Trendleiden Aufschieberitis Ich prokrastiniere, also bin ich

Von Kai Schwind

7. Teil: Anonymus in der Depressionsfalle


Anonym, 32, in einem Internet-Forum:

"Ich neige dazu, essentiell wichtige Tätigkeiten, die mir Unbehagen bereiten, vor mir herzuschieben. Zum Beispiel Kunden zurückrufen, Überweisungen schreiben, Post öffnen, Steuererklärung machen, Job suchen etc.

Surfen, bis der Arzt kommt: Da wuchern echte Depressionen
Kai Schwind

Surfen, bis der Arzt kommt: Da wuchern echte Depressionen

Ich schiebe so stark auf, beziehungsweise erledige Dinge in einem Maße gar nicht, dass ich mich dabei existentiell gefährde. Mein Studium scheiterte vor einigen Jahren daran. Jetzt ist meine Selbständigkeit daran gescheitert.

Statt mir zu überlegen, wie es weitergeht, sitze ich seit acht Wochen im Büro und surfe im Internet herum. Ich bin jetzt 32. Wenn ich nicht bald die Kurve kriege, habe ich wenig Hoffnung auf ein langes Leben."

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Seite 1
A.M.HB, 13.04.2006
1.
Laut Sprichwort soll es ja ein Zeichen von Faulheit sein, alles auf morgen zu verschieben. Ich gehöre leider auch zu denen, die am besten unter Termindruck arbeiten können. Tipps, wie ich das ändern könnte, hab ich nur theoretische: Das Unangenehmste sofort erledigen, dann geht der Rest - angeblich - leicht von der Hand. Bin mal gespannt, ob ich hier verwertbare Tipps und Tricks nachlesen kann.
nonopin, 13.04.2006
2.
Ich bin definitiv auch jemand, der Druck braucht... Ein bisschen verbessern konnte ich das. Wenn unangenehmes ansteht, sag ich mir: "das sind jetzt xy Minuten deines Lebens, die bringst du hinter dich und dafür wirst du xy Stunden sehr zufrieden sein mit dir!" Hilft ganz gut (je nach Tagesform und Wetter...). Oder aber ich erinnere mich an Unangenehmes, das zurückzuführen war darauf, dass ich Dinge zu lange habe liegen lassen... Hilft auch ganz gut:))
sojiti, 13.04.2006
3.
ich halte es mit scarlett o'hara: morgen auf tara will ich über das nachdenken. dann werde ich es ertragen. morgen wird es mir schon einfallen. schließlich, MORGEN ist auch ein tag.
dericon, 13.04.2006
4.
Hängt vielleicht damit zusammen, daß die Dinge, die ich (wir?) verschiebe, für mich nicht wichtig sind. Die für MICH wichtigen Dinge erledige ich sofort. Alles andere sind Forderungen anderer, für die ich teilweise nicht mal Verständnis habe. Warum auch? Ich fühle mich einfach nur belästigt ...
Rainer Helmbrecht 13.04.2006
5.
Ja, ich gehöre auch zu den Menschen, die (fast) alles auf Morgen verschieben. Diese Macke habe ich schon seit Jahrzehnten. Von den vielen Problemen, die ich verschiebe, gehört auch mein Wahlverhalten. Alle vier Jahre nehme ich mir vor mich zu informieren und nur noch eine Partei zu wählen, die meinem Willen entspricht. Jedesmal denke ich, na ja, so kurz nach der Wahl musst du alles erstmal zur Ruhe kommen lassen. Nichts über das Knie brechen, diesmal mit Augenmaß. Dann vergehen so ein-zwei Jahre und man versucht die Bestätigung für die alte Wahl zu finden. Dann bemerkt man.... Menschenskind, jetzt hast du wieder die gleichen Schaumschläger gewählt..... aber zum letzten Mal. Nun fange ich an die Parteien "wissenschaftlich" zu untersuchen. Ich wäge ab, suche alle Fallen, weiss immer noch nicht, ob Moral oder Cleverness der Politiker das rechte Kriterium ist. Inzwischen nähert sich der neue Termin. Ich werde hippelich, berate mich mit Freunden, Nachbarn, Parteigängern, frage alte Leute, junge Leute. Rede mir den Kopf heiss, fange an meine Freunde zu belehren, meine Feinde zu beleidigen und dann ist Wahltag! Jetzt mache ich den üblichen Fehler..... ich gehe erst wal wählen...... und nehme mir vor: Das nächst Mal werde ich mich informieren und nur noch die Partei wählen, hinter der ich zu 100 Prozent stehe;o).
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