Gebührenstreit in Regensburg Wofür zahlen wir eigentlich?

Laptops für Dozenten, Lautsprecher für den Hörsaal, längere Öffnungszeiten der Bibliothek: Darf das mit Studentengeld bezahlt werden? Nein, finden Regensburger Studenten und werfen ihrer Hochschule vor, Studiengebühren falsch auszugeben. Die Uni-Leitung weist das zurück.

Auslaufmodell Studiengebühren: Wohin mit dem Geld?
Corbis

Auslaufmodell Studiengebühren: Wohin mit dem Geld?


Es klingt drastisch, was die Studentenvertreter in Regensburg ihrer Uni-Leitung vorwerfen: "Undemokratisch und unrechtmäßig" werde Geld ausgegeben, das der Hochschule aus Studiengebühren zufließt. So würden etwa Macbooks für Dozenten gekauft, Ausstattung für die Hörsäle angeschafft und die Öffnungszeiten der Bibliothek verlängert. All das, so die Argumentation, verbessere nicht unmittelbar die Studienbedingungen, dürfe also auch nicht mit Gebührengeld finanziert werden. Außerdem gehöre es eh zu den Aufgaben der Hochschule, für solche Dinge aufzukommen.

Es ist ein Streit, der immer wieder aufflammt, wenn es um das Bezahlstudium geht. Als das Bundesverfassungsgericht 2005 das allgemeine Gebührenverbot kippte, gab es heftigen Widerstand: Zehntausende Studenten gingen auf die Straße, besetzten Büros und Hörsäle, Professoren verabschiedeten Resolutionen. Die Hochschulpolitiker gaben unter dem Druck der Proteste das Versprechen ab: Wir verbessern mit dem Geld nur die Lehre. Doch was das genau bedeutet, legten sie nicht fest. Auch auf Kontrollen verzichten sie weitgehend. So sind Grauzonen entstanden, über die Gebührengegner und -befürworter immer wieder aneinandergeraten. Zum Teil gaben die Hochschulen das Geld nur zögerlich aus und häuften Millionen an, statt damit die Lehre zu verbessern.

Mittlerweile sind die Gebühren in fast allen Bundesländern wieder abgeschafft, nur in Niedersachsen und Bayern müssen die Studenten noch 500 Euro pro Semester zahlen. In Bayern allerdings entscheidet bald das Verfassungsgericht über ein Volksbegehren, das sich gegen das Bezahlstudium richtet. So dürfte der Zeitpunkt nicht ganz zufällig sein, den die Regensburger Studenten für ihre Kritik gewählt haben.

Es sei kein Geld unrechtmäßig ausgegeben worden, sagte ein Sprecher

Studentenvertreter Stefan Christoph zufolge werde das Geld nicht nur für die falschen Dinge ausgegeben, die Uni-Leitung setze sich auch immer wieder über das Votum der zuständigen Gebührenkommission hinweg. In diesem Gremium sitzen je fünf Uni-Mitarbeiter und Studenten, es stimmt über jeden Vorschlag ab - allerdings ist die Abstimmung für die Uni-Leitung nicht bindend. Die Gebührenkommission hat eher beratende Funktion, sie legitimiert die Ausgaben gewissermaßen.

Die Uni habe aber 115.000 Euro aus Gebühren für Dinge verwendet, gegen die die Kommission geschlossen gestimmt habe, so die Studenten. Weitere 3 Millionen Euro seien bei einem Stimmengleichstand ausgegeben worden.

Die Hochschulleitung widerspricht der Darstellung der Studenten. Gegen das Votum der Gebührenkommission habe man sich nur in Einzelfällen und "unter Auflagen" entschieden, sagte ein Sprecher. Zu den Auflagen wollte er keine genaueren Angaben machen. Es handele sich aber um geringere Beträge, als die Studenten angeben.

Auch was die Ausgaben betrifft, hat die Uni-Leitung eine andere Position als die Studenten: Sowohl Dozenten-Laptops als auch Hörsaal-Ausstattung und Öffnungszeiten der Bibliothek verbesserten die Studienbedingungen. Es sei kein Geld unrechtmäßig ausgegeben worden, sagte ein Sprecher.

In der grundsätzlichen Frage, ob Studiengebühren sinnvoll sind, hatte sich zuletzt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zu Wort gemeldet und für deren Erhalt geworben:"Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Studiengebühren die Angebote für Studierende verbessern", sagte sie der "Rheinischen Post".

Was regt euch auf?
  • Corbis
    An deiner Uni müssen Sportstudenten ihre Basketbälle selbst mitbringen? Leihbücher verstauben unter dem Vermerk "bis 2031 ausgeliehen" bei Professoren im Büro anstatt in der Bibliothek zu stehen? Ein Dozent verteilt die immergleiche Note, ohne die Arbeiten richtig gelesen zu haben? Der UniSPIEGEL sucht die größten Schildbürgerstreiche an deutschen Hochschulen: Skurrile Zustände und Regeln, die das Lehren und Lernen unnötig erschweren und trotzdem nicht geändert werden. Schickt eure absurden Aufreger bitte in Kurzform an uni-aufreger@spiegel.de

otr

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rolandjulius 23.08.2012
1. Vorbeugen ist besser als Heilen.
Sollte es keine einschlägigen Richtlinien zur Verwendung der Studiengebühren geben, so sollten sie umgehend abgeschafft werden, denn wie oben zugegeben, wurden sie nur manchmal zweck entfremdet. Was ist manchmal, und wie viel? Und entgegen den Stimmen der Studentenschaft? Das ist ganz offenbar Korruption was hier getrieben wird. Sollen die Studenten dies still hinnehmen, und vielleicht lernen wie man Gesetze umgehen kann? Eine Universität sollte in Fragen wie Ehrlichkeit, keinerlei Zweifel schüren; denn gerade diese Tugend erwarten wir von allen Bürgern.
onearmedscissor 23.08.2012
2. Das frage ich mich langsam auch
Ich habe an der Uni Regensburg studiert und kann dem guten Stefan nur zustimmen. Wir bezahlen fast 600 Euro Studiengebühren und kriegen nicht mal Arbeitsmaterialien umsonst. Die Reader, die man sich für ein Seminar verpflichtend kaufen muss, kosten dann nochmal zusätzlich bis zu 60 Euro. Und in Musik sitzen wir zum Teil hinter der Künstlergarderobe in so einer Art Besenkammer. Da möchte man einen präziseren Standpunkt hören als "Es sei kein Geld unrechtmäßig ausgegeben worden, sagte ein Sprecher." Wir wollen Antworten... und Tageslicht!
f_l 23.08.2012
3. verhaeltnis
Ich musste ja fast lachen, als ich Macbook zwischen den zeilen entdeckte. Soso, ein Dozent braucht also um seine Lehre zu verbessern ein Macbook. Ein hochwertiger Standardlaptop von Dell fuer ca. die Haelfte kam da nicht in Frage? Ich kann den Aerger der Regensburger Studenten verstehen.
cs70 23.08.2012
4. typisch deutsche studenten
geht mal ins ausland und schaut mal, was dort los ist. da lebt ihr hier alle im paradies. das studium müsste eigentlich 5 mal so teuer sein!
Zorpheus 23.08.2012
5.
Zitat von onearmedscissorIch habe an der Uni Regensburg studiert und kann dem guten Stefan nur zustimmen. Wir bezahlen fast 600 Euro Studiengebühren und kriegen nicht mal Arbeitsmaterialien umsonst. Die Reader, die man sich für ein Seminar verpflichtend kaufen muss, kosten dann nochmal zusätzlich bis zu 60 Euro. Und in Musik sitzen wir zum Teil hinter der Künstlergarderobe in so einer Art Besenkammer. Da möchte man einen präziseren Standpunkt hören als "Es sei kein Geld unrechtmäßig ausgegeben worden, sagte ein Sprecher." Wir wollen Antworten... und Tageslicht!
Mir stellt sich nach dem Lesen des Artikels die Frage, wofür die Studentenvertreter nun eigentlich das Geld ausgeben wollen, weil das Genannte nun mal Sachen sind, die wirklich das Studium verbessern. Wenn man das Geld für Arbeitsmaterialien ausgibt, die die Studenten sowieso bezahlen müssen, dann verbessert das das Studium genauso wenig, wie wenn man es für Sachen ausgibt, die die Uni schon vorher bezahlen musste. In beiden Fällen sind die Studiengebühren nur eine Art Umbuchung. Naja, die Gebühren wieder abzuschaffen ist eh das Beste.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.