Täuschungsvorwurf gegen Guttenberg Uni entscheidet erst im April

Guttenberg ist zurückgetreten, aber die zentrale Frage bleibt: Hat der Ex-Minister mit seiner zusammenkopierten Doktorarbeit bewusst getäuscht? Die Uni Bayreuth lässt sich mit der Antwort Zeit und bittet nun zwei externe Berater dazu. Einer ist als scharfer Guttenberg-Kritiker bekannt.

Guttenbergs Werk: Frühestens in einem Monat soll klar sein, ob der Freiherr betrogen hat
DPA

Guttenbergs Werk: Frühestens in einem Monat soll klar sein, ob der Freiherr betrogen hat


Hat Karl-Theodor zu Guttenberg seine Universität vorsätzlich getäuscht? Diese Frage wird die Uni Bayreuth frühestens Mitte April beantworten. Über die Frage wird die Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaft der Hochschule entscheiden, und sie wird dabei zwei externe Experten hinzuziehen: den Bonner Jura-Professor und Promotionsexperten Wolfgang Löwer und den Konstanzer Philosophie-Professor Jürgen Mittelstraß. Die Termine müssten nun mit den beiden Wissenschaftlern koordiniert werden. Davon hänge auch der weitere Ablauf ab, hieß es.

Mittelstraß, 74, ist Direktor des Konstanzer Wissenschaftsforums, Direktor des Zentrums Philosophie und Wissenschaftstheorie und Vorsitzender des österreichischen Wissenschaftsrat in Wien.

Der andere externe Experte, Wolfgang Löwer, 64, ist Sprecher des "Ombudsmans für die Wissenschaft", einem Gremium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das sich für die Einhaltung wissenschaftlicher Regeln einsetzt. Löwer ist zudem Richter am Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen und Vorstandsvorsitzender der Stiftung zur Förderung des Wissenschaftsrechts. Er promovierte zum Thema "Staatshaftung für unterlassenes Verwaltungshandeln", das auch bei der Aberkennung des Doktortitels des zurückgetretenen Ministers eine Rolle spielte.

Im SPIEGEL-ONLINE-Interview hatte Löwer vor wenigen Wochen gesagt, im Fall Guttenberg betrete man "juristisches Neuland". "Mir ist kein ähnlicher Fall bekannt." Guttenberg habe zwar selbst seinen Doktortitel zurückgegeben, für Löwer steht aber fest: "Damit kommt Guttenberg nicht davon, jedenfalls nicht akademisch."

Hochschulverband fordert schärfere Sanktionen bei Plagiaten

Der Präsident des Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, hat sich auf einem Leserforum des "Kölner Stadt-Anzeigers" nach der Plagiatsaffäre des Ex-Verteidigungsministers für eine konsequentere Kontrolle von Doktoranden ausgesprochen. "Selbst jedem kleinsten Anfangsverdacht muss schärfer als bisher auch juristisch nachgegangen werden", sagte er. Sein Verband fordere schon lange, dass die Doktoranden eine Ehrenerklärung abgeben sollten, dass sie ihre Arbeit als eigene geistige Leistung ablieferten. Wer dagegen verstoße, dem müsse eine Freiheitsstrafe drohen. "Plagiat ist kein Lausbubenstreich, denn Wissenschaft lebt vom Vertrauen, von der Wahrheit, von der Wahrhaftigkeit", sagte Kempen.

"Getäuscht, geklaut, geheuchelt"

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Die vierköpfige Selbstkontrollkommission der Wissenschaft an der Universität Bayreuth wird vom Lehrstuhlinhaber öffentliches Recht, Stephan Rixen, geleitet. Ihr gehören zudem die Psychologie-Professorin und Frauenbeauftragte der Hochschule, Wiebke Putz-Osterloh, an sowie der Biopolymerforscher Paul Rösch und der Strömungsmechaniker Nuri Aksel an, beide ebenfalls Professoren.

Bei der Aberkennung des Doktortitels von Guttenberg am 23. Februar hatte die Promotionskommission der juristischen Fakultät einen möglichen Täuschungsvorsatz außer Acht gelassen. Nach Bekanntwerden der massiven Plagiatsvorwürfe hatte Guttenberg selbst eingeräumt, dass er nicht korrekt wissenschaftlich gearbeitet und damit die Promotionsordnung massiv verletzt habe. Das Verwaltungsrecht schreibe vor, dass die Universität Bayreuth nun über den Täuschungsvorsatz entscheide, sagte Löwer SPIEGEL ONLINE damals. "Wer verleiht, entzieht auch", sagte er. "Es ist rechtlich zwingend, dass die Universität Bayreuth Herrin des Verfahrens ist."

fln/dpa

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Seite 1
Gebetsmühle 11.03.2011
1. ...
Zitat von sysopGuttenberg ist zurückgetreten, aber die zentrale Frage bleibt: Hat*der Ex-Minister*mit seiner zusammenkopierten Doktorarbeit bewusst getäuscht? Die Uni Bayreuth lässt sich mit der Antwort Zeit und bittet nun zwei externe Berater dazu. Einer ist als scharfer Guttenberg-Kritiker bekannt. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,750355,00.html
kritiker hin oder her, dass erst im april entschieden wird, ist aktive wahlhilfe für mappus. der fall ist so klar, dass man sofort entscheiden könnte. gutachter braucht man dazu wohl kaum noch - alles verschwendung von zeit und steuergeld.
unente, 11.03.2011
2. Entscheidung im Abklingbecken
Warum sagen die nicht gleich, dass sie sich schon entschieden haben - oder warten die noch auf eine größere Spende?
Gebetsmühle 11.03.2011
3. hochschulpräsident
---Zitat von Kempen--- "Selbst jedem kleinsten Anfangsverdacht muss schärfer als bisher auch juristisch nachgegangen werden", sagte er. Sein Verband fordere schon lange, dass die Doktoranden eine Ehrenerklärung abgeben sollten, dass sie ihre Arbeit als eigene geistige Leistung ablieferten. Wer dagegen verstoße, dem müsse eine Freiheitsstrafe drohen. "Plagiat ist kein Lausbubenstreich, denn Wissenschaft lebt vom Vertrauen, von der Wahrheit, von der Wahrhaftigkeit" ---Zitatende--- intressante meinung. gleiches könnte man auch problemlos mit dem amtseid von politikern machen, also ehrenerklärung und bei mißachtung juristische verfolgung, denn: "der bruch des amtseids ist kein lausbubenstreich, denn politik lebt vom vertrauen, von der wahrheit, von der wahrhaftigkeit" merkt das jemand jetzt?
yanasa 11.03.2011
4. Verstehe die Uni nicht
In einem Artikel eines anderen Mediums habe ich gelesen, dass sich die Bayreuther Doktorväter ach so verteidigen und behaupten, dass 2006 eine Erkennung von Plagiaten mit den damals technischen Mitteln kaum möglich gewesen sei. Selten so gelacht. Seit 2003 hatte die Uni Bielefeld ein Programm, das sich 'Turnitin' nennt in Gebrauch - um Plagiate zu entlarven. Also wusste man spätestens seit dieser Zeit in akademischen Kreisen um diese Problematik. Und da ich vermute, daß auch schon Anno Domini 2003 der Uni Bayreuth sowohl Strom als auch Internet zur Verfügnung und auch die dortigen Akedemiker, Doktoren und Professoren in Kontakt mit anderen Fakultäten standen, wussten diese ebenfalls, wie man Dissertationen und Semesterarbeiten als Raubkopie entlarven kann. Dass dies dann erst recht nicht bei einer Dissertation erfolgte, die von jemandem abgegeben wurde, der eine doch etwas zweifelhafte Vorgeschichte hat (wie zum Beispiel ein angeblich ziemlich mieses erstes Staatsexamen und ein nicht vorhandenes Zweites Staatsexamen), das empfinde ich als einen doppelten Betrug - von beiden Seiten. Ganz groß mit der Thematik der Urheberrechtsverletzungen ging es ja auch schon 2007 los mit dem berüchtigten Kochbuch einer gewissen Marion. Dass also klauen - äh kopieren - aus dem Internet teuer wird, weiss man spätestens seit da. Ein JURIST sollte es bei Urheberrechtsverletzungen also noch besser wissen, umso dreister empfinde ich es, was sich da ein gewisser Herr zu G. geleistet hat. Aber ach nein, ein Jurist ist er ja auch nicht mal - ihm fehlt das zweite Staatsexamen, er durfte allerdings wohl mit einer Sonderregelung seine Dissertation schreiben. Daraus erschließt sich für mich folgende logische Konsequenz: ich persönlich als Nicht-Akademikerin müsste doch nun AUCH eine Genehmigung für eine Dissertation bekommen (Artikel 3 des Grundgesetzes, Absatz 3). Suche nun Doktorvater oder Doktormutter. Bewerbungen bitte als Privatnachricht hier über Spon. Vielen Dank.
mbschmid, 11.03.2011
5. Die Hohen Priester der Wissenschaft
Die Hohen Priester der Wissenschaft haben nun wohl in erster Linie Schadensbegrenzung in eigener Sache im Sinn. Da braucht man dann schon bis April, bis man eine Erklärung ausgeknobelt hat, warum man überhauptnicht merken konnte, dass was faul ist. Stimmt das? Bei summa cum laude liest noch ein Dritter? Hörte ich gestern.
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