von ihnen los als früher. Die Insulaner sorgen sich: Wird Großbritannien das Land der Muttersöhnchen? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,837310,00.html
Ich wohne südlich von London auf halben Weg nach Brighton. Meine kleine 2 Raumwohnung kostet £850 (1050€) Miete pro Monat, die preiswerteste verfügbare £750 (920€) . Wer kann sich das schon leisten? Die Verkäuferin beim Tesco bekommt £7/h und geht mit £1200 brutto nach hause. Wirklich traurig hier...
Oberleerer 06.06.2012
3.
Zitat von mceuskadiIch wohne südlich von London auf halben Weg nach Brighton. Meine kleine 2 Raumwohnung kostet £850 (1050€) Miete pro Monat, die preiswerteste verfügbare £750 (920€) . Wer kann sich das schon leisten? Die Verkäuferin beim Tesco bekommt £7/h und geht mit £1200 brutto nach hause. Wirklich traurig hier...
Ich würde behaupten, so geht es allen Verkäuferinnen, auch in Deutschland. Bei uns besteht aber die Möglichkeit, per H4 aufzustocken, was aber auch traurig ist.
The Captain 06.06.2012
4.
Zitat von sysopREUTERSFast drei Millionen Briten unter 35 Jahren leben bei ihren Eltern. Vor allem Männer kommen viel schlechter von ihnen los als früher. Die Insulaner sorgen sich: Wird Großbritannien das Land der Muttersöhnchen? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,837310,00.html
Wundert mich gar nicht. WAS mich wundert, ist wieso gerade jetzt die Frage auftaucht - war da nicht was mit 500% Mieterhöhungen in London wegen der Olympischen Spielen ...? Klartext: wenn die jungen Erwachsenen immer weniger Geld in den ersten Jahren der Erwerbstätigkeit verdienen, gleichzeitig aber die Lebenshaltungskosten steigen, bleibt oft gar nichts anderes übrig, als länger bei den Eltern zu wohnen. Oft ist die WG die einzig andere bezahlbare Alternative. Weil es auch immer länger dauert, bis ein junger Erwachsener einen dauerhaft regulären und gut bezahlten Job hat, dauerts auch länger bis zum Auszug. Früher war spätestens mit 25 die gefühlte Lebensmitte als Erwerbstätiger erreicht, heute erst mit 35. Auch ist die Frage leicht beantwortet, warum Männer länger bei den Eltern leben: Frauen brauchen meistens nur eines, um bei den Eltern auszuziehen: einen Freund, der mit ihr zusammenziehen will. Der ist i.d.R. älter. Der umgekehrte Fall ist eher selten. Ich bin übrigens erst mit 27 bei meinen Eltern ausgezogen. Aus genau den Gründen: unsichere Arbeitsplätze, zu geringe Bezahlung, ...
qoderrat 06.06.2012
5. Expertenmeinung
Zitat von sysopREUTERSFast drei Millionen Briten unter 35 Jahren leben bei ihren Eltern. Vor allem Männer kommen viel schlechter von ihnen los als früher. Die Insulaner sorgen sich: Wird Großbritannien das Land der Muttersöhnchen? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,837310,00.html
Soso, die Experten raten ab. Was hab ich eigentlich falsch gemacht, dass ich keine vermögenden Eltern habe? Vielleicht wäre etwas mehr Realitätsnähe der Experten mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Viele die zu Hause wohnen bleiben können sich schlicht keine eigene Wohnung leisten, das hat mit Bequemlichkeit überhaupt nichts zu tun.
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