Studentenumfrage zur Studienbelastung Uns ist das alles ein bisschen viel

Viele Prüfungen, vollgepackte Stundenpläne, wenig Geld: Deutsche Studenten finden das Studium in Zeiten von Bachelor und Master zu anstrengend. Das zeigt eine neue Online-Umfrage.

Studenten in Hildesheim (Archiv): Ganz schön voll hier
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Studenten in Hildesheim (Archiv): Ganz schön voll hier


Sie wurde verdammt und bejubelt, kritisiert und beworben: Vor 15 Jahren unterzeichneten Bildungsminister aus 29 europäischen Staaten die Bologna-Erklärung und vereinbarten eine Studienreform, die das Hochschulwesen umkrempelte. Im Studium sollte es schneller, strukturierter und internationaler zugehen, das gehörte zu den Zielen.

Jetzt diskutieren Studentenvertreter zwei Tage lang die Reformen und ihre Umsetzung in Deutschland. Organisiert vom "Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften" (fzs) treffen sie sich in Bonn und ziehen Bilanz. Um einen Eindruck von der Stimmung unter Studenten zu bekommen, haben sie vorher eine Online-Umfrage durchgeführt, bei der nach fzs-Angaben 3300 Studenten mitgemacht haben.

Die meisten Umfrage-Teilnehmer streben den Bachelor an, und zwar an einer Universität, fast alle in Vollzeit. Mehr als die Hälfte gibt an, dass die Abiturnote mit ausschlaggebend war, um den Studienplatz zu bekommen. Aus den ersten Angaben ist einiges an Unzufriedenheit herauszulesen (hier als pdf), die aber in vielen Punkten nicht allzu sehr überrascht:

  • Mehr als ein Drittel der Studenten, nämlich 37 Prozent, klagen über "eindeutig zu viele" Prüfungen pro Semester.
  • Das System der Creditpoints sieht jeder zweite befragte Student kritisch. Die vergebenen Leistungspunkte würden nicht den tatsächlich benötigten Arbeitsaufwand widerspiegeln, der für eine Lehrveranstaltung erbracht werden müsse.
  • Gut ein Viertel der befragten Studenten empfindet die Stundenpläne als unflexibel und hält die Vorschriftendichte für zu hoch.
  • Mehr als die Hälfte erwägt, an das Bachelor- noch ein Master-Studium anzuschließen, denn es hat sich herumgesprochen, dass die Berufsaussichten dann deutlich steigen.
  • Gut die Hälfte derjenigen, die auf einen Master verzichten, geben dafür finanzielle Gründe an - sie können sich das Weiterstudieren schlicht nicht leisten.

Dass es oft noch nicht rund läuft an den Hochschulen, ist nicht neu. Eine Übersicht über die drängendsten Bologna-Baustellen finden Sie unter anderem hier.


 

Geht es Ihnen finanziell besser oder schlechter als den anderen Studenten? Der Vergleichsrechner verrät es:

Ihr Einkommen in Euro:

In welcher Gruppe Sie sind, sehen Sie hier:



Finanzierungsquellen von Studenten:




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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
gumbofroehn 01.08.2014
1. Auch wenn das Diplom heute gerne verklärt wird ...
... schnell und gut studieren, war auch schon zu Diplomzeiten ziemlich anstrengend. Freunde, Qualität kommt von Qual.
jal1988 01.08.2014
2.
Kein Wunder, dass die Studenten sich immer mehr beschweren, es werden auch immer mehr Leute zum Studium zugelassen, aber mehr Studenten bedeutet nicht gleichzeitig mehr qualifizierte Studenten. Wenn ich mit Freunden spreche, die an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiter tätig sind, dann höre ich immer absurdere Geschichten über Studenten, die mehr Zeit damit verbringen gerichtlich gegen Prüfungsformen vorzugehen als zu lernen, oder die einfach -sorry- vollkommen unqualifiziert sind. Mehr Selektion vorab und mehr Anreize eine Ausbildung zu starten wären m.E. ein Schritt in die richtige Richtung.
brunellot 01.08.2014
3. Kleinere Brötchen backen!
Wenn das Studium zu anstrengend ist, sollten die Herren und Damen Studenten vielleicht mal über die Alternativen nachdenken. Wie wäre es denn mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, zum Facharbeiter jeglicher Couleur, zur Krankenpflegefachkraft und dergleichen. Nicht jeder, der an der Uni studiert, hat auch das Zeug dazu, das Studium erfolgreich zu beenden - geschweige denn, den Anforderungen einer gehobenen Laufbahn gewachsen zu sein. Manchmal muss man dann halt auch kleinere Brötchen backen...
Mabi 01.08.2014
4.
Hm, kann es sein, dass hier, wie bei den 12 statt 13 Schuljahren, die Umstellung es allen rechtmachen sollte? Also, wir bilden Bachelor und Master aus, aber die sollen mit dem neuen Titel genau das können und geboten bekommen, wie ein Diplomand bisher? Sowas Halbgares kann ja nur schiefgehen. Ich habe einen Bachelor im Ausland gemacht und da hat keiner erwartet, dass man damit ein fertiger Arbeitnehmer ist, weswegen Firmen die Bachelorstudenten nochmal durch Trainee-Programme schicken, damit die den Arbeitsalltag praxistauglich "erlernen". Aber das zeugt von einem anderen System und anderen Erwartungen, auch wenn sich in beiden Fällen der Abschluss "Bachelor" nennt.
kuschl 01.08.2014
5. Politisch nicht durchdacht
Dieses Bildungswesen endet immer vor dem geistig/ideologischen Horizon der Bildungspolitiker, die leider durch undurchdachte populistische Schnellschüsse und auf der anderen, notwendigen Seite durch Nichtstun glänzen. Den mit mit viel Aufwand steigenden Abiturientenzahlen hat man im Bereich der Universitäten nicht Sorge getragen und auch die Wohninfrastruktur nicht verbessert. Die Unis prüfen zwangsläufig durch erschweren der Klausuren heraus, um auf eine verwertbare Anzahl von Studenten zu kommen. Ein unhaltbarer Zustand, der vielen Studierenden die Motivation nimmt. Was dabei bestürzt, daß Professoren und Dozenten sich vor diesen Karren spannen lassen.
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