Studenten in Ostdeutschland Jeder Dritte kommt aus dem Westen

Günstig wohnen, günstig studieren - damit locken ostdeutsche Unis seit Jahren. Nun kommen die westdeutschen Abiturienten: Laut einer Umfrage stammt ein Drittel der Studenten im Osten aus einem der alten Bundesländer.

Universität Potsdam

Nach wilden Partynächten und hübschen Straßencafés klingen Eberswalde und Wismar nicht gerade. Dass sich Abiturienten aus der alten Bundesrepublik zum Studieren in ostdeutsche Kreisstädte verirren, überrascht also.

Doch sie tun es: Der Anteil westdeutscher Studenten an ostdeutschen Hochschulen steigt seit Jahren - auf inzwischen 35 Prozent im aktuellen Wintersemester. Das berichtet die Marketingkampagne "Mein Campus - Studieren in Fernost", die Studienangebote in ostdeutschen Ländern unter westdeutschen Interessierten bewirbt. 2008 waren es laut den Angaben nur 22 Prozent.

Die Initiative hat dazu 25 ostdeutschen Hochschulen befragt, an denen mehr als 60 Prozent der in Ostdeutschland Studierenden eingeschrieben sind. Die Zahlen der Universität Leipzig - einer der größten Universitäten des Ostens - flossen aber zum Beispiel nicht in die Berechnung ein.

An der Ost-Uni unter lauter Westdeutschen

Manche Ost-Hochschule ist schon mehrheitlich von Westdeutschen bevölkert: Ganz vorne ist die "Hochschule für nachhaltige Entwicklung" in Eberswalde. 61 Prozent der Studenten an der FH in der brandenburgischen Kleinstadt haben ihr Abitur in einem der alten Bundesländer gemacht. Auch die Hochschule Wismar sowie die Universität und FH Potsdam haben mehr westdeutsche als ostdeutsche Studenten.

Vergleichsweise wenige Westdeutsche studieren derzeit noch an der größten ostdeutschen Universität, der TU Dresden: Von den knapp 37.000 Dresdner Studenten hat nur jeder Vierte ein Abitur aus dem Westen.

Getragen wird die Werbekampagne "Studieren in Fernost" von den Wissenschaftsministerien von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Ob diese Länder auch künftig mit Qualität locken können, ist derzeit fraglich: Die ostdeutschen Bundesländer haben in den vergangenen Jahren so stark an ihren Hochschulen gespart wie wenige in Westdeutschland.

ade

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insgesamt 9 Beiträge
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el_grande_reader 07.11.2014
1. Ganz alter Hut...
...denn so ging es bereits den Studenten, die unmittelbar nach der Wende über die Zvs einen Studienplatz bekamen. Kleines Beispiel: Wir, Abijahrgang' 95, 60% Studienanfänger, davon mehr als Hälfte gleich in den Osten geschickt - macht doch auch Sinn, wenn etwas zusammenwachsen soll! Und: damals wie heute waren die Unis im Osten auch wesentlich besser ausgestattet als im Westen, und zudem gab damals dort sogar noch echte Stellen zu besetzen, und dass nicht bloß für Professoren. Scheint sich ja gelohnt zu haben, wenn der Studentenanteil an' Wessis' dort heute immer noch steigt. Schade nur, dass man daraus im Westen irgendwie nichts lernen möchte... :(
ReinhardHasch 07.11.2014
2. Hat geschnalzt ?
Das war doch schon vor 10 Jahren der Clou im Osten zu studieren , die Uni;s sind doch dort nahezu alle gut bis besser ausgestattet worden. Da gab es auch Sitzplätze, aber es musste ja mindestens Freiburg, Münster o.ä. sein. Manche haben doch erkannt , dass der Osten doch eine gute bis bessere Wahl ist und war. Und schöner sind die Städte und Landschaften auch. Der "Soli"hat sich bezahlt gemacht und schlesischer Sauerbraten ist ein Traum.
abby_thur 08.11.2014
3. Gut so
Ich denke, es wären vielleicht noch mehr, wenn sich die jungen Erwachsenen öfter gegen ihre Eltern-Generation stellen würde, die oftmals und abschätzig von "drüben" reden, wenn sie an die neuen Bundesländer denken. Für viele westdeutsche Eltern ist der Osten immer noch stellvertretend für Skinheads, komische Dialekte die auf ihren Sprössling abfärben könnten und Kommunismus.
Hotzenplotz13 08.11.2014
4. richtig so
Jede Familie, die sich die Kosten des Studiums ihres Nachwuchses vom Mund abspart, sollte mit seinem Nachwuchs erst gar nicht über Studienorte wie München etc... diskutieren, wenn die Studienbedingungen in den neuen Bundesländern um ein vielfaches besser sind. Gerade weil die Freizeitangebote in den ostdeutschen Universitätsstädten nicht zahllos sind, kommt gerade dort unter der Studentenschaft ein gewisses Gemeinschaftsgefühl auf. Wer in Millionenstädten und Massenunis studiert, weis gar nicht was ihm entgeht.
loki21 08.11.2014
5. Tja, aber was bringt´s dem Osten?
Wenn nach erfolgreichem Studium die Wessis einschließlich vieler Ossis gen Westen marschieren. Nix! Studenten zahlen in der Regel keine Steuern und sonstige Sozialabgaben. Sie sind zwar ein Wirtschaftsfaktor, der auch kräftig abgeschöpft wird, aber ein Angestellter mit 3500 und mehr EUR brutto im Monat bringt dann doch mehr. Dies verdient man aber im Osten nach wie vor im Vergleich zum Westen noch eher seltener. Die Folge ist, dass die jungen gut ausgebildeten Leute weiterhin abziehen. Solange es der Osten nicht schafft die Menschen zu halten, bringt das nix. Dann werden auch weiterhin junge Menschen der Heimat den Rücken kehren. Dies schrieb ein Ossi, der im Osten studierte und nun im südlichen Westen ist. ;)
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