Studentenbefragung An Elite-Unis studiert sich's nicht besser

An Unis, die Millionen für die Forschung bekommen, profitiert auch die Lehre. Das sagen zumindest Befürworter der Exzellenzinitiative. Eine Studie räumt mit dem Argument nun auf: Studenten an Elite-Unis sind nicht automatisch zufriedener.

Vorlesung in Düsseldorf: Auch an Elite-Unis gibt es solche vollen Hörsäle
DPA

Vorlesung in Düsseldorf: Auch an Elite-Unis gibt es solche vollen Hörsäle


Viele Millionen Euro haben Bund und Länder in den letzten Jahren über neun Universitäten ausgeschüttet, um sie an die Spitze der deutschen Hochschulen zu heben. Das Geld aus der Exzellenzinitiative kam der Forschung zugute - die Lehre blieb bisher außen vor. Befürworter versicherten: Von der Förderung profitieren indirekt auch die Studenten. Exzellenz in der Forschung strahle auf die Lehre ab, etwa weil sich eine Elite-Uni mehr wissenschaftliche Mitarbeiter leisten könne.

Tatsächlich haben die Studenten jedoch wenig vom Elitestatus ihrer Universität. Zu diesem Schluss kommt Isabel Roessler vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Seit Jahren befragt das CHE Studenten regelmäßig zu ihrer Studiensituation. Roessler entdeckte dabei keine Anhaltspunkte, dass die Exzellenzinitiative die Lehre automatisch verbessert. Belege dafür, dass sich die Lehre automatisch verschlechtert, weil Wissenschaftler der geförderten Unis ihre Studenten vernachlässigen, fand sie ebenso wenig.

"Es kann weder von einer generellen Verschlechterung in der Lehre, bzw. bei den Studienbedingungen, noch von einer positiven Beeinflussung durch die Exzellenzinitiative aus Sicht der Studierenden gesprochen werden", schreibt Roessler in ihrem Arbeitspapier. Tendenzen könnten lediglich für einzelne Fächer aufgezeigt werden.

Studienautorin Roessler: Exzellenz nicht nur an der Forschung festmachen

Das CHE untersucht alle drei Jahre einzelne Fächer im Rahmen seines Hochschul-Rankings. Dafür werden Studenten zu verschiedenen Aspekten ihres Studiums befragt. Roessler wertete die Daten für zwölf Fächern aus, darunter Biologie, Informatik, Medizin und Anglistik. Sie verglich darin die neun Elite-Unis - auf die fast 60 Prozent aller Exzellenz-Fördermittel entfielen - mit den anderen Universitäten im Ranking des CHE. Die Studie teilt sich in vier Bereiche auf: die allgemeine Studiensituation, die Betreuung, die Studierbarkeit, das heißt die Studienorganisation, und das Lehrangebot.

In den Fächern Anglistik, Germanistik, Biologie, Mathematik und Humanmedizin waren die befragten Studenten mit den Elite-Unis zufriedener als mit den anderen Hochschulen, wenn es um die Studiensituation insgesamt ging. In Chemie, Physik, Geowissenschaften, Informatik, Zahnmedizin und Psychologie schnitten die Elite-Unis hingegen schlechter ab.

Stellt man die Daten aus der Befragung drei Jahre zuvor daneben, ergibt sich ein etwas anderes Bild: Nur in Mathematik stieg die Zahl der Studenten an Elite-Unis, die mit der Studiensituation überdurchschnittlich zufrieden waren. Die Nicht-Exzellenz-Unis konnten hingegen in drei Fächern zufriedenere Studenten vorweisen. In sechs Fächern gaben die Studenten den Elite-Unis sogar schlechtere Noten als in der Befragung zuvor. Für die drei anderen Indikatoren des CHE waren die Ergebnisse ähnlich durchwachsen.

Roessler begrüßte, dass die Lehre in der dritten Runde des Exzellenzwettbewerbs erstmals berücksichtigt wurde: Die Entwicklung zeige, dass man Exzellenz "nicht nur an der Forschung festmachen sollte".

son

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hjm 14.06.2012
1.
Zitat von sysopDPAAn Unis, die Millionen für die Forschung bekommen, profitiert auch die Lehre. Das sagen zumindest Befürworter der Exzellenzinitiative. Eine Studie räumt mit dem Argument nun auf: Studenten an Elite-Unis sind nicht automatisch zufriedener. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,838900,00.html
Warum sollen Studenten „zufrieden“ sein? Viele Angestellte sind an ihrem Arbeitsplatz auch nicht zufrieden. Und die Uni soll auf das Arbeitsleben vorbereiten. Außerdem kann man an einer „Elite-Uni“ erwarten, dass die Studenten ihr „Elite-Zeugnis“ nicht geschenkt bekommen. Da kann man doch wenigstens ein bisschen Unzufriedenheit verlangen. Stress und Mobbing zu ertragen, wie es einer echten Berufsvorbereitung angemessen wäre, ist bei den verweichlichten Jungakademikern ja schon zu viel verlangt.
Personalberater 15.06.2012
2.
Die sogenannten Elite-Unis in Deutschland sind in Wahrheit Massen-Universitäten. Und Masse verträgt sich nicht mit Elite. Weder können diese "Elite-Unis" Nobelpreisträger vorweisen (Spitzenforschung), noch sind diese für Ihren Wissenschaftstransfer bekannt (Quelle zahlreicher erfolgreicher Unternehmensgründungen). Von der Qualität der Ausbildung (siehe Studentenproteste) ganz zu schweigen. Ich habe an einer Elite-Uni (FU Berlin) promoviert (ohne selbst ein Top-Talent zu sein). Eine Elite habe ich dort nicht gesehen .... Masse, statt Klasse. Aber in unserer Hauptstadt muss es ja schließlich eine Elite-Uni geben...
suane 15.06.2012
3. Falsche Fragestellung
Ohne jetzt für/gegen diesen Elitewettbewerb zu sein: Interessanter/wichtigfer wäre es zu erfahren ob die Studenten besser sind odder nicht. Es geht ja nicht direkt darum Studenten glücklicher zu machen sondern Ihnen eine bessere Ausbildung/Forschung zu gewährleisten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.