Uni Hohenheim 37 Studenten brechen Prüfung ab - und legen wortgleiches Attest vor

Mitten in einer Klausur haben 37 Studenten an der Universität Hohenheim den Saal verlassen - und danach ein Attest desselben Arztes vorgelegt. Die Universität geht jetzt dagegen vor.

Studenten bei einer Prüfung (Symbolfoto)
imago/Science Photo Library

Studenten bei einer Prüfung (Symbolfoto)


Was war denn da los? Mitten in einer Prüfung zur Finanzwirtschaft haben 37 Studenten der Stuttgarter Universität Hohenheim den Saal verlassen - und legten noch am selben Tag ein Attest vor. Die Atteste waren nahezu gleichlautend und stammten alle vom selben Arzt. Es seien entweder Schwindel und Sehstörungen oder Übelkeit und Erbrechen diagnostiziert worden, sagte Universitätssprecher Florian Krebs.

Doch diese Diagnosen reichen dem Prüfungsamt nicht aus. "Wenn eine Prüfung angetreten wird, sind die Hürden für einen Abbruch sehr hoch. Es muss nachgewiesen werden, dass ein Student plötzlich und unvorhersehbar daran gehindert wird, sein Wissen abzurufen", sagte Krebs. Doch ob das bei 37 Personen auf einen Schlag passiert ist, zweifelt die Uni an. Das Prüfungsamt begründet das mit der "außergewöhnlich hohen Zahl an Rücktritten in dieser Prüfung sowie damit, dass alle Atteste vom selben Arzt stammen".

Deshalb seien die Abbrecher kurz nach der Prüfung aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben. Bei 33 der 37 Wirtschaftsstudenten wird demnach auch die nachgereichte Stellungnahme nicht anerkannt.

Vier Studenten droht die Exmatrikulation

Für vier Studenten könnte der Vorfall weitreichende Folgen haben. Für sie war es der dritte und letzte Prüfungsversuch. Können sie nicht nachweisen, dass es sich um eine tatsächliche Krankmeldung handelt, droht ihnen die Exmatrikulation.

Die Universität Hohenheim nimmt den aktuellen Vorfall zum Anlass, weitere Atteste des Arztes zu untersuchen. Er hatte vom 22. bis 25. Mai - also während der Prüfungszeit - 103 Atteste ausgestellt. Die betroffenen Studenten werden nun angeschrieben und müssen dazu Stellung nehmen.

Aber was war der Grund für die massenhaften Prüfungsabsagen? Jörg Schiller, Studiendekan der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Leiter des Fachgebiets Versicherungswirtschaft und Sozialsysteme, sagte der "Stuttgarter Zeitung": "Es hat damit zu tun, dass es Leute gibt, die dem Studiengang nicht gewachsen sind - viele Studierende tun sich schwer mit Mathe."

Diesbezügliche Grundkenntnisse seien in der Prüfung in Finanzwirtschaft allerdings erforderlich. "Viele studieren Wirtschaftswissenschaften, ohne sich vorher groß Gedanken darüber zu machen", sagt Schiller.

Auch der Studierendenausschuss (Asta) der Universität sieht das Verhalten der Prüfungsabbrecher kritisch, weil der Verdacht des Betrug naheliege. "Damit schaden sie auf lange Sicht den anderen Studierenden", so der Asta-Vorsitzende Benedikt Schülen gegenüber der "Stuttgarter Zeitung". Als Masterstudent der Wirtschaftswissenschaften glaube er allerdings nicht, dass es an der Schwierigkeit der Klausur lag.

hej/dpa



insgesamt 109 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
snoet 16.06.2018
1. Krass
Welcher Arzt attestiert 37 Prüflingen ein Attest? Da müssen ja alle gemeinsam zu diesem Arzt gegangen sein. Hm, das sieht mir eher wie ein Protestschrei aus, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Da ist bestimmt im Vorfeld was passiert. Bitte dranbleiben und berichten lieber Spiegel!
clausina 16.06.2018
2. Was für Trottel
und das ist unsere Bildungselite? zu dämlich sich für eine Prüfung vorzubereiten und dann sich noch so schlecht rauswinden wollen.
hup 16.06.2018
3. Naja, ist doch klar was da passiert ist
Man geht in die Prüfung, und wenn was drankommt auf das man schlecht vorbereitet ist, dann bricht man ab, reicht das vorbereitete Attest ein und erhält damit einen zusätzlichen Freischuss. Man verbessert also gegenüber den ehrlichen Probanden seine Chance die Prüfung zu bestehen. Dass der Arzt offensichtlich ohne gesundheitliche Prüfung dieses System unterstützt sollte Konsequenzen für ihn haben. Die Aprobation wird man ihn für diese Beihilfe zum Betrug nicht entziehen, aber man könnte ihm die Kassenzulassung entziehen. Dass man diese Studenten rausschmeissen sollte (oder zumindest für die komplette restliche Studienzeit abmahnen und unter Bewährung stellen sollte) und darüber hinaus intern untersucht wie es zu diesem weit verbreiteten "unter der Hand" System gekommen ist, das steht ausser Frage. Diese Uni hat jetzt ein Problem, das rufschädigend sein kann ("die Bescheisser-Uni"), das sollte nicht zu leicht genommen werden.
Plasmabruzzler 16.06.2018
4.
Wurde von den Studierenden wirklich ein Attest vorgelegt? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen - es wird wohl eher eine Arbeits- oder Schulbesuchsunfähigkeit vorgelegt (vulgo gelber Schein). Die Diagnose geht auch nur den Arzt, Patient, Krankenkasse etwas an und nicht die Hochschule. Wer ein Attest vorlegt, braucht sich nicht wundern, wenn er damit Fragen aufwirft, denn da steht tatsächlich etwas über den Gesundheitszustand drin. Obendrein kosten Atteste Geld, AUs nicht.
ffmfrankfurt 16.06.2018
5. @Severrussupernase
Immer gegen anzugehen und gleich den Klageweg zu beschreiten, ist für Studierende mit Sicherheit der falsche Weg. Sie scheinen auch aus einer Generation zu kommen, in der man glaubt ein Recht auf alles zu haben. Wie wäre es denn einfach mal mit Leistung und Disziplin? Wenn das gegeben ist, dann muss man gar nicht erst bis zur Klage gehen. Hoffentlich gehören sie einer Minderheit an, die unser System nicht andauernd ausbremst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.