Terrordrohung Nigerianische Uni schließt aus Islamisten-Angst

Keine Seminare mehr in Maiduguri: Die Universität in Nigerias Nordosten hat ihren Lehrbetrieb wegen Terrordrohungen eingestellt, viele Studenten reisten ab. Die Region wird seit längerem von blutigen Attentaten islamistischer Sektierer erschüttert. Sie lehnen "westliche Bildung" ab.

REUTERS

Nach wiederholten Anschlägen der radikalislamischen Sekte Boko Haram ist am Dienstag die Universität in der nigerianischen Stadt Maiduguri auf unbestimmte Zeit geschlossen worden. Es habe Gerüchte gegeben, dass die Gruppe einen Angriff auf die Hochschule plane, berichtete der britische Sender BBC.

Universitätsvertreter erklärten, wegen der zunehmend unsicheren Lage in der Stadt sei kein Unterricht mehr möglich, Studenten sollten lieber zu Hause bei ihren Eltern bleiben. Dort sei es sicherer. Die Schließung der Uni auf unbestimmte Zeit machte die Verwaltung auch auf der Facebook-Seite der Hochschule bekannt. Viele der rund 35 000 Studenten hatten den Campus daraufhin bereits verlassen. "Wir können die Sicherheit unserer Studenten nicht länger garantieren", sagte Uni-Sprecher Ahmed Mohammed zur Begründung, "wenn irgend etwas passiert, wird man sonst die Universität verantwortlich machen."

Maiduguri im Nordosten des westafrikanischen Landes gilt als Hochburg der 2002 gegründeten radikalen Gruppe, die jeden westlichen Lebensstil und insbesondere das westliche Bildungssystem ablehnt und für islamische Rechtsprechung kämpft. "Boko Haram" bedeutet "Westliche Bildung ist Frevel". Die Sekte hatte sich in der Vergangenheit immer wieder zu Anschlägen bekannt, etwa nach dem tödlichen Angriff Anfang Juni auf einen Biergarten.

Fast jeden Tag ein neuer Anschlag

In den vergangenen Wochen waren mehr als 40 Menschen Anschlägen von Boko Haram zum Opfer gefallen, zuletzt am Dienstagmorgen, als nahe einer Militärbasis eine Bombe explodierte. Viele Einwohner der Stadt hätten sich in ihren Häusern verschanzt, weil sie Angriffe der Sekte und Vergeltungsschläge der Armee fürchten. Erst am Wochenende hatten Soldaten elf Sektenmitglieder getötet.

Mehrfach hatten Gruppenmitglieder von Motorrädern aus auf ihre Opfer geschossen oder Sprengsätze in Bierlokale geworfen. Boko Haram lehnt unter anderem das Trinken von Alkohol strikt ab. In der vergangenen Woche hatten die Behörden als Reaktion auf die Attacken das Fahren von Motorrädern in Maiduguri komplett verboten.

Regionalregierungen anderer nigerianischer Provinzen, aus denen etliche der Studenten in Maiduguri stammen, haben den Nachwuchsakademikern mittlerweile Hilfe bei der Evakuierung zugesagt.

him/dpa/AP

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