Studie Facebook-Nutzer haben schlechtere Noten

Macht Facebook dumm? Oder meiden Streber das Portal? Wer viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringt, bringt schlechtere Leistungen im Studium. Das zeigt die Studie einer Uni in Ohio. Netzwerker neigen offenbar stärker zur Arbeitsvermeidung als Abstinenzler.

Von Peter Neitzsch


Networking gilt als Schlüsseldisziplin für den Berufserfolg. Gute Noten aber auch. Beides zusammen geht offenbar nicht. Denn wer viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringt, hat im Schnitt die schlechteren Noten. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der der Ohio State University in einer neuen Studie.

Facebook im Auge und im Sinn: Prokrastination 2.0
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Facebook im Auge und im Sinn: Prokrastination 2.0

Für die Studie befragten die Wissenschaftler 219 College-Studenten, von denen 148 bei Facebook angemeldet waren, einem der populärsten Netzwerke im Internet. Bei ihren Studienleistungen waren Mitglieder der Online-Community im Durchschnitt einen halben Notenschritt schlechter als Studenten der Vergleichsgruppe.

So erreichten die Facebook-Freunde zwischen 3,0 und 3,5 Notenpunkte, während ihre Kommilitonen 3,5 bis 4,0 Notenpunkte schafften. Der Wert 4,0 entspricht im US-Notensystem einer deutschen "eins". Je geringer der Wert, desto schlechter ist die Note.

Die Studenten sehen keinen Zusammenhang

"Es gibt eine signifikante Beziehung zwischen der Verwendung von Facebook und schwachen Noten", sagt Aryn Karpinski, Autorin der Studie. Vor allem Undergraduates, also jüngere Studenten, zählten zu den Mitgliedern bei Facebook. Doch auch bei Studenten in höheren Semestern macht sich der Effekt bemerkbar: Die Netzwerker unter ihnen haben ebenfalls die schlechteren Noten, fanden Karpinski und ihr Kollege Adam Duberstein von der Ohio Dominican University heraus.

Die Studenten selbst sahen allerdings keinen direkten Zusammenhang zwischen ihrer Freizeitgestaltung und den Zensuren: Fast vier Fünftel der Befragten bestritten, dass ihr schlechter Notendurchschnitt etwas mit der Verwendung von Facebook zu tun habe.

Karpinski sagte dem Magazin "Time", aus der Studie lasse sich nicht unmittelbar ableiten, dass die schlechten Noten nur durch Facebook verursacht würden. "Vielleicht neigen Facebook-Nutzer einfach mehr zu Prokrastination und lassen sich leichter ablenken." Es sei durchaus möglich, dass andere Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmale sowohl die akademischen Leistungen als auch die Nutzung von Facebook beeinflussen. "Wenn es Facebook nicht gäbe, würden diese Studenten vermutlich andere Wege finden, um das Studieren zu vermeiden", so Karpinksi.

Facebook-User: "Wie kleine Kinder"

Die Facebook-Mitglieder lernen im Durchschnitt lediglich eine bis fünf Stunden pro Woche, fanden die Forscher heraus. Nicht-User nehmen sich dagegen jede Woche 11 bis 15 Stunden Zeit, um für ihr Studium zu lernen. Statt einer Vorlesung zu folgen, würden Studenten mit Facebook-Account das Netzwerk via Laptop nutzen, um Nachrichten zu verschicken und zu Freunden Kontakt zu halten.

Überrascht waren die Forscher von den Ergebnissen ihrer Studie indes nicht. Bereits in der Vergangenheit hatten Forschungsergebnisse Social Communitys wie Facebook ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

So fand die Oxforder Neurowissenschaftlerin Susan Greenfeld im Februar heraus, dass Personen, die viel Zeit in Online-Netzwerken verbringen, Probleme haben, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Facebook und Co. seien darauf angelegt, ihren Nutzern ständig kurze Erfolgserlebnisse zu bieten. User würden daher "wie kleine Kinder" eine schnelle Belohnung ihrer Anstrengungen erwarten.

Auch in Deutschland verbringen Studenten oft mehrere Stunden täglich im Internet, wie eine Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) und des Multimedia-Kontors Hamburg zeigte. Internet-Abstinenzler gibt es kaum, die meisten surfen täglich um die drei Stunden - und jeder Hundertste ist sogar zehn Stunden pro Tag online.

Dabei steuern Studenten besonders regelmäßig Wikipedia an, aber bei ihrer Online-Zeit geht es keineswegs in erster Linie um das Studium. Ein Großteil geht für die Kontaktpflege in Netzwerken wie StudiVZ, Facebook, MySpace oder Xing drauf.

Die Doktorandin Aryn Karpinski hat selbst keinen Facebook-Account; ihr Hochschulexamen hat sie mit der US-Note 3,8 bestanden - also ausgesprochen gut. Ihr Co-Autor Adam Duberstein ist Mitglied in der Facebook-Community und hat dort 25 Freunde.

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