Titelhandel 30.000 Mark für zwei Buchstaben

In Kaiserslautern müssen sich drei Männer wegen Betrugs und Urkundenfälschung vor Gericht verantworten. Sie sollen akademische Titel verkauft haben - teure, aber wertlose Zertifikate über Doktor- und Professorenwürden.


Das Angebot richtete sich laut Annonce an "solvente Persönlichkeiten": Drei Männer aus der pfälzischen Stadt Frankenthal sind in Kaiserlautern angeklagt, weil sie einen schwunghaften Handel mit gefälschten Professoren- und Doktortiteln betrieben. Das Trio soll von 1998 bis 2001 in mindestens 23 Fällen gefälschte Titel an den Möchtegern-Akademiker gebracht und dadurch einen Schaden von knapp 180.000 Euro (350.000 Mark) verursacht haben.

Die Preise lagen bei 30.000 Mark für einen "Doktor" und bei 50.000 Mark für einen "Professor". Die Verdächtigen sollen die Interessenten, an denen es offenbar nicht mangelte, dazu verleitet haben, für wertlose Fälschungen zu zahlen.

Während manche "Kunden" sich durchaus bewusst waren, dass sie die beiden Buchstaben vor dem Namen nicht auf legalem Weg erworben, handelten andere offenbar in gutem Glauben: Sie übergaben tatsächlich Doktorarbeiten, um den Titel zu bekommen. Andere meinten laut Angaben der Anklage, sie erhielten einen Ehrendoktor für die Förderung einer Universität oder in Anerkennung ihrer beruflichen Leistungen.

Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung und richtet sich gegen einen 50 Jahre alten Industriekaufmann, einen 44 Jahre alten Programmierer und einen 52 Jahre alten Ex-Justizbediensteten, der zuletzt als Vermögensberater tätig war.

Zwei der drei Angeklagten haben die Taten im Wesentlichen gestanden. Der Programmierer bestreitet die Vorwürfe. Allerdings könnte ihm sein Arbeitsgerät zum Verhängnis werden: Auf seinem Computer hätten die Ermittler beweiskräftige Daten gefunden, teilte die Anklagebehörde mit.



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