Teure Ausbildung Von der Grundschule bis zum Diplom für 118.000 Euro

Bildung ist manchmal vergeblich, aber alles andere als umsonst. Bis zum Abitur gibt der Staat pro Schüler rund 60.000 Euro aus, der Weg bis zum Uni-Examen verschlingt noch einmal die gleiche Summe. Die teuersten Studenten sind die Mediziner - einer allein kostet so viel wie vierzehn Betriebswirtschaftler.


Grundschüler: Kosten Vater Staat wenig
GMS

Grundschüler: Kosten Vater Staat wenig

Wer kluge Kinder will, muss dafür zahlen. Das gilt für Eltern genauso wie für Vater Staat, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) jetzt am Beispiel des Jahres 2000 vorrechnet. Demnach kostet ein deutscher Schüler, unabhängig vom Schultyp, im Durchschnitt im Jahr rund 4600 Euro.

Noch recht günstig ist der Start ins Schulleben: Pro Grundschüler gab der Staat jährlich lediglich 3600 Euro aus. Entschieden teurer wurde es auf dem Gymnasium mit 5200 Euro. Noch einmal 200 Euro mehr kostete ein Gesamtschüler. Die geringere Schülerzahl pro Lehrkraft und der Ganztagsbetrieb treiben hier den Preis nach oben.

Die Kosten der Schulen
Institut der Deutschen Wirtschaft Köln

Die Kosten der Schulen

Aber nicht nur der Staat investiert viel Geld in seine Zukunft. Für die Ausbildung von 1,7 Millionen Lehrlingen zahlten Unternehmen in Deutschland fast 28 Milliarden Euro. Dafür verdienten die Firmen mit ihren Azubis gute 13 Millarden Euro, bleiben unter dem Strich Nettokosten von 15 Milliarden Euro. Nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts kostet eine dreijährige Lehre damit im Schnitt 26.000 Euro netto.

Technisch anspruchsvolle Berufsausbildungen wie die zum Mechatroniker oder dem Industriemechaniker schlagen pro Kopf und Jahr mit 24.400 beziehungsweise 14.800 Euro netto zu Buche. Ein angehender Einzelhandelskaufmann kommt nur auf netto 8000 Euro - er macht sich schneller im Betrieb nützlich.

Die Kosten der Berufsausbildung
Institut der Deutschen Wirtschaft Köln

Die Kosten der Berufsausbildung

So viel kostet in etwa auch die Ausbildung eines Studenten im Jahr. Günstiger sind die Fachhochschulen: Dass Professoren dort mehr unterrichten, aber weniger verdienen, merkt der Finanzminister an lediglich 4300 Euro pro Student und Jahr.

Mit Abstand am teuersten ist die Ärzteausbildung: Sie verschlang knapp die Hälfte der gesamten Hochschulausgaben - je angehenden Mediziner wandte der Staat 28.000 Euro auf, wie das Kölner Institut meldet. Ein echter Preishit ist das klassische Bücherstudium ohne aufwendige Geräteausstattung. Ein Studium der Betriebswirtschaft zum Beispiel geht mit 1900 Euro an der Fachhochschule und 2000 Euro an der Universität geradezu als Schnäppchen durch.

Die Kosten des Studiums
Institut der Deutschen Wirtschaft Köln

Die Kosten des Studiums

Die Kosten variieren aber nicht nur von Fach zu Fach, sondern auch je nach Bundesland. Sachsen-Anhalt etwa bezahlt pro Student im Jahr rund 13.000 Euro, weit über dem Bundesdurchschnitt von gut 8000 Euro. Billiger lehrt es sich im studentenstärksten Land Nordrhein-Westfalen mit nur 5000 Euro.

Derzeit studieren in Deutschland übrigens rund 1,9 Millionen Menschen. Einmal angenommen, dass sie alle ihr Studium beenden und dafür die durchschnittlichen Kosten von 118.000 Euro benötigten, beliefen sich die Kosten dafür auf 224 Milliarden Euro - eine Zahl mit neun Nullen. Tatsächlich allerdings verzichtet allerdings etwa jeder vierte Student auf den Abschluss und lässt das Studium sausen.




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