Titelinflation in Italien Dottore Jedermann

Italienische Akademiker führten den "dottore" schon immer etwas schneller vor dem Namen als Hochschulabsolventen in anderen Ländern. Doch nun droht dem Land eine Inflation, die an die seinerzeitige Wertentwicklung der Lira erinnert.


Gut behütet: Deutsche Doktoren brauchen bis zum Titel meist sieben bis zehn Jahre
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Gut behütet: Deutsche Doktoren brauchen bis zum Titel meist sieben bis zehn Jahre

Der dafür in Italien zuständige Rechnungshof ("Corte dei conti") hat entschieden, dass jeder Universitätsabgänger nach nur drei Jahren Studium den Doktortitel in seiner Disziplin führen darf. Dafür gibt es in den meisten anderen westeuropäischen Ländern gerade einmal einen schnöden Bachelor.

Die Italiener adaptierten zwar das international übliche Modulsystem für Studienabschlüsse und verkürzten so ihre Studienzeiten, hielten aber an den alten Titeln fest. Den "dottore" gibt es nach drei Jahren, wer fünf Jahre studiert hat, darf sich gar "dottore magistrale" nennen.

Die Berufsverbände der Rechtsanwälte, Architekten und Ingenieure machen nun Front gegen die Schmalspur-Titelträger. Ihr Argument: Ein Doktorhut garantiere den Kunden keine hochklassige Arbeit mehr.




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