Studium in Honolulu Es gibt kein Bier auf Hawaii

Traumstrände und Vulkane, Surfen und das Aloha-Gefühl: Hawaii ist ein Traum für Freunde der Exotik und zugleich ein attratives Ziel für Studenten, die zwischen renommierten Unis wählen können. Stephan Geier studiert derzeit in Honolulu Astrophysik, Geschichte und Archäologie - und merkte schnell, wie teuer das Paradies ist.


Studieren im Paradies: Nebenbei die imposanten Landschaften erkunden
Stephan Geier

Studieren im Paradies: Nebenbei die imposanten Landschaften erkunden

Palmen, duftende Blumen, der Rasen fein säuberlich auf Golfplatzniveau geschnitten - kaum zu glauben, dass man sich auf dem Campus der University of Hawaii at Manoa befindet, im Herzen der Hauptstadt Honolulu. Viele fleißige Hände sind Tag für Tag damit beschäftigt, den Studenten ein angenehmes Umfeld zu schaffen. Denn hier im fünfzigsten Bundesstaat der USA ist man als Student schließlich zahlender Kunde und will bei Laune gehalten werden.

Neben einem blitzsauberen Campus in tropischer Pracht verfügt die Universität über ein umfassendes und vielfältiges Studienangebot. In einigen Fächern wie Meeresbiologie, Vulkanologie und Astrophysik zählt man sich sogar zur Weltspitze. Das kräftig verschulte amerikanische System bietet praktisch Betreuung rund um die Uhr. Wem es gefällt, in einem absolut geregelten Umfeld zu studieren und die Professoren mit dem Vornamen anzusprechen, der ist hier gut aufgehoben. Wer allerdings mehr auf Freizügigkeit, Eigenverantwortung oder wilde Studentenfeten steht, der sollte sich lieber zu Hause noch ein Paar College-Filme anschauen.

You gotta fight for your right to party

Die Realität sieht ganz anders aus. Erfolg definiert sich hier schlicht durch Arbeit, und deshalb wird man ständig mit zeitraubenden Kleinigkeiten und Fleißaufgaben beschäftigt. Studenten, die am Arbeitsplatz einschlafen, und Bibliotheksöffnungszeiten bis elf Uhr nachts gehören zum Alltag. Auch was Partys angeht, hat man andere Gepflogenheiten als in Europa, denn Alkohol ist natürlich auf dem Campus verboten.

Protzkarren: Mit dem nötigen Kleingeld lebt es sich auf Hawaii recht gut
Stephan Geier

Protzkarren: Mit dem nötigen Kleingeld lebt es sich auf Hawaii recht gut

Hawaii war schon immer ein Ort der Begegnung von Ost und West - kein Wunder, dass der Anteil internationaler Studenten bei gut einem Viertel liegt. Das hat aber seinen Preis, denn das Paradies ist teuer. Vor allem Mieten und Lebensmittelpreise sprengen jeden gewohnten Rahmen. Ein Zimmer im Wohnheim kostet leicht 700 bis 800 Dollar, ein Liter Milch mindestens 3,50 Dollar. Ein Nebenjob ist dringend nötig, wenn die Eltern nicht reich sind. Bei der Jobsuche hilft die Universität aber sehr gut weiter.

All die Verpflichtungen lassen kaum Zeit für die angenehmen Seiten eines Aufenthalts auf Hawaii. Dabei gibt es kaum einen Ort auf der Welt, wo man so problemlos so viel erleben kann wie hier. Mit dem Bus ist man binnen einer halben Stunde im Urwald und vergisst schnell, dass sich hinter dem nächsten Berg eine Großstadt befindet. Paradiesvögel, Blüten und Früchte, die man direkt vom Baum essen kann, gehören neben schroffen Gebirgszügen und Wasserfällen zu den Attraktionen der Inseln.

Surfen als Lebensstil: Lieblingsvergnügen der Hawaiianer
GMS

Surfen als Lebensstil: Lieblingsvergnügen der Hawaiianer

Nicht umsonst landen die Filmcrews aus Hollywood stets hier, wenn sie eine paradiesische Vegetation suchen. Wer "Jurassic Park" gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, was ihn erwartet. Das nächste Korallenriff zum Schnorcheln liegt praktisch um die Ecke - Meeresschildkröten inklusive.

Natürlich ist Hawaii auch das El Dorado der Wassersportler. Das Surfen wurde nicht nur hier erfunden, es ist auch Volkssport Nummer eins. Und wem das alles noch nicht spektakulär genug ist, der sollte die fünf anderen Inseln besuchen und sich die größten und aktivsten Vulkane, die steilsten Klippen, die noch schöneren Strände oder den noch üppigeren Urwald anschauen.

Vom Urwald in den Großstadtdschungel

Das Leben in Honolulu ist geprägt von teilweise grotesken Gegensätzen. Waikiki heißt das Vergnügungs- und Touristenviertel - eine ganze Stadt, die ausschließlich aus Hotels besteht - und ist die Welt der Reichen. Mit Bussen und Limousinen werden täglich Hunderte von Touristen vom Flughafen herangekarrt und mehrere Wochen professionell von Attraktion zu Attraktion gelotst, um schließlich glücklich wieder zurück ins Flugzeug gesungen und gehulat zu werden.

Die touristische Seite: Das Traumschiff macht Station auf Hawaii
Stephan Geier

Die touristische Seite: Das Traumschiff macht Station auf Hawaii

Keinen halben Kilometer entfernt leben jene, die die Tourismusmaschinerie mit dem typischen Aloha-Gefühl, einer Mischung aus Herzlichkeit und Gelassenheit, am Laufen halten. Sie hausen in kleinen, stickigen Kammern und verbringen die Wochenenden mit Barbecue am Strand, weil sie sich nichts anderes leisten können. Und dann gibt es noch die vielen Obdachlosen. Sie bewohnen jede freie Grünfläche, Parks und Bushaltestellen.

Weil sämtliche Strände per Gesetz öffentlich zugänglich sind, kann man dort all diese unterschiedlichen Gruppierungen täglich gemeinsam antreffen - ein einmaliges Bild. Für politische Spannungen sorgt nicht nur die massive militärische Präsenz auf allen Inseln, sondern auch die wachsende Unzufriedenheit der Hawaiianer, die sich als Opfer von Ausbeutung sehen. Friedensmärsche und regierungskritische Demonstrationen wechseln sich hier mit zahllosen Heldengedenktagen und Veteranentreffen ab.

Ein Auslandssemester auf Hawaii ist in jedem Fall eine besondere Erfahrung. Wer Vielfalt, multikulturelles Miteinander und spektakuläre Natur mag, kommt eigentlich nicht daran vorbei - aber man sollte einen Sack voll Geld von zu Hause mitbringen.

Von Stephan Geier



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