Studium auf Malta Reif für die Insel

Wer bei Malta an Sonne, Meer und Party denkt, liegt schon richtig. Der putzige Inselstaat lockt aber auch mit britischer Exzellenz: Maltas renommierte Hochschule ist vor allem für Informatiker und angehende Ingenieure interessant - es ist eine von Europas Uni-Perlen.

Von Nicole Basel


Martina Putz hat sich auch nach fünf Monaten noch nicht an den Fahrstil der Malteser gewöhnt. Überall auf der Insel donnern gelbe Busse über schmale, staubige Straßen; sich ihnen in den Weg zu stellen käme einem Selbstmord gleich. Ihren morgendlichen Weg zur University of Malta ("U of M") nennt die 23-jährige Soziologiestudentin aus Wien deshalb "Death Valley", Tal des Todes.

Offiziell herrscht auf Malta Linksverkehr. Aber die Malteser sagen über sich: "Wir fahren nicht links. Wir fahren nicht rechts. Wir fahren da, wo Schatten ist." Einige der gelben Busse stammen noch aus der Zeit, in der Malta von den Briten besetzt war. Heute sind sie ein Markenzeichen der Insel. Die Busfahrt vom Flughafen zum Wohnheim ist oft der erste Eindruck, den Austauschstudenten von ihrem Gastland gewinnen. Danach wissen sie: Dieser kleine Inselstaat südlich von Italien, der ist irgendwie verrückt.

Jeder Bus auf Malta sieht anders aus, die Fahrer schmücken ihn vorn gern mit bunten Marienfiguren, Lichterketten und Aufklebern. "Die Busfahrer sind bekannt dafür, die unfreundlichsten Menschen ganz Maltas zu sein", sagt Martina. Etwa zu glauben, das Gefährt stoppe, wenn man aussteigen will, erweist sich als naiv: Die Fahrer bremsen meistens nur auf Schritttempo ab - dann heißt es springen.

Zur Sonne, zur Freizeit

Wer bei einem Auslandssemester auf Malta an Sonne, Meer und Party denkt, liegt zwar richtig: Alle drei Wohltaten gibt es dort im Überfluss. Aber es gibt eben auch eine ausgezeichnete Hochschule.

Die University of Malta, oder L-Università ta' Malta, wie sie auf Maltesisch heißt, ist eine der traditionsreichsten Europas: Bereits im Jahr 1592 wurde ein Jesuitenkolleg auf der Insel gegründet, aus dem 1769 die Universität hervorging. Während der englischen Besatzung wurde die Universität Mitglied der Association of Commonwealth Universities. Damit ist sie die älteste Universität des Commonwealth außerhalb der britischen Inseln.

Noch immer orientiert sich die Uni am englischen Hochschulsystem, und das Niveau ist hoch. "Unser Fachbereich kann sich durchaus mit den guten britischen Universitäten messen", sagt Mike Rosner von der Fakultät für Informations- und Kommunikationstechnologie. Der Brite leitet die Abteilung "Künstliche Intelligenz". "Unsere Studenten haben sehr gute Arbeitsmarktchancen", meint der Professor. "Sie profitieren davon, dass wir eng mit den Technologiefirmen auf Malta kooperieren. Dadurch lernen sie früh die Praxis kennen."

Für Austauschstudenten ist die "U of M" jedoch nicht nur attraktiv, weil sie hier viel lernen können: Selbst ohne Erasmus-Stipendium muss man auf Malta keine Studiengebühren bezahlen. Nur einige Master-Studiengänge, etwa die Kooperationsprogramme mit amerikanischen Universitäten, kosten Geld, 12.500 Euro im Jahr. Dafür bekommen die Studierenden allerdings auch zwei Abschlüsse: einen maltesischen und einen von der entsprechenden US-Universität, etwa der renommierten James Madison University.

Ein Paradies für den Fotografen

Knapp jeder zehnte Student auf Malta kommt mittlerweile aus dem Ausland. Insgesamt studieren an der Uni 10.000 Menschen aus über 80 Ländern. "Die Stimmung ist trotzdem vollkommen familiär", sagt Anja Loosen, 24, die Journalismus an der FH Gelsenkirchen studiert. "Die Verwaltung ist zwar wie in Deutschland recht bürokratisch, aber trotzdem flexibel: Wenn man einen Kurs aus einem anderen Fachbereich belegen will, dann biegen die das hin."

Einige ihrer Kommilitonen waren mit Erasmus in Großbritannien und vom Niveau in manchen Fällen eher enttäuscht. "Aber Malta hat mich echt positiv überrascht," sagt Anja, die inzwischen wieder zurück in Gelsenkirchen ist. "Ich habe richtig viel gelernt. Fast alle Professoren haben internationale Erfahrung."

Die "U of M" ist Maltas einzige Uni. Das Fächerangebot für das Bachelor-Studium auf der Insel ist groß. Für den Master-Abschluss gehen die meisten Malteser ins Ausland.

Serhat Akdoganlar, 24, ist eher aus Zufall nach Malta gekommen, jetzt würde sich der Bremer Architekturstudent aber immer wieder für die Insel entscheiden. Oft zieht er durch die Straßen und fotografiert. "Die Häuser hier sind unglaublich. Die Insel wurde von ziemlich vielen Kulturen beeinflusst."

Die ältesten Megalithtempel auf der Insel sind fast 6000 Jahre alt. Im Laufe der Geschichte war Malta phönizisch, römisch, arabisch und spanisch. Dann wurde die Insel vom Malteserorden beherrscht, bis Napoleon und schließlich die Briten kamen. Seit 1964 ist Malta unabhängig, auch wenn einige Malteser der Meinung sind, dass sie wieder besetzt werden: von den Touristen.

© UniSPIEGEL 4/2008
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