Studenten Wer hat die größte Chance auf ein Stipendium?

Geld fürs Studium ohne zu jobben oder die Eltern anzupumpen - das bietet ein Stipendium. Zehntausende Schüler und Studenten bewerben sich jedes Jahr auf so eine Förderung. Wer sie tatsächlich bekommt, zeigt nun eine Studie.

Hörsaal der Universität Heidelberg (Symbolbild)
DPA

Hörsaal der Universität Heidelberg (Symbolbild)


Männer haben etwas größere Chancen auf ein Stipendium als Frauen - trotz schlechterer Noten. Das hat eine Studie der Initiative für transparente Studienförderung (ItS) und der Stiftung Mercator ergeben, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Dazu befragten die Forscher über eine Online-Plattform deutschlandweit knapp 28.000 Abiturienten und Studenten.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Geschlecht: Von 100 Stipendiaten sind 52 Männer und 48 Frauen. Von den männlichen Studenten, die sich um ein Stipendium bewerben, erhalten knapp 37 Prozent eine Zusage. Von den weiblichen Studenten sind es rund 35 Prozent. Dabei hatten die Männer mit 2,05 einen leicht schlechteren Notenschnitt als die Frauen mit 1,91.

Bildungsgrad: Die Forscher untersuchten außerdem den familiären Hintergrund der Stipendiaten. In der Gruppe der Studenten mit einer "hohen Bildungsherkunft", also etwa aus Akademikerfamilien, bekommt demnach rund jeder vierte Student ein Stipendium. Bei Studenten mit einer "niedrigen Bildungsherkunft" ist es jeder fünfte.

Migrationshintergrund: Bei Studenten, die einen Migrationshintergrund haben, liegt der Anteil der Stipendiaten bei knapp 20 Prozent, bei Studenten ohne Migrationshintergrund bei 22,4 Prozent.

Die Forscher stellten damit insgesamt fest, dass männliche, deutsche Bewerber mit Akademikereltern etwas höhere Chancen auf ein Stipendium haben als andere. Den Zahlen zufolge sind die Unterschiede aber nicht eklatant.

Größere Chancen bei kleineren Stiftungen

Von allen Bewerbern, die sich um mindestens ein Stipendium beworben haben, bekommt mehr als jeder Dritte eine Zusage. Je nach Institution sind die Erfolgsaussichten aber verschieden: Wer sich bei einer kleineren Stiftung bewirbt, hat der Studie zufolge drei Mal so hohe Chancen ein Stipendium zu bekommen wie bei einem der größeren Begabtenförderungswerke.

Noch höher ist die Erfolgsquote bei der Bewerbung um ein Auslandsstipendium, heißt es in dem Bericht. So erhält mehr als die Hälfte aller Studenten, die sich bei Erasmus beworben haben, die Förderung. Beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) sind es knapp 40 Prozent.

Hier findet fast jeder Student sein Stipendium

Für die Studie hatte die ItS deutschlandweit insgesamt 2.463 Abiturienten und 25.121 Studenten im Alter von 18 bis 32 Jahren über Online-Fragebögen befragt, die sich seit 2014 auf der Plattform mystipendium.de registriert hatten. Die Untersuchung war in dem Sinne nicht repräsentativ, weil sich generell an Stipendien interessierte Menschen äußerten.

fok



insgesamt 13 Beiträge
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Dumme Fragen 13.10.2016
1. Auswahl empirisch belegt?
Ich frage mich, ob es zwischen der aktuellen Förderpraxis und einer nach Losverfahren (alle Studenten haben die gleiche Chance) einen signifikanten Unterschied hinsichtlich der zukünftigen "Nützlichkeit" für die Stipendiengewährer gibt? Man könnze z.B. mal den Werdegang von 20000 überaus "Nützlichen" untersuchen und mit den aktuellen Auswahlkriterien für Stipendiaten vergleichen. Meine Hypothese: die Auswahlkriterien haben keinen signifikanten Einfluss. Wer kann das widerlegen?
mega42 14.10.2016
2. Prozentrechnen
Zitat:"Von 100 Stipendiaten sind 52 Männer und 48 Frauen. Von den männlichen Studenten, die sich um ein Stipendium bewerben, erhalten knapp 37 Prozent eine Zusage. Von den weiblichen Studenten sind es rund 35 Prozent." Bitte lernen Sie prozentrechnen. Wenn 35% der Frauen und 37% der Männer ein Stipendium erhalten dann sind die Männer um 2% erfolgreicher. Das heisst aber nicht, dass deshalb 52% der Stipendiaten männlich sind.
pg13 14.10.2016
3. Ausgangssample
" Von 100 Stipendiaten sind 52 Männer und 48 Frauen." Das würde vielleicht stimmen, wenn an der Studie dieselbe Anzahl Frauen und Männer teilgenommen hätten, was aber nicht der Fall ist: "An der Erhebung nahmen insgesamt 10.179 männliche (38,4%) und 16.304 weibliche (61,6%) Abiturienten und Studierende teil." Auch bei einer minimal höheren Erfolgsrate der Männer (die sich aber auch minimal häufiger bewerben, die Zahlen sind fast gleich) ergibt sich daraus eine wesentlich höhere Zahl weiblicher Stipendiaten, das Verhältnis ist nahezu identisch, korrekt wäre also "" Von 100 Stipendiaten sind 40 Männer und 60 Frauen." Entweder ich habe in der Studie etwas überlesen (die zitierten Zahlen stammen aber wohl vom Autor des Artikels) oder das sollte korrigiert werden.
forenuser 14.10.2016
4.
Zitat von mega42Zitat:"Von 100 Stipendiaten sind 52 Männer und 48 Frauen. Von den männlichen Studenten, die sich um ein Stipendium bewerben, erhalten knapp 37 Prozent eine Zusage. Von den weiblichen Studenten sind es rund 35 Prozent." Bitte lernen Sie prozentrechnen. Wenn 35% der Frauen und 37% der Männer ein Stipendium erhalten dann sind die Männer um 2% erfolgreicher. Das heisst aber nicht, dass deshalb 52% der Stipendiaten männlich sind.
Sie haben da wohl ein Verstaendnisproblem. Die Aufteilung der Stipendien sieht im gesamten 52:48 aus. Von den maennlichen BEWERBERN bekommen 37% ein Stipendium, von den BEWERBERINNEN 35%. Ich sehe nicht wo sich das beisst.
Kerze der Freiheit 14.10.2016
5.
Wenn man mal das mit 200 Personen modelliert mit 100 Männern und 100 Frauen, wobei dann 37 Männer und 35 Frauen ein Stipendium erhalten, dann ist der Männeranteil 37 : (37 + 35) = 51,388888% und der Frauenanteil 35 : (37 + 35) = 48,611111%.
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