Hochschule in Trier Warum nicht Karl-Marx-Uni?

Kurz vor dem 200. Geburtstag von Karl Marx wird in Trier diskutiert, ob man die Uni nach dem Philosophen benennen sollte - schließlich wurde er dort geboren. Wie stehen die Chancen?

Karl Marx Porträt aus dem Jahr 1875
AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung/DPA

Karl Marx Porträt aus dem Jahr 1875

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Der Name der Universität Trier ist schnörkellos: "Universität Trier", mehr nicht. Andere sind da klangvoller, die "Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)" zum Beispiel, auch wenn das melodiöse lateinische Wort Viadrina nichts anderes heißt als "an der Oder gelegen". Die Uni in Frankfurt am Main etwa ist nach dem berühmtesten Sohn der Stadt benannt: Johann Wolfgang von Goethe.

Warum also nennt sich die Trierer Uni nicht ebenfalls nach einer Geistesgröße aus der Gegend, nämlich nach Karl Marx? Das forderte gerade der Linken-Politiker Gregor Gysi in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Trierischer Volksfreund".

Karl Marx sei "weltweit bekannt", schreibt Gysi: "Und selbst wenn man seinen Ansatz nicht teilt, so kann man doch bei Marx viel darüber lernen, wie man mit wissenschaftlicher Methode komplexe Sachverhalte analysieren kann." Nicht zuletzt wird in diesem Jahr Marxens 200. Geburtstag begangen.

Der Vorschlag sorgt für Streit. Der Autor von "Das Kapital" ist einer der einflussreichsten Denker deutscher Herkunft. Allerdings alles andere als unumstritten. Viele erkennen in Karl Marx noch immer vor allem eine Galionsfigur der Linken, weniger den Gesellschaftswissenschaftler und Ökonomen.

Die Kommentare unter Gysis Facebook-Eintrag, mit dem er den Vorschlag auch verbreitet, vermitteln einen Eindruck der Debatte. Da meint einer, Marx' Schriften hätten "zu viel Elend in die Welt gebracht" um solch eine Ehrung zu rechtfertigen. Dem halten andere entgegen: "Der von Lenin und später Stalin geprägte Kommunismus und Personenkult haben nur noch sehr wenig mit den ursprünglichen Ideen von Marx und Engels zu tun." Aber der Kapitalismus, der unsere Gesellschaft präge, habe es Marx eben nie verziehen, dass er ihm "den Schleier weggezogen" und ihn entlarvt habe.

Lieber nicht Marx auf dem Diplom

Andere gehen die Frage etwas pragmatischer an: Unabhängig davon, wie man Marx bewerte, werde er von vielen in der Welt mit den Opfern kommunistischer Diktatoren in Verbindung gebracht. Deshalb hätten sie ein Problem damit, wenn der Name demnächst auf ihrem Abschlusszeugnis stünde.

Es gab schon andere Marx-Universitäten, allerdings in politischen Systemen, die sich ohnehin auf den Ökonomen aus Trier beriefen. So wurde die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Königlichen Ungarischen Universität in Budapest 1953 in Karl-Marx-Universität umbenannt.

1991, nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft, fiel der Name wieder weg. Seit 2003 ist die Uni dem ungarischen König Matthias Corvinus gewidmet, der 1490 starb.

Auch die Universität Leipzig hieß zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Universität, ebenfalls seit 1953. Und wie in Budapest wurde der Namensgeber wieder entfernt, als der kommunistische Staat sein Ende fand. An der Front der Uni prangte, noch lange darüber hinaus, ein tonnenschweres Relief namens "Aufbruch", das - neben allerlei sozialistischem Zierrat - überlebensgroß Marx' Konterfei zeigte.

"Passt nicht in diese Zeit"

Immer wieder gab es auch in Leipzig Forderungen, den Namen des Philosophen wieder einzusetzen. Sie stießen auf starke politische Widerstände, galten doch Teile der Uni, als sie noch diesen Namen trug, als Kaderschmiede der Stasi.

Solche Bezüge gibt es in Trier nicht. Ansonsten ähneln sich aber manche Argumente, der Gegner. Der wohl wichtigste ist Unipräsident Michael Jäckel. Er will seine Hochschule nicht nach Marx benennen, und schrieb, ebenfalls im "Trierischen Volksfreund": "Im 21. Jahrhundert muss die Universität ihren Ort als gesellschaftliche Institution neu definieren. Bindungen an bestimmte Traditionen oder Personen passen nicht in diese Zeit." Im Übrigen würdige die Uni Marx Lebenswerk bei allen sich bietenden Gelegenheiten, im Jubiläumsjahr zum Beispiel mit einem internationalen Symposium.

So dürfte die Uni Trier bis auf weiteres bei ihrem prosaischen Namen bleiben. Denn der andere große Trierer, den manche Studenten in die Debatte einbringen, hat sich zwar um den deutschen Schlager verdient gemacht, aber das nicht besonders wissenschaftlich: Guildo Horn.



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