Tauschprofi Wie Max eine Autogrammkarte zum Cabrio machte

Was für eine verrückte Idee: Aus einer Fußballer-Autogrammkarte wollte Max Raschke durch Kettentausch ein Auto machen. Nach neun Runden hat es der Osnabrücker Student jetzt tatsächlich geschafft - und besitzt ein Cabrio.

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Max im Glück: Hurra, ein Auto
Frauke Lüpke-Narberhaus

Max im Glück: Hurra, ein Auto

Max Raschke kommt zu spät. Er ist nicht mehr mit dem Fahrrad unterwegs. Der 23-jährige Student ist frischgebackener Autobesitzer, und bei der Parkplatzsuche hapert es noch. Für seinen Schlitten hat er hart gearbeitet. Nur bezahlt hat er nichts. Seine Investition: 220 Tage und eine Autogrammkarte.

Für seine Aktion hat Max nach Kräften getrommelt, Flyer drucken lassen, sie eigenhändig an mehreren Hochschulen verteilt und zudem die Homepage Studikarre.de gestartet - und das alles, um Menschen davon zu überzeugen, ihm für ein Objekt einen jeweils etwas höherwertigen Gegenstand zu geben. Es begann im vergangenen August: Max tauschte zunächst die Autogrammkarte des Ex-Fußballprofis Ansgar Brinkmann gegen eine Tasse der Osnabrücker Uni. Die ließ er aber nicht in seiner Küche verstauben, sondern gab sie rund zwei Monate später wieder aus der Hand - für einen Tischtennisschläger, den er wiederum gegen einen Tischgrill und einen Sixpack tauschte.

Weiter ging es, als Max im Oktober nach Hamburg kurvte, mit zwei DDR-Ampelmännchen. "Dafür bekam ich einen Kickertisch, im Tausch gegen den dann einen Gutschein für eine Übernachtungsparty in einem Freizeitparadies und dafür schließlich zwei Werbeflächen in einem Schwimmbad", erzählt Max. Und schließlich gehörte ihm ein niegelnagelneues Quad. Das war der achte Tausch.

Max' Vorbild, der Kanadier Kyle MacDonald, hat 14 Mal getauscht, ehe er es von einer Büroklammer bis zum gewünschten Eigenheim schaffte. Unter MacDonalds Tauschgegenständen war eine Rolle in einem Film, die wurde auch Max angeboten. "Das wäre eine richtig prickelnde Sache gewesen!", schwärmt er. In vier Szenen wäre die Figur aufgetaucht, "leider war die Planung für den Kinofilm noch nicht weit genug vorangeschritten." Deshalb lehnte Max ab.

Gleich sieben Autos zur Auswahl

Insgesamt wurden ihm mehr als 100 Gegenstände zum Tausch angeboten, darunter eine benutze Kotztüte, Pornovideos und immerhin rund sieben Autos. Aber Max war wählerisch. Ihm schwebte ein Neuwagen vor. Max hatte gehofft, dass im Laufe der Tauscherei durch seine Präsenz in Medien und Unis seine Idee und seine Webseite so bekannt wird, dass ihm ein Autohaus einen Wagen schenkt und im Gegenzug auf der Seite werben darf. Teilweise sei es da ganz schön knifflig gewesen, den richtigen Tauschgegenstand auszuwählen. Beraten hat ihn sein Freund Torsten Spille, 24, der zusammen mit Max die Idee umsetzte. "Er hat mich einige Male gebremst, als ich schon wieder tauschen wollte", erzählt Max.

Zwischen den Tauschgängen vergingen meist rund zwei Monate. Der eine oder andere hatte schon gedacht, dass Max' Plan eingeschlafen ist. Aber die beiden Osnabrücker Studenten Julia Borgmann, 23, und Christopher Gorgs, 24, waren sich sicher, dass Max Trotz langer Tauschpausen ein Auto bekommen wird. "Wir haben die Idee von der ersten Minute verfolgt", sagt Christopher.

"Ich wurde anfangs total belächelt", erzählt Max, "aber umso wertvollere Tauschgegenstände ich bekommen habe, desto mehr haben mir die Leute auf die Schulter geklopft." Und dann trudelten bei ihm auch einige Anfragen von tauschwütigen Menschen ein, die seine Idee abkupfern wollten und sich von Max Tipps erhofften. Er zuckt nur mit den Schultern: "Ich hatte Glück. Bei mir war es fast ein Selbstläufer. Ich glaube nicht, dass so etwas noch einmal klappen könnte."

Getauscht wird also nicht mehr. Max hat sein Auto - auch wenn er dafür einen Kompromiss eingehen musste: Der Wagen ist bereits 24 Jahre alt, damit ein Jahr älter als er selbst. "Aber ein echtes Kultauto!" Davon ist Max überzeugt: ein Opel Ascona Cabrio, 86.000 Kilometer auf dem Tacho, schwarz mit silbernem Glitzereffekt. Auf das Innenleben ist Max besonders stolz: Die Ledersitze sind perlmuttfarben, die Fenster öffnen sich elektrisch - wenn auch im Schneckentempo.

"Cooles Ding!"

"Eigentlich wollte ich ja einen Neuwagen", gesteht er, "aber dann kam das Angebot von dem Cabrio. Und die Fotos. Und dann… Naja." Max grinst - es war Liebe auf den ersten Blick. "Ich war schon etwas skeptisch, wie die Reaktionen auf das alte Auto sein würden." Seine Eltern zumindest haben ihn kritisiert, dass er sich mit einem 24 Jahre alten Auto zufrieden gibt. "Als sie es dann gesehen haben, waren sie begeistert." Auch der Osnabrücker Student Christopher stellt nach einer Tour rund ums Auto fest: "Cooles Ding!"

Der letzte Tauschpartner und Vorbesitzer des Cabrios ist Karl-Heinz Faber, 42, aus Köln. Wie bei Max war auch bei Faber Liebe im Spiel: Er hat sich ins Quad-Fahren verliebt und seine Frau gefragt, ob er sich eins kaufen darf. "Meine Frau war aber wenig begeistert von der Idee, dass ich mir ein neues Spielzeug anschaffen möchte." Er hörte dann im Radio von den Tauschgeschäften und fand die Idee spannend. Faber hatte bereits ein Spielzeug in einer Garage stehen, die er extra dafür anmieten musste: ein Cabrio. "Für den Tausch des einen Spielzeugs gegen das andere hat mir meine Frau das Okay gegeben", berichtet Faber schmunzelnd.

In den letzten Monaten hatte Max wegen seiner Idee viel um die Ohren und wenig Sport gemacht. Aber jetzt hat er seine Studikarre, und die ersetzt jedes Fitnessstudio: Während er seinen Schlitten unter heftigem Kurbeln aus der Parklücke bugsiert, bekommt er einen roten Kopf. "Ohne Servolenkung, das ist nicht ohne. Ich bekomme demnächst bestimmt solche Arme", vermutet er, zeichnet mit der linken Hand Muskelpakete in die Luft und lacht.

Nur die Kondition dürfte unter der Studikarre leiden. Denn Fahrrad wird er in diesem Sommer wohl nicht mehr fahren.



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