Deutsche Studenten in Österreich "Oh Gott, wo bin ich hier gelandet?"

Von Pia Volk

3. Teil: Jenny Eric, 26: "Ich mache viel mit anderen Deutschen"


Jenny Eric, 26, studiert seit drei Semestern Geografie in Salzburg
Jenny Eric

Jenny Eric, 26, studiert seit drei Semestern Geografie in Salzburg

"'Grüß Gott' war das Erste, was ich gelernt habe. Wenn man in einen Laden geht und 'Hallo' sagt, dann hat man sich gleich entlarvt und wird mitunter schief angesehen. In anderen Ländern versucht man ja auch, jedenfalls die Standardausdrücke 'Guten Tag', 'Bitte', 'Danke' zu lernen. So muss man das eben auch in Österreich machen.

Salzburg ist eine wunderschöne Stadt, nur habe ich manchmal das Gefühl, sie liegt im Dornröschenschlaf. Nach 23 Uhr kommt man nur noch mit dem Taxi heim. Als ich herzog, hatten die Supermärkte nur bis 18 Uhr auf, da musste ich mich umstellen. Ich komme ja aus Berlin, und da kriegt man auch nach Mitternacht noch überall Milch.

Ich wollte nie weg aus Berlin, aber dann bin ich zum dritten Mal durch eine Prüfung gerasselt, und danach ist man deutschlandweit für sein Studienfach gesperrt. In Salzburg hat man mir fast alle meine Credits anerkannt.

Ich mache viel mit anderen Deutschen. Aber das hat nichts mit Abneigung zu tun. Es ist nur so, dass wir Deutsche in den Semesterferien immer nach Hause fahren, während die Österreicher sich auch dann noch treffen. Die haben also einen ganz anderen Zusammenhalt. Schlimm ist das für mich nicht, denn nach dem Studium werde ich sicher wieder nach Berlin ziehen."

insgesamt 106 Beiträge
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studentint.s. 06.03.2013
1. Nicht nochmal...
Ich habe ganze sechs Wochen an der Uni in Klagenfurt studiert - und es war noch nie etwas so erlösend wie die Nachrücker-Zusage von einer deutschen Uni! Ich bin an meinem ersten Abend auf die Dachterasse meines Studentenwohnheims und wurde direkt von den Österreichern ausgegrenzt und zu den Erasmus-Studenten abgeschoben. Kein einziger deutscher Student war früher als nötig für das neue Semester an die Uni gekommen... Ob das ein Zeichen war? Die Erasmus-Studenten waren total herzlich zu mir - und kannten das Problem, das mich in meinen ersten Stunden schon überrollte: Diskriminierung... Sehr schade eigentlich - Klagenfurt am Wörthersee ist traumhaft schön, aber mehr als ein paar Tage Urlaub möchte ich dort nicht wieder verbringen... (Meine subjektive Erfahrung... Ich hoffe, dass es vielen vielen anderen nicht so ergeht/ergangen ist!!!)
spyro 06.03.2013
2. Unser Bildungssystem ist einfach kaputt
Anders kann man es nicht mehr ausdrücken. Eine Bekannte von mir z.B. (ein ASS in Biologie) durfte ihr Fach nicht in Deutschland studieren, weil sie in Mathematik nicht sehr gut war. Da der NC als absolut nichtssagender Durchschnitt quer über alle Fächer offenbar das einzige Kriterium ist, das die meisten Unis interessiert war's das mit Deutschland (Mathematik hätte sie übrigens studieren dürfen). Dieses Land verschenkt unglaublich viel Potential durch absolut bescheuerte Gesetze und dem unglaublich schädlichen Bildungsföderalismus. Das ist alles seit vielen Jahrzehnten bekannt und wird sich dennoch nicht ändern. Deutschland sollte Österreich eine Ausgleichszahlung bieten damit weiterhin Deutsche dort studieren können.
lichterlträger 06.03.2013
3.
An der uni klagenfurt ging es mir genauso und das obwohl ich aus österreich komme, halt nur nicht aus kärnten. Was mir aber oft aufgefallen ist sind die gruppen von deutschen, die einen als österreicher prinzipiell aus ihrem freundeskreis ausschließen und lieber unter sich bleiben wollen. Es gibt wohl beides...
projektraum 06.03.2013
4. ...das nahe, einigermaßen deutschsprachige Ausland...
also- bei derartigen popeligen Ansagen ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Ösis zu motzen beginnen- und: mit der Reise in ein anderes Land sollte man sich (schlauerweise u. höflichkeitshalber) sehr wohl den dortigen (sprachlichen) Eigenheiten anpassen- auch deutsche Mitbürger. und: "fui" kommt eigtl von "voll" > vui
buchlein 06.03.2013
5. Studium in Wien
Ich kann jedem nur empfehlen nach Österreich zu gehen. Wien ist eine richtige Weltstadt, was ich so nur mit Vancouver, Boston oder San Francisco vergleichen wuerde. Ich habe das Gefuehl Wien haette die Kultur erfunden. Die Leute kann man nur lieben, die Österreicher die ich getroffen habe waren herzlich, freundlich, lustig und fuer ihr Bundesland auch dialektisch eigen. Die Verkehrsmittel in Wien sind super genial, wie es sich fuer eine Grossstadt gehoert. Mit einem 3-Monatsticket fuer 128 Euro kann man die Tram, die Bahn, die Busse sowie die Metro benützen. Ein Auto braucht man eigentlich nicht. Lediglich die Wohnungssuche gestaltet sich in Wien ein wenig schwierig. Das ist das einzige Manko.
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