Kredite fürs Studium Studenten häufen weniger Schulden an

Miete, Bücher, Party: Etwa 44.000 Studenten finanzieren ihr Studium mit einem Kredit. Doch Experten warnen vor unlauteren Angeboten.

Studenten in Heidelberg
DPA

Studenten in Heidelberg


Die Zahl der Studienkredite ist in den vergangenen drei Jahren um ein Viertel zurückgegangen. Im vergangenen Jahr wurden 44.000 Kredite für ein Studium neu abgeschlossen. Das geht aus dem aktuellen Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervor. 2014 waren es noch 60.000 Kredite.

"Größerer zeitlicher Spielraum, sich das Studium wieder per Nebenjob zu finanzieren, könnten Gründe für den Rückgang der Studienkredite sein - im Sinne von 'Kellnern statt Kredit'", sagte Ulrich Müller, der an der Studie beteiligt war. Die gute Nachricht sei, dass Studenten in Deutschland sich heute seltener verschuldeten.

Zudem kalkulierten die Studenten umsichtiger, so Müller. Dafür spreche das durchschnittlich beanspruchte Kreditvolumen. Beim Marktführer, dem KfW-Studienkredit erhielten die Studenten im Schnitt 527 Euro. Damit schöpften die meisten den maximalen Kreditrahmen von 650 Euro im Monat nicht einmal annähernd aus.

Auch die aktuelle Sozialerhebung des Studentenwerkes hatte gezeigt, dass sich die finanzielle Situation von Studenten im Vergleich zu 2012 verbessert hat. Im Schnitt hat jeder Studierende 918 Euro im Monat zur Verfügung, 76 Euro mehr als noch vier Jahren.

Auch die Zahl der Studenten, die während des Studiums jobben, hat sich im Vergleich zu 2012 um sechs Prozentpunkte auf 68 Prozent erhöht. Dennoch brauchen offenbar noch immer einige Studierende einen Studienkredit, um über die Runden zu kommen. Erst Ende Mai hatte das Studentenwerk kritisiert, der maximale Bafög-Satz von 735 Euro sei zu niedrig.

Wer einen Studienkredit beantragt, sollte vorher genau ausrechnen, wie viel Geld er benötigt, raten die Experten. Studenten sollten einen genauen Kostenplan aufstellen - mit den Ausgaben, die monatlich anfallen und den zu erwartenden Einnahmen, beispielsweise durch einen Nebenjob.

In der Untersuchung wurden 43 Angebote von Studienkrediten analysiert und nach den Kriterien Zugang, Kapazität, Kosten, Risikobegrenzung und Flexibilität beurteilt. Ein Ranking entstand daraus jedoch nicht.

Vorsicht bei Privatkrediten

Entscheidend für die Auswahl des richtigen Kredits seien der Zinssatz und die individuellen Bedürfnisse: Ist ein Auslandssemester geplant? Wie lange wird der Kredit benötigt? Jeder müsse deshalb selbst entscheiden, was für ihn wichtig und was verzichtbar ist.

Die Experten warnen jedoch vor Privatkrediten, die nur als "Studienkredit" beworben werden und deutlich schlechtere Konditionen bieten. Auch von direkten Krediten von Privatpersonen, wie Peer-to-Peer-Krediten oder Fundraising-Krediten, raten sie ab.

"Unter dem Label 'Studienkredit' wird hier zu teils horrenden Zinssätzen von über zehn Prozent ein Kredit gewährt", warnt Müller. Er rät Studenten, vor Abschluss des Kredits genau zu klären, wie hoch der Zinssatz ist und ab wann zurückgezahlt werden muss. Zudem würden echte Studienkredite nicht in einer Summe, sondern monatlich ausgezahlt.

koe/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.