Modefach Islamwissenschaften Darum studieren wir Allah

Afghanistan erkunden, Hassprediger erforschen, die Welt verbessern: Das frühere Nischenfach Islamwissenschaften liegt voll im Trend - auch wegen Terroranschlägen wie in Toulouse. Vier junge Menschen erzählen, warum sie den Studiengang gewählt haben und womit sie sich dabei beschäftigen.

dpa

Der Tag, an dem sich das Nischenfach zum Trend-Studiengang wandelte, lässt sich ziemlich genau bestimmen: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurden islamwissenschaftliche Institute von Studenten geradezu überrannt. An manchen Unis verdoppelte sich die Zahl der Studienanfänger gar. Wie real die Gefahr des islamistischen Terrors ist, wurde gerade erst wieder deutlich: bei den Attentaten von Toulouse und Montauban.

Anfangs sah der Boom bei den Islamwissenschaften wie ein vorübergehendes Phänomen aus - recht bald nach dem 11. September 2001 erlahmte das Interesse an dem Fach bei vielen wieder. Zumal es bei Islamwissenschaften in erster Linie nicht um den Dschihad geht, sondern um klassische Religions- und Schriftkunde. Dass man dafür Arabisch lernen muss, schreckte ebenfalls viele Studenten ab.

Doch seit einigen Jahren steigen die Studienanfängerzahlen in dem einstigen Orchideenfach erneut: Im Wintersemester 2010/11 schrieben sich laut Statistischem Bundesamt 390 Erstsemester für das Hauptfach Islamwissenschaften ein - vor zehn Jahren waren es gerade mal 180. Auch einzelne Dozenten berichten von erneut steigendem Interesse: Monika Gronke, Professorin an der Uni Köln, erzählt, für den Arabisch-Kurs im gerade auslaufenden Semester hatten sich fast 100 Teilnehmer angemeldet - Rekord! Sie freut sich darüber: "Im Moment schreibt ja fast jeder etwas über den Islam, ob berufen oder unberufen. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die sich wirklich damit auskennen."

Was aber sind die Gründe für junge Menschen, sich intensiv mit der Religion auseinanderzusetzen? Was treibt sie an? Was wollen sie erreichen? Der UniSPIEGEL hat drei Studenten und einen Doktoranden gefragt:

Ricarda Ameling

Die Idealistin: Ricarda Ameling, 21, studiert im ersten Semester an der FU Berlin "Geschichte und Kultur des Vorderen Orients" mit Schwerpunkt Islamwissenschaft.

"Ich wollte nach dem Abitur ins Ausland gehen und danach Medizin studieren. Also habe ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden, im 'Hopital Francais St. Louis' in Jerusalem. Ich kümmerte mich um Patienten, die unter anderem an Krebs, Aids und Multipler Sklerose leiden und deren Krankheit sehr weit fortgeschritten war. Ich habe die Grundpflege übernommen, das heißt: Ich habe sie gewaschen, ihnen zu essen gegeben und die Bettlägerigen alle drei Stunden umgelagert.

Im French Hospital liegen Muslime, Christen und Juden im selben Zimmer. Die Familien leiden alle darunter, dass sie bald einen geliebten Menschen verlieren werden. Zwar waren auch dort Spannungen zu spüren, aber alle sind respektvoll miteinander umgegangen. Die Arbeit lässt mich hoffen, dass ein friedliches Miteinander im Nahen Osten möglich ist, auch wenn viele die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung längst aufgegeben haben.

Wie stark die Zeit in Jerusalem meine Studienwahl beeinflusst hat, merke ich allerdings erst jetzt. Zurück in Deutschland studierte ich erst Medizin, brach dann aber ab. Der Nahe Osten ließ mich nicht los und ich wollte mehr darüber wissen. Nachdem ich noch mal vier Monate in Jerusalem war, habe ich mich für den Studiengang 'Geschichte und Kultur des Vorderen Orients' entschieden.

Mit Medizin hätte ich bessere Berufsaussichten gehabt, aber auch mit Islamwissenschaft sind sie, hoffe ich, nicht schlecht. Viele Menschen in Deutschland stammen aus arabischen Ländern. Deshalb ist es wichtig, dass es Leute gibt, die sich mit Religion, Sprache und Kultur auskennen. Es kommt auch sehr darauf an, ob man Praktika macht oder im Ausland war. Ich selbst will Journalistin werden und spezialisiere mich deshalb auf ein Thema. Am liebsten würde ich aus Israel oder Palästina berichten.

Ich hoffe, ich gehöre bald dazu - und kann ein bisschen beitragen zum friedlichen Zusammenleben."

Milot Mehmeti

Die Geschäftsfrau: Ann Cathrin Riedel, 24, studiert im fünften Semester "Geschichte und Kultur des Nahen Ostens" in Tübingen.

"Zwischen Abitur und Studium habe ich zwei Jahre lang gearbeitet: In einer Firma, die Laborgeräte herstellt, in der Exportabteilung betreute ich Kunden und erstellte Exportdokumente. Als ich 2007 dort anfing, verschickten wir viel in den arabischen Raum, vor allem nach Saudi Arabien. Viel Ware ging auch nach China - und viele meiner Kollegen haben Chinesisch gelernt.

Nur auf den Nahen Osten wollte sich niemand spezialisieren. Da dachte ich: Schlüpfe ich doch in eine Marktlücke und lerne Arabisch. Eigentlich wollte ich immer BWL studieren, aber dafür war mein Abitur nicht gut genug. Jetzt studiere ich 'Geschichte und Kultur des Vorderen Orients' im Hauptfach und BWL im Nebenfach. Für Geschichte habe ich mich sowieso immer interessiert, gerade für die Geschichte des Nahen Ostens. In der Schule habe ich nichts darüber gelernt. Ich wollte wissen: Was ist da überhaupt passiert?

In den Semesterferien war ich dann für zwei Monate bei einer Speditionsfirma in Kairo, hatte aber wenig Aufträge, auch wegen der Revolution und des Chaos. Für den Master werde ich wahrscheinlich die Uni wechseln. In Marburg gibt es einen Studiengang namens 'Politik und Wirtschaft im Nahen Osten', das deckt meine Interessen ab.

Vielleicht studieren jetzt mehr Leute Islamwissenschaft, weil in der Region politisch viel passiert, aber es bleibt trotzdem ein Nischenfach. Meine Kombination mit BWL ist selten. Ich habe aber Freunde, die ihre Fächer auch kombiniert haben: Eine Freundin studiert Islamwissenschaft zusammen mit Judaistik. Sie spricht unglaublich viele Sprachen, hat aber Zukunftsängste, weil sie nicht weiß, was sie nach dem Studium machen soll. Für mich ist klar: Ich will wieder in der Wirtschaft arbeiten und Karriere machen."

Michael Cross

Der Schriftgelehrte: Korbinian Much, 25, studiert im siebten Semester katholische Theologie in Tübingen. Gerade macht er ein Auslandsjahr in Belgien. Er belegt dort einen Arabischkurs und Seminare in Religionswissenschaften, zurück in Tübingen will er sich in Islamwissenschaft einschreiben.

"In Belgien sitzen viele Studenten arabischer Abstammung mit mir im Arabischkurs. Wir essen oft zusammen Mittag und dann reden wir über Religion. Theologie macht mir Spaß, ich habe mich aber zusätzlich für Islamwissenschaft entschieden, um meinen Horizont zu erweitern.

Arabisch lernen macht mir ebenfalls Spaß. Für mein Theologie-Studium musste ich Hebräisch lernen, deshalb weiß ich, dass es viel bringt, eine Sprache zu beherrschen. In der Bibel haben viele Namen eine Bedeutung, das ist im Arabischen ähnlich. Wichtig ist, dass ich bestimmte Wörter im Koran erkenne und dann weiß: Hier muss ich aufpassen, das kann die Übersetzung nicht wortgetreu wiedergeben. Das ist zwar wie mit Kanonen auf Spatzen schießen, die ganze Sprache zu lernen, um sie auf ein paar Wörter anzuwenden. Aber das ist wichtig.

Ich interessiere mich generell auch für extremistische Positionen. So gucke ich mir auch viele Videos von extremistischen Predigern auf YouTube an. Denen müsste man sagen: 'Ok, habt ihr euch mal gefragt, was die Gründe dafür sind, dass ihr so denkt und zu diesen Schlüssen kommt?' Mich damit auseinanderzusetzen, das macht mir Spaß, das finde ich spannend, das treibt mich an, Islamwissenschaft zu studieren.

Islamunterricht sollte auch an deutschen Schulen angeboten werden, damit muslimische Kinder an den Glauben herangeführt werden und ihren kulturellen Hintergrund nicht mit Religion gleichsetzen. Denn viele verwechseln beides. Es leben viele Muslime in Deutschland. Die Frage lautet doch nicht: Wie kann ich das verhindern? Sondern: Wie gehe ich damit um?"

Michael Rohschürmann

Der Abenteurer: Michael Rohschürmann, 34, schließt gerade seine Promotion in Islamwissenschaft an der Uni Mainz ab. Er ist Dozent am Institut für Orientkunde in Mainz und arbeitete für die GIZ in Afghanistan.

"Als Kind wolle ich immer Ägyptologie studieren, aber das ist jetzt mein Rentnerprojekt: Wenn ich im Ruhestand bin, hole ich das vielleicht nach. Auch für Religionen habe ich mich schon als Jugendlicher interessiert und bin so später auf die Islamwissenschaft gekommen.

Nach dem Abitur diente ich zwei Jahre als Zeitsoldat und absolvierte die Ausbildung zum Reserveoffizier bei der Deutschen Marine: Angefangen habe ich als Matrose und aktuell bin ich Kapitänleutnant der Reserve. Dann studierte ich Politikwissenschaft, Soziologie und Öffentliches Recht, machte den Abschluss und lernte nebenher Arabisch.

Erst dann bin ich bei der Islamwissenschaft gelandet. Ich wollte mich noch mal spezialisieren und habe überlegt, danach wieder bei der Bundeswehr einzusteigen, mich dann aber dagegen entschieden, da eher Generalisten als Spezialisten für die Offizierslaufbahn gesucht sind. In den letzten beiden Jahren habe ich meine Dissertation zum Thema islamische Martyrien fertiggestellt und hoffe, die letzten Prüfungen noch dieses Jahr abschließen zu können.

Einige Monate arbeitete ich als Berater für das Risiko-Management-Projekt der GIZ, also für die Entwicklungszusammenarbeit, in Afghanistan. Dieses Projekt analysiert die Sicherheitslage, gibt Gefahrenwarnungen heraus und berät die anderen GIZ-Projekte in Sicherheitsfragen.

Ich kann das einsetzen, was ich theoretisch gelernt habe. Ich pflege den Kontakt zu den Einheimischen, da muss ich Kultur, Sprache und Religion Afghanistans kennen. Im Wintersemester habe ich noch am Seminar für Orientkunde an der Uni Mainz unterrichtet."

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hierro 25.03.2012
1. Studium lohnt sich
Zitat von sysopMichael Rohschürmann Afghanistan erkunden, Hassprediger erforschen, die Welt verbessern: Das frühere Nischenfach Islamwissenschaften liegt voll im Trend - auch wegen Terroranschlägen wie in Toulouse. Vier junge Menschen erzählen, warum sie den Studiengang gewählt haben und womit sie sich dabei beschäftigen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,798962,00.html
Es ist allerhöchste Zeit, dass sich auch in Deutschland Studenten den Islamwissenschaften widmen. Fundierte Kenntnis wird hier dringend gebraucht, damit die Pseudo-Religionslehrer und -Wissenschaftler, die in unser Land kommen, durch First-Class-Islamkenner ersetzt werden können. Eine fundierte Kenntnis des Islam käme vielen Bereichen zugute, vor allem auch der korrekten Aufklärung der Bevölkerung und den Medien in Deutschland, die oft "hahnebüchend" über den Islam berichten und Zusammenhänge mangels Kenntnis völlig falsch bewerten. Das Studium der Islamwissenschaften bietet den jungen Deutschen später auch einen idealen Zugang zu den islamischen Gesellschaftssystemen, vor allem auch dann, wenn sie in diesen Ländern arbeiten wollen. Hier bietet sich für jene Migranten, die oft auch die arabische Sprache beherrschen, ein breites Einsatzgebiet. Das sollte gerade bei den Migranten-Jugendlichen in Deutschland gefördert werden.
mrex 25.03.2012
2. ...
was ich mich beim Lesen ihres "Beitrages" gefragt habe: stellen sie nur das Studium der Islamwissenschaften oder grundsätzlich das Studieren in Frage? Oder sind sie einfach nur, naja lassen wir das... Wenn man mal die Gegenfrage stellt: was kann oder weiß man denn, was man vorher nicht wusste, wenn man BWL, Medizin, Biologie, usw studiert? Da ich weder Anatomie im Kindergarten, noch Finanzierung in der Grundschule oder den Koran in der Oberstufe durchgenommen habe (achja Arabisch gehört leider auch nicht zu meiner Allgemein(grund)ausbildung) denke ich, dass ein Studium zur Spezialisierung sehr sinnvoll sein kann. Sie sollten also bedenken, dass nicht alle Menschen so allwissend sind wie sie ;) Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, dass sie der Auffassung sind , dass Muslime, die von irgendwoher wo es warm ist stammen, seltsame Ansichten haben und sich immer in die Luft sprengen eh nicht zu verstehen sind. In diesem Fall könnte ich ihnen ein Gespräch mit einem Islamwissenschaftler empfehlen, der ihnen das alles nochmal genau erklärt.
werauchimmer 25.03.2012
3. Arabisch ist das Studienziel?
Zitat von mrexwas ich mich beim Lesen ihres "Beitrages" gefragt habe: stellen sie nur das Studium der Islamwissenschaften oder grundsätzlich das Studieren in Frage? Oder sind sie einfach nur, naja lassen wir das... Wenn man mal die Gegenfrage stellt: was kann oder weiß man denn, was man vorher nicht wusste, wenn man BWL, Medizin, Biologie, usw studiert? Da ich weder Anatomie im Kindergarten, noch Finanzierung in der Grundschule oder den Koran in der Oberstufe durchgenommen habe (achja Arabisch gehört leider auch nicht zu meiner Allgemein(grund)ausbildung) denke ich, dass ein Studium zur Spezialisierung sehr sinnvoll sein kann. Sie sollten also bedenken, dass nicht alle Menschen so allwissend sind wie sie ;) Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, dass sie der Auffassung sind , dass Muslime, die von irgendwoher wo es warm ist stammen, seltsame Ansichten haben und sich immer in die Luft sprengen eh nicht zu verstehen sind. In diesem Fall könnte ich ihnen ein Gespräch mit einem Islamwissenschaftler empfehlen, der ihnen das alles nochmal genau erklärt.
Auch Sie setzen ja das Wort "Beitrag" in ironisierende Anführungszeichen. Aber meine Frage beantworten Sie nicht. Wenn ich BWL studiere, kann ich hinterher zumindest Buchhaltung, Medizin hilft mir beim Krankheiten heilen und Biologie ist entstanden aus den praktischen Fragen der Landwirtschaft. Dass Arabisch wie jede Fremdsprache nützlich ist habe ich nicht in Frage gestellt (warum tun Sie denn so, als hätte ich das?). Nur eben "Islamwissenschaften" - die ja eben kein Fremdsprachenstudium sind, sondern ein solches wohl voraussetzen, sind mir wirklich und ohne Arg unverständlich, sowohl was Inhalt als auch Ziele betrifft. Kann man das hier nicht fragen, ohne zensiert zu werden?
andynm 25.03.2012
4.
Zitat von werauchimmerAuch Sie setzen ja das Wort "Beitrag" in ironisierende Anführungszeichen. Aber meine Frage beantworten Sie nicht. Wenn ich BWL studiere, kann ich hinterher zumindest Buchhaltung, Medizin hilft mir beim Krankheiten heilen und Biologie ist entstanden aus den praktischen Fragen der Landwirtschaft. Dass Arabisch wie jede Fremdsprache nützlich ist habe ich nicht in Frage gestellt (warum tun Sie denn so, als hätte ich das?). Nur eben "Islamwissenschaften" - die ja eben kein Fremdsprachenstudium sind, sondern ein solches wohl voraussetzen, sind mir wirklich und ohne Arg unverständlich, sowohl was Inhalt als auch Ziele betrifft. Kann man das hier nicht fragen, ohne zensiert zu werden?
Es reicht nicht aus, Wikipedia-Artikel zu lesen oder irgendwelche meiste einseitigen Websites zu besuchen, um den Islam als Religion und Kultur zu verstehen. Neben Sprachkenntnissen und einer Analyse des Koran kommen da regionale und konfessionelle Unterschiede, verschiedenen weitere kulturelle Traditionen und eine umfassende historische Bildung hinzu (und sicher noch anderes). Das können dann Islamwissenschaftler (zumindest geplant).
michel_derner@live.de 25.03.2012
5.
Zitat von werauchimmerAuch Sie setzen ja das Wort "Beitrag" in ironisierende Anführungszeichen. Aber meine Frage beantworten Sie nicht. Wenn ich BWL studiere, kann ich hinterher zumindest Buchhaltung, Medizin hilft mir beim Krankheiten heilen und Biologie ist entstanden aus den praktischen Fragen der Landwirtschaft. Dass Arabisch wie jede Fremdsprache nützlich ist habe ich nicht in Frage gestellt (warum tun Sie denn so, als hätte ich das?). Nur eben "Islamwissenschaften" - die ja eben kein Fremdsprachenstudium sind, sondern ein solches wohl voraussetzen, sind mir wirklich und ohne Arg unverständlich, sowohl was Inhalt als auch Ziele betrifft. Kann man das hier nicht fragen, ohne zensiert zu werden?
Ihre Grundannahme, Arabisch werde vorausgesetzt - zugegeben, der Eindruck konnte beim Lesen des Artikels enstehen - ist falsch. Sie bekommen Arabisch in Bachelorstudium in sechs Semestern oder, wie das in zumindest in Köln möglich ist, in zwei Semestern beigebracht. Zusätzlich müssen Sie in Köln noch eine "zweite" Sprache nehmen, zur Auswahl stehen dort momentan Persisch und Indonesisch. "Zweite" in Anführungszeichen, weil man diese Sprachen auch als Hauptsprache wählen und also sechs Semester studieren kann und dafür Arabisch nur zwei Semester lang. Wie Sie vielleicht bereits merken, kommt dem Spracherwerb viel Platz zu. Ansonsten lernt der Studierende, wie die Entwicklung der Araber und Muslime waren (und sind), bei der Zeit vor Mohammed ansetzend. Dabei wird beispielsweise im Fach "Sprachen und Kulturen der islamischen Welt" ein Kulturraum abgedeckt, der sich von Nordafrika über die Levante und die arabische Halbinsel, Zentralasien (bspw. Iran, Pakistan) bis hin zu islamischen Ländern im ferneren Asien (bspw. Indonesien). Das Studium versteht sich sicher als Grundlagenstudium, das den Studierenden befähigen soll, sich differenziert mit Muslimen und ihrer Welt - hahaha, das klingt - auseinanderzusetzen. So weiß man besser als der gemeine Bürger, wie er die Entwicklungen in Iran zu verstehen hat oder beispielsweise auch, dass Journalisten oft nur unzureichend informiert sind oder dem Bürger, weil er zu stark vereinfachen will, Fehlinformationen zu lesen gibt. Einsatzbereiche gibt es für einen Islamwissenschaftler, der übrigens nicht islamische Theologie lernt, genügend, man muss nur findig sein. So kann er beratend in der Politik tätig sein und die Integration in Deutschland und Europa lebender Muslime vorantreiben oder auch für Austausch zwischen den Menschen sorgen, indem man ihnen Ängste und falsche Vorurteile nehmen kann. Glauben Sie mir, das wollen sie jemanden überlassen, der weiß, wovon er spricht. Und natürlich gibt es auch Islamwissenschaftler, die in die Terrorabwehr gehen - weil auch Klischees bedient werden wollen ;) Grundsätzlich würde ich mir aber an Ihrer Stelle einmal die Frage stellen, wie Ihr Verhältnis zu den Geisteswissenschaften ist. Meinen Sie ernsthaft, es ginge der Gesellschaft besser, wenn diese nicht mehr gelehrt und studiert würden?
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