Studienplatz-Resterampe startet Schwarzes Brett gegen das Vergabechaos

Ein neue Meldesystem soll dafür sorgen, dass weniger Studienplätze frei bleiben: Unter der Regie von HRK und ZVS heften die Unis ihre Restplätze auf ein schwarzes Brett im Internet - ein Großteil der Hochschulen ist dabei, doch die Organisatoren warnen vor falschen Hoffnungen.


Braun auf braun, ein gähnend leerer Hörsaal, steil ansteigende Sitzreihen aus hartem Holz: Mit dieser wenig einladenden Optik (siehe Fotostrecke) empfängt das neue Portal der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) seine Benutzer. Das Ziel ist, frei gebliebene Studienplätze zu vergeben, damit sich nicht wiederholt, was seit einigen Jahren die Regel ist: Zum Semesterstart im vergangen Wintersemester blieb zunächst ein Fünftel der Studienplätze in Deutschland ungenutzt - und musste in einem zähen Verfahren nachbesetzt werden.

Abhelfen soll der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), dessen Ziel es ist, frei gebliebene Studienplätze zu sammeln und auf einer zentralen Webseite anzuzeigen. Unter www.hochschulkompass.de/studienplatzboerse.html melden etwa 90 Prozent der deutschen Hochschulen ihre Studiengänge, in denen sie noch Plätze zu besetzen haben. Hier finden Schulabgänger knappe Informationen zu Studienvoraussetzungen an der jeweiligen Hochschule, die fälligen Gebühren und den Kontakt, unter dem sie sich bewerben können. Die Seite ist aber kein Vergabeportal. Wer eine Uni mit freien Plätzen in seinem Wunschfach findet, muss sich dort selbst melden und regulär um einen Platz bewerben.

Junge Leute die im Dunkeln tappen und auf Ergebnisse warten

Weil diese neue Funktion des HRK-Hochschulkompasses zusammen mit der ZVS entstanden ist, hat diese eine Seite eingerichtet. Sie wurde bei der ZVS selbst gestaltet, die fragwürdige Optik erklärt der Sprecher der ZVS, Bernhard Scheer so: "Ich fand das Bild mit dem leeren Hörsaal passend, weil es zeigt wie viele Plätze frei bleiben". Auch ein Foto, auf dem in einem düsteren Flur junge Menschen mit dem Rücken an der Wand sitzen oder stehend lehnen, erklärt Scheer mit einer gestalterischen Idee: "Das sind die jungen Leute, die auf das Ergebnis ihres Verfahrens warten."

Unfreiwillig oder nicht - in der Interpretation des Fotos durch Scheer steckt viel Wahrheit, denn die Lage der Bewerber ist seit mindestens 2008 desolat. Weil die Hochschulen die Studienplatzvergabe durch die Dortmunder Behörde ZVS ablehnten und lieber selbst und nach eigenen Kriterien aussuchen wollten, ist für die Bewerber derzeit völlig undurchsichtig, wie und wann die Plätze vergeben werden.

Weil die meisten Unis und Fachhochschulen ihr eigenes Süppchen kochen, wenden sich die verunsicherten Bewerber gleich an drei, vier oder mehr Hochschulen, in der Hoffnung, dass es bei einer schon klappen wird. Die Folge sind vermeintliche Überbuchungen und zum Semesterstart Mitte Oktober dann Leerstände besonders in den begehrtesten Fächern. Die Hochschulen sind zu Nachrückverfahren gezwungen, die manchmal bis in das Semester hinein dauern können.

ZVS dämpft die Erwartungen

Das neue HRK-Portal verspricht nun zumindest etwas Linderung, doch zum Start ist das Angebot noch recht beschränkt: 371 Studiengänge waren am Dienstag im Angebot, doch es sollten zum Start bereits gut 1400 sein. Das hatte die HRK ihm mitgeteilt, sagt ZVS-Sprecher Scheer.

Zu viel dürfen Bewerber ohnehin nicht erwarten, sagt Scheer. Die Nachvermittlung der frei bleibenden Plätze sei auch mit der Börse nicht einheitlich geregelt, das Portal ist auf Mitarbeit der Hochschulen angewiesen. "Man muss sich um Restplätze weiterhin bei den jeweiligen Hochschulen bewerben und sich selbst nach deren Vorgaben erkundigen", erklärt Scheer. Auch seien die Termine für die Losverfahren je nach Hochschule unterschiedlich.

Der Vorteil sei aber, dass "man alles wie auf einem schwarzen Brett auf einen Blick sieht", so Scheer. Ein kurzer Praxistest am "schwarzen Brett" für das Fach Anglistik verlief am Dienstag noch ernüchternd. Einziger Treffer: Ein Bachelor-Studium an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald.

Ein bundesweiter Datenabgleich der Vergabe von Restplätzen sei mit der neuen Plattform nicht möglich, sagt Scheer. Das ist erst für das geplante "dialogorientierte Serviceverfahren" vorgesehen, das vom Wintersemester 2011/2012 an verfügbar sein soll.

Das jetzige Übergangsmodell könne daher ein erneutes Zulassungschaos nicht verhindern, meint Florian Keller vom Dachverband der deutschen Studentenschaften fzs in Berlin. "Das eigentliche Problem wird mit so einer Resterampe nicht gelöst." So sei auch in diesem Jahr zu befürchten, dass Plätze durch Doppeleinschreibungen bei Mehrfachbewerbungen frei bleiben.

cht/dpa

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