Prototyp des deutschen Unipräsidenten Hochschulchefs sind 59, weiß und männlich

Vielfalt? Fehlanzeige: Unter den Leitern an staatlichen Unis sind nur wenige Frauen, kaum Migranten und keine Ostdeutschen. Zwei Unistandorte erweisen sich als Schmiede für das Führungspersonal.

Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg, entspricht dem Prototypen des Unichefs: 59, männlich, westdeutsch
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Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg, entspricht dem Prototypen des Unichefs: 59, männlich, westdeutsch


Der typische Leiter einer deutschen Universität ist männlich, 59 Jahre alt und in Westdeutschland geboren. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) am Donnerstag in Gütersloh veröffentlicht hat.

Für das Ergebnis hat die Autorin Isabel Roessler die im Internet veröffentlichten Lebensläufe des Topführungspersonals aller 81 öffentlich-rechtlichen Universitäten ausgewertet. Dabei zeigt das Ergebnis ein starkes regionales Gefälle.

  • 95 Prozent der Unichefs kommen aus Deutschland. Nur vier geben mit Schweden, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden einen Geburtsort im Ausland an.
  • Keine der Führungskräfte wurde in Ostdeutschland geboren. Der einzige gebürtige Berliner kam noch zu DDR-Zeiten in West-Berlin zur Welt.

"Es ist nur eine Momentaufnahme - aber 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist eine Universitätslandschaft ohne Topführungskräfte mit ostdeutschen Wurzeln schon bemerkenswert", urteilt CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. "Bei den studentischen Bildungsbiografien ist die Vielfalt auf dem Campus angekommen, warum nicht auch mehr Vielfalt in den Führungspositionen?", sagt Ziegele.



Dagegen stammt rund ein Drittel aus Nordrhein-Westfalen. Abgesehen vom Saarland sind alle westdeutschen Bundesländer zumindest als Geburtsort für wenigstens einen amtierenden Präsidenten beziehungsweise Rektoren vertreten. 64 Prozent hören auf die Anrede Präsident oder Präsidentin, die anderen werden als Rektor oder Rektorin bezeichnet.

Nur 25 Prozent Frauen

Bei den Geschlechtern gibt es allerdings ein einseitiges Bild. 75 Prozent der Universitäten werden von Männern geleitet. Und vor dem Jahr 2018 sah diese Statistik aus Sicht der Frauen noch schlechter aus. Denn im vergangenen Jahr ist jede vierte derzeit amtierende Unipräsidentin oder -Rektorin neu ins Amt gekommen.

Bei den Frauen liegt das Durchschnittsalter mit 57,8 Jahren leicht unter dem der Männer. Nur fünf Präsidenten sind unter 50. Der jüngste von ihnen ist 43 und leitet die TU Chemnitz.

Mainz und München stechen hervor

Positiv sieht Autorin Roessler die Ausbildungswege der Führungskräfte. Nicht nur Juristen seien unter den Topleuten, sondern auch Sportwissenschaftler und ehemalige Lehramtsstudenten. Auch Natur- und Geisteswissenschaften sind gut vertreten.

Allerdings sticht eine Uni hervor: Besonders häufig haben die Führungskräfte ihre Hochschulkarriere in Mainz begonnen. Acht Leitungen nahmen da ihr Studium auf, gefolgt von Göttingen mit fünf. Werden Hochschulwechsel mit berücksichtigt, hat München der Auswertung zufolge die größte Anziehungskraft. Neun Hochschulleitungen haben dort im Laufe ihres Studiums Zeit verbracht.

sun/dpa

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